Joachim Löw schlenderte entspannt im dunklen Dreiviertelmantel und mit schwerer Aktentasche in die DFB-Zentrale. Dort stellte der Bundestrainer seinem noch unbekannten Erben in einem kämpferischen Auftritt gleich die größte Aufgabe: Mister X soll bitteschön bei der Heim-EM 2024 "für eine Explosion" sorgen. Am liebsten als Verteidiger des Titels, den er selbst als letzte Amtshandlung im Sommer holen will.
"Ab heute gilt meine volle Konzentration der EM. Wir wollen das Maximale erreichen", sagte Löw, für dieses letzte große Ziel werde er "alles mobilisieren, alle Kräfte freisetzen". Seine verjüngte Nationalmannschaft werde aber erst 2024 "ihren Leistungszenit erleben". Dann soll ein Sommermärchen 2.0 her.
"Ein Turnier im eigenen Land hat eine ganz besondere Magie, eine ganz besondere Anziehungskraft", schwärmte Löw mit leuchtenden Augen, "da muss es wirklich explodieren in Deutschland." Wie die WM 2006 könne die Heim-EM "unheimlich viel bewirken für unsere Gesellschaft, für alle Menschen".
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Dies sei der Leitgedanke seiner Entscheidung zum Ausstieg vor Vertragsende gewesen. Sein Nachfolger, der nach dem Willen des DFB-Präsidenten Fritz Keller "eine neue Ära" prägen soll, brauche "ein bisschen Zeit", betonte der 61-Jährige, "es soll auf keinen Fall daran scheitern, dass der Trainer an seinem Stuhl klebt. Das ist jetzt die Zeit der Erneuerung, der Veränderung und der Bewegung."
Nur, wer soll die DFB-Auswahl nach 15 Jahren unter Weltmeistercoach Löw erneuern? "Es gibt keine Denkverbote, alles ist möglich", sagte Keller, und: "Wir haben alle Zeit der Welt."
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Bierhoff will sich Zeit bei Löw-Nachfolge lassen

Den Auftrag zur Trainersuche hat Direktor Oliver Bierhoff erhalten. Die Nachricht von Löws Abschied habe ihn "nicht wie ein Blitz getroffen", sagte er wenig überraschend, "ich war in den letzten Monaten nicht tatenlos". Kandidaten-Namen wollte Bierhoff aber nicht kommentieren. "Dafür haben wir die Experten", sagte er schnippisch. Könnte es auch eine Frau sein? Bierhoff schmunzelte und sagte: "Ich würde nie etwas ausschließen."
Löw hielt eine kurzes Plädoyer für Hansi Flick ("Jeder kennt seine Qualitäten"), will sich in die Suche aber nicht einmischen. Sein früherer Assistent gilt vielen nach der Absage von Jürgen Klopp als bestmöglicher Kandidat. Bierhoff aber betonte, der DFB werde "nicht in bestehende Verträge eingreifen" - Flick ist bis 2023 an den FC Bayern gebunden, dessen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sich schon vehement gegen Abwerbeversuche gewehrt hat.
Möglich scheint weiterhin eine interne Lösung mit U21-Trainer Stefan Kuntz und/oder Löws Assistent Marcus Sorg. Letzterer habe einen Vertrag bis 2024 sowie "hohe Kompetenz und Stärke", betonte Bierhoff.
Oder kommt doch der vereinslose Revoluzzer Ralf Rangnick, der sein Interesse offensiv signalisiert und in Klopp sowie Lothar Matthäus prominente Fürsprecher hat? "Es ist eine Stelle, die keinen Trainer in Deutschland kalt lässt", sagte der frühere Leipzig-Architekt bei Sky. Eine wichtige Anforderung würde der 62-Jährige erfüllen: Der neue Mann soll laut Bierhoff möglichst Deutscher sein. Eine konkrete Deadline wollte er nicht nennen.

Hört im Sommer als Bundestrainer auf: Jogi Löw

Fotocredit: Imago

Löw legt vollen Fokus auf die WM

Zunächst, das machten Löw, Keller und Bierhoff klar, liege der Fokus auf der EM im Sommer. Löws Abschied werde der DFB-Auswahl "einen Kick geben", behauptete Keller, der den scheidenden Freiburger als "Welttrainer" würdigte.
Löw versprühte großen Hunger auf sein letztes Hurra: "Turniere habe ich immer über alles geliebt." Und auch in seinem Team spüre er "die Energie", die Mannschaft habe "sehr große Qualität". Ob er sie durch einen der ausgebooteten Weltmeister wie Thomas Müller oder Mats Hummels ergänzen wird, will Löw erst im Mai entscheiden.
Sein Entschluss zum vorzeitigen Ende sei nach "tagelangem" Überlegen vor zwei, drei Wochen gefallen, berichtete Löw. Jetzt sei "der richtige Zeitpunkt, den Stab an einen anderen Trainer weiterzugeben".
Die "große Laudatio" für Löw will Keller erst nach der EM halten. Am liebsten mit Pokal. "Jogi zu feiern", sagte Bierhoff bewegt, "da wird ein Abend oder eine Grußrede nicht reichen."
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(SID)

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