Irgendwie ist der Blick zurück charmant, irgendwie ist er erschreckend. Im Sommer 1996 wurde Alan Shearer zum teuersten Fußballer der Welt, als Newcastle United 15 Millionen Pfund (damals 21 Millionen Euro) für den Angreifer bezahlte - historischer Höchstwert.

Heute, anno 2016, löhnt Juventus Turin flockige 90 Millionen Euro für den 28-jährigen Gonzalo Higuaín, und Manchester United investiert noch irrwitzigere 105 Millionen Euro in Paul Pogba, die Ablöse könnte um weitere fünf Millionen Euro steigen. Nicht nur bei Jürgen Klopp zieht sich der Magen zusammen.

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Alan Shearer war Englands letzter Weltrekordtransfer - bis Pogba

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"An dem Tag, an dem das Fußball ist, werde ich meinen Job nicht mehr machen", ächzte der Trainer des FC Liverpool kürzlich.

Auch für Thomas Tuchel, seinen Amtsvorgänger bei Borussia Dortmund, ist die Absurdität des Transferbasars schwer zu (er)fassen: "Der Markt ist verrückt! Es zirkuliert zu viel Geld, die Preise sind außer Kontrolle."

Geld-Krösus England sticht Spanien aus

1996 wurde Shearer zum Weltrekordmann, 2016 ist es Pogba. Einerseits illustriert die Spanne, in welch heillos überhitzte Sphären die Preise gedriftet sind. Andererseits fällt auf, dass die Premier League nach zwei Dekaden wieder den Titel des Transferkönigs ergattert hat. Bis Pogba nun von Juve zu United übersiedelt, war Shearers Wechsel der letzte, der England als Krösus auswies.

Viel spricht dafür, dass der Pogba-Deal mehr ist als ein losgelöstes Geschäft zwischen einem italienischen und einem britischen Klub. Die Zeichen stehen auf Zeitenwende.

Neben Manchester buhlte Real Madrid um Pogba, auch der FC Barcelona schien interessiert. Über Jahre erhielt die spanische Elite, was sie begehrte, garniert mit immer höheren Messlatten: 2009 ging Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro zu Real, 2013 folgte Gareth Bale für 101 Millionen, während Barca parallel Neymar und Luis Suárez einkaufte, ebenfalls für Schubkarren voller Scheine.

Diesmal aber, bei Pogba, besaßen die Spanier vermutlich keine echte Chance. Weil United seinen Hut in den Ring warf - und der Faktor Geld keinen Platz im Rollenspiel einnahm, noch weniger als ohnehin.

Heidel erwartet "heißestes Transferfenster aller Zeiten"

Sicher kein Zufall, dass Manchester exakt in jenem Sommer, in dem der gigantische TV-Vertrag greift - 6,9 Milliarden Euro bis 2019 -, den größten Kassensturz der Geschichte bewerkstelligt. "Wir werden die Entwicklung in England in einer gravierenden Art und Weise spüren", befürchtete Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl zu Jahresbeginn.

Pogbas Mega-Transfer auf die Insel, wo gehaltstechnisch Milch und Honig sprudeln, könnte der Startpunkt einer Ägide sein: Kaum spannt die Premier League ihren Bizeps an, fischt sie den dicksten Fisch aus dem Teich.

Schon klar, ein Weltklub wie United verfügt fast traditionell über außergewöhnliche Finanzmittel. Trotzdem riecht es nach Zäsur. Christian Heidel, Sportvorstand des FC Schalke 04, erwartet 2017 das "heißeste Transferfenster aller Zeiten", so gesehen war Pogba ein Fanal.

Dabei freuen sie sich hierzulande über das eigene Fernsehkonstrukt, als "ausgezeichnetes, überragendes Ergebnis" rühmte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, die 4,64 Milliarden Euro für vier Jahre. Eine neue Dimension für die Bundesliga. Im Armdrücken mit England wird's dennoch schwer.

Pogba wechselt zu Europa-League-Teilnehmer

Pogba ist der erste Superstar seit Ewigkeiten, den es auf die Insel zieht, ohne vorher von Real oder Barca verstoßen zu werden wie Mesut Özil oder oder Ángel Di María. Bei Ronaldo (von United kommend), Bale (Tottenham Hotspur), Suárez (Liverpool) zeigte die Reiseroute stets in umgekehrte Richtung, von England nach Spanien; Pogba präferiert die Briten, obwohl ihn ebenjenes United einst mehr oder minder verschmähte.

Paul Pogba wurde Vize-Europameister mit Frankreich

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Nicht falsch verstehen: Paul Pogba ist ein 23-jähriger Mittelfelddynamiker, dem noch einiges fehlt, um die Ebene eines Ronaldo zu tangieren. Sein Potential und die marktgerechte Ausstülpung aber verleihen ihm bereits einen Sonderstatus. Dadurch, dass er Manchester United (und damit de facto einen graumäusigen Europa-League-Teilnehmer) den schillernden Real und Barca vorzieht, ist dieser Wechsel als Einschnitt zu bewerten.

Pogba wird bloß der Anfang sein.

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