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FC Liverpool: Jürgen Klopp und die Titelpflicht im vierten Jahr

Klopps Titelpflicht: Mein Geschwätz von gestern…

14/09/2018 um 21:45Aktualisiert 15/09/2018 um 19:17

Jürgen Klopp und der FC Liverpool haben in der Premier League einen makellosen Saisonstart erwischt: vier Spiele, vier Siege, Tabellenführer. Erster Fortschritt zu den Vorjahren ist Liverpools Bilanz gegen vermeintlich Kleine. Jetzt muss es auch im Duell mit Schwergewichten funktionieren, wie bei den Tottenham Hotspur. Einst hat sich Klopp mit einer Ansage selbst unter Titeldruck gesetzt.

Im Gegensatz zu ihm, dem großen José Mourinho, der Pokale in Spanien, Italien und England holte, sei dieser Coach doch titellos im Ausland, blaffte der momentan gar nicht mal so große José Mourinho.

Das ist die Wahrheit. Und eben doch ein Problem, weil es zum Bumerang mutiert und Worte zurückschleudert, die Ewigkeiten zurückliegen. Das Geschäft vergisst eben nichts.

Klopp verlor drei Finals mit Liverpool

Als Klopp im Herbst 2015 beim FC Liverpool vorgestellt wurde, da wollte er keine Trophäen garantieren, merkte aber an:

"Wenn wir uns hier in vier Jahren wiedersehen sollten, haben wir wohl einen Titel gewonnen."

Inzwischen ist Klopp im vierten Liverpool-Jahr (dem dritten vollen), bekanntermaßen erreichte er im Mai das Champions-League-Finale - nur mit "silverware", wie es in England heißt, wurde die Vitrine nicht aufgefüllt.

Drei verlorene Endspiele (Ligapokal und Europa League 2016, dazu die Champions League), also Lorbeer, bloß nichts zum Hochhalten. Schon gar nicht in der Premier League. Das Vorjahr beendete Liverpool mit 25 Punkten Rückstand auf Manchester City als Vierter, die so ersehnte Meisterschaft gelang zuletzt 1990.

FC Liverpool: Klopp gab schon 440 Millionen Euro aus

"Wir können nichts anderes als der Herausforderer sein, weil wir nichts gewonnen haben, seit ich hier bin", sagte Klopp vor der Saison.

"Deshalb müssen wir mehr investieren, mehr kämpfen, mehr kreieren. Wir werden in der Liga und jedem anderen Wettbewerb um den Titel kämpfen. "

Für den "nächsten Schritt" (Klopp) spendierte Liverpool im Sommer rund 180 Millionen Euro; Leipzigs Naby Keita, Ex-Bayer Xherdan Shaqiri, Brasiliens WM-Torwart Alisson und Monacos Fabinho verstärkten das Team. 440 Millionen Euro gab Klopp in seiner Amtsperiode für Neuzugänge aus, nahm jedoch auch 274 Millionen Euro ein.

Jubel beim FC Liverpool in der Premier League

Jubel beim FC Liverpool in der Premier LeagueSID

Einem Zündler wie Mourinho genügt diese Rechnung nicht. Liverpool müsse nun "endlich etwas holen", stichelte der Portugiese angesichts des Transfervolumens. In der Klopp-Ära machte sich der LFC seine Ernteerträge oft durch fehlende Konstanz zunichte, unser englischer Eurosport-Kollege Ben Snowball nennt eine "Jekyll-und-Hyde-Mentalität": glorreiche Siege gegen Top-Teams, peinliche Pleiten gegen Underdogs.

"Dann könnte der Moment kommen: Okay, ich höre auf"

Zumindest in diesem Punkt haben sich die "Reds" gesteigert. Vier Siege aus vier Spielen, 4:0 vs. West Ham United, 2:0 vs. Crystal Palace, 1:0 Brighton & Hove Albion, 2:1 vs. Leicester. Plötzlich kann Liverpool die kleinen großen Aufgaben - und ist Tabellenführer.

Klopp beruhigte bereits, er verwandte das Sprachbild von Rocky Balboa und Ivan Drago, in Anlehnung an die Box-Saga mit Sylvester Stallone. ManCity sei Drago und Liverpool der burschikose Rocky, und jeder weiß natürlich, wer zum Schluss triumphierte…

Jürgen Klopp vom FC Liverpool

Jürgen Klopp vom FC LiverpoolEurosport

Klopps vierte Saison an der Merseyside wird eine entscheidende. Die Titelpflicht hat sich der Ex-BVB-Coach selbst auferlegt. Je sieben Jahre verbrachte Klopp bei seinen vorherigen Stationen in Mainz und Dortmund, "wenn ich etwas gewinne", hat er mal über Liverpool gemeint, "könnte der Moment kommen, an dem ich sage: Okay, das war es. Ich höre auf".

Tottenham wird Liverpools erster Gradmesser

Im Prinzip gelte aber jenes:

"Solange es funktioniert, werde ich weitermachen. Das bedeutet, dass ich weitermache, solange es etwas zu verbessern gibt. "

Und das gibt es ja. Zwar hat sich Keita prächtig eingefügt, zwar ist der Sturm-Dreizack um Mohamed Salah, Robert Firmino, Sadio Mané gut aufgelegt, zwar bietet Alisson trotz Patzer gegen Leicester einen Rückhalt, der Loris Karius nicht länger sein konnte - aber Klopp hat genug Punkte, an denen er weiter ansetzen kann und muss: Lösungen bei Ballbesitz, Automatismen im Positionsspiel, eigentlich alles außer Pressing.

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