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Drei Dinge, die auffielen: Liverpool trifft ManCity ins Herz

Drei Dinge, die auffielen: Liverpool trifft ManCity ins Herz
Von Eurosport

11/11/2019 um 12:23Aktualisiert 12/11/2019 um 08:23

Der FC Liverpool schlägt Manchester City am 12. Spieltag der Premier League mit 3:1 (2:0). Statistisch in allen Belangen überlegen, leisten sich die Gäste dabei zu viele Fehler - und werden eiskalt bestraft. Zudem offenbart die Mannschaft von Pep Guardiola in diesem Spiel neben einem Abwehr- auch ein Offensivproblem. Drei Dinge, die uns beim Top-Spiel an der Anfield Road auffielen.

1.) Stumpfer Angriff

Manchester City konnte man lange wirklich kaum einen Vorwurf machen. 18 Torschüsse an der Anfield Road abzugeben, schaffen nicht viele Teams. Nicht mal in der Champions League.

Das Team von Pep Guardiola spielte auch beim Tabellenführer wie selbstverständlich dominant, presste hoch, eroberte auch viele Bälle in Szenen, die Liverpool wirklich weh taten - und lag doch schnell mit 0:2 in Rückstand. "Wir haben in einigen Momenten leiden müssen", sagte Liverpool-Trainer Jürgen Klopp.

Dass aus der Aufholjagd nichts wurde, lag dann aber auch ein bisschen an der fehlenden Qualität im Abschluss. Kevin De Bruyne versuchte viel, um Mitspieler im Strafraum in aussichtsreiche Positionen zu bringen (z.B. mit einem Weltklasse-Pass auf Angeliño, 29.).

Vor dem Tor ließen Sergio Agüero, Raheem Sterling, Bernardo Silva und Co. lange komplett ihre Kaltschnäuzigkeit vermissen.

Drückte ein Stürmer doch mal einigermaßen zielgerichtet ab, war immer ein Liverpooler Abwehrbein dazwischen - stellvertretend dafür die Szene, in der Dejan Lovren beeindruckend gegen Sterling zur Ecke rettete (53.). Reds-Keeper Alisson Becker musste so nur drei Schüsse parieren.

So dauerte es bis zur 78. Minute, bis der Ball nach dem x-ten Angriff der Citizens endlich mal im Liverpooler Netz zappelte (Bernardo Silva). Da war's dann aber auch schon zu spät.

Jürgen Klopp (Liverpool)

Jürgen Klopp (Liverpool)Getty Images

2.) ManCity macht zu leichte Fehler - und hat Pech

Was man Manchester City im Spitzenspiel der Premier League vorwerfen konnte: Der Meister machte zu viele einfache Fehler, die Liverpool eiskalt ausnutzte.

Beim 1:0 war ManCity durch ein vorangegangenes Handspiel von Trent Alexander-Arnold im Liverpooler Strafraum in Aufruhr und deshalb unsortiert - Agüero hörte beispielsweise einfach auf, um auf den Schiedsrichter loszustürmen.

Ein einfacher langer Ball reichte, um Stones gegen Mané aus der Kette zu locken. Den Flankenball bekamen Angeliño und in letzter Instanz Ilkay Gündogan dann nur unsauber in die Mitte geklärt, wo Fabinho den Hammer auspackte und einnetzte (8.).

Fabinho zieht ab und trifft

Fabinho zieht ab und trifftGetty Images

Für City war aber auch Pech im Spiel: Alexander-Arnold hatte den Ball zuvor wirklich klar mit der Hand gespielt. Und auch, wenn der Ball erst von Bernardo Silvas Arm abgelenkt in Richtung des Liverpoolers gesprungen war - hier hätte es Elfmeter geben können, vielleicht sogar müssen.

Handspiel von Alexander-Arnold

Handspiel von Alexander-ArnoldEurosport

"Bitte fragen Sie die Schiedsrichter, bitte fragen Sie nicht mich. Ich möchte nur über unsere Leistung sprechen, denn die war richtig gut", sagte Pep Guardiola, der sich während der Partie aber mehrfach mächtig aufgeregt hatte.

Beim 2:0 durch Mohamad Salah (13.) wiederum genügte ein einfacher Flankenwechsel von Alexander-Arnold mit dem schwächeren linken Fuß aus der eigenen Hälfte in den Rücken von Silva, um City komplett auszuhebeln.

Andrew Robertson fackelte nicht lange und flankte aus dem Halbfeld, in der Mitte nutzte Salah seine Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem Aushilfsinnenverteidiger Fernandinho und versenkte per Kopf gegen die Laufrichtung von Claudio Bravo.

"Die ersten Minuten waren einfach wild", sagte Klopp, "er war von der ersten Sekunde an sehr intensiv. Man konnte spüren, wie wichtig dieses Spiel für beide Mannschaften war."

Mohamed Salah (M.) jubelt für den FC Liverpool

Mohamed Salah (M.) jubelt für den FC LiverpoolGetty Images

Und als ManCity eigentlich drauf und dran war, den Anschluss zu erzielen, ließen Gündogan und Angeliño und Gündogan Henderson an der rechten Eckfahne flanken, in der Mitte unterschätzte Bravo den Ball und patschte sich dann auch noch den - zugegeben scharfen - Kopfball von Sadio Mané ins kleine Netz (51.).

"Wir sind nicht besonders gut gestartet, das erste Tor spielt aber immer eine wichtige Rolle. Und nach der Halbzeit wussten wir: Das nächste Tor wird entscheidend", sagte Robertson.

Sadio Mané trifft - FC Liverpool vs. Manchester City

Sadio Mané trifft - FC Liverpool vs. Manchester CityGetty Images

Als City nach dem 1:3 noch ein wenig ans Comeback glaube, sorgte nochmals ein Handspiel von Alexander-Arnold im Liverpooler Strafraum für Aufregung bei Guardiola. Diesmal war er aber wirklich aus kürzester Distanz angeschossen worden - kein Elfmeter war hier die korrekte Entscheidung.

3.) Pressen, Pressen, Pressen

Jürgen Klopp gegen Pep Guardiola hielt erneut, was es versprach - das Top-Spiel der Premier League war eine hübsche, kurzweilige und sehr ansehnliche Uptempo-Nummer und womöglich das Beste, was der Weltfußball aktuell zu bieten hat. In der vergangenen Saison hatten beide Teams ja schließlich auch in der vermeintlich besten Liga der Welt 98 und 97 Punkte geholt.

Gerade in der ersten Halbzeit kreierten beide Teams Pressingsituationen, die jeden Fußball-Trainer neidisch an die Anfield Road blicken ließen - hier sei an die 200-km/h-Aussage von Niko Kovac vor ein paar Wochen erinnert. Beide Mannschaften gelang es aber auch defensiv extrem gut, sich aus diesen Situationen zu befreien. Bei Liverpool war hier Eröffnungstorschütze Fabinho der Schlüssel.

Fabinho jubelt - FC Liverpool vs. Manchester City

Fabinho jubelt - FC Liverpool vs. Manchester CityEurosport

ManCity war insgesamt das überlegene, aber nicht bessere Team. Die Gäste schossen öfter aufs Tor (18:12), gewannen 58 Prozent aller Zweikämpfe, spielten mehr Pässe (505 zu 411), brachten mehr Zuspiele zum Mann (84 Prozent gegenüber 78 Prozent bei Liverpool) und hatten auch mehr Ballbesitz (55 Prozent).

Wenn man an der Anfield Road jedoch nach zwei Unachtsamkeiten schnell mit 0:2 zurückliegt, wird es auch für ein von Pep Guardiola geführtes Team schwer - zumal der LFC dann so richtig seine Konterstärke ausspielen konnte. Bemerkenswert: Guardiola hat nun bereits zum achten Mal gegen Klopp verloren - dreimal öfter als gegen jeden anderen Trainer.

"Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, mit den Problemen, die wir haben, war fantastisch", sagte Guardiola trotzig, meinte aber auch:

"Wenn Liverpool am Ende gewinnt, bin ich der erste, der ihnen gratuliert, denn sie sind richtig gut. Ihre ersten beiden Schüsse waren zwei Tore, und dann ist es einfach schwierig. Wir haben verloren, weil sie drei Tore geschossen haben und wir eben nur eins."

Am Ende gab an diesem Abend jedoch nicht die taktische Ausrichtung, sondern die individuelle Klasse der Liverpooler Spieler den Ausschlag. Und ManCity ist mit den aktuellen Abwehrproblemen eben nur noch ein Herausforderer.

"Neun Punkte sind viel", sagte Guardiola dann noch:

"Sie haben letzte Saison nur ein Spiel verloren - also ... Im Leben kannst du nicht immer gewinnen."

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