Die Arme weit ausgebreitet mit aufgerissenen Augen.
So rannte Thierry Henry an diesem 9. Januar 2012 in die Arme von Trainer Arsène Wenger. Gerade hatte der Stürmer gegen Leeds United getroffen. An einem nasskalten Abend. Zum Siegtreffer in der dritten Runde des FA-Cups. Eigentlich nichts Besonderes.
La Liga
Die Königstransfers des Fußballs: Reals 94-Millionen-Angriff auf Messi
20/04/2020 AM 20:26
Später aber würde Henry selbst sagen, dies sei sein liebstes Tor. Nicht weil es besonders wichtig, technisch hochwertig oder historisch war - obwohl es all das war. Nein, hier ging es um etwas Persönliches.
"Es war das erste Tor, das ich als Fan erzielt habe", sagte Henry: "Meine Rückkehr zu Arsenal war eigentlich gar nicht geplant. Ich sollte an diesem Abend auch gar nicht spielen oder ein Tor erzielen. Aber ich kam zurück, spielte und traf. Es sollte einfach sein."
Es war das erste Spiel und gleichzeitig der Höhepunkt der zweiten Henry-Ära beim FC Arsenal. Eine Ära, die insgesamt nur einen Monat und neun Tage dauerte. Nicht im Ansatz vergleichbar mit der ersten Zeit Henrys in Nord-London.
Der damals 34-Jährige hatte zuvor schon acht Jahre für Arsenal die Schuhe geschnürt, war zum besten Torschützen in der Geschichte des Klubs und Jugendidol aufgestiegen. Vor dem Stadion steht heute seine Statue.

Thierry Henry jubelt über sein erstes Tor nach Rückkehr zum FC Arsenal

Fotocredit: Eurosport

Henry hatte eigentlich schon in Madrid unterschrieben

Dabei wäre der Franzose um ein Haar nie ein "Gunner" geworden.
"Als Henry noch bei Monaco spielte, haben wir ihn überzeugt, bei uns zu unterschreiben und er hat den Vertrag auch unterschrieben", erklärte der inzwischen verstorbene ehemalige Präsident von Real Madrid Lorenzo Sanz einmal im Gespräch mit der "Marca".
Dann aber entwickelte sich eine kuriose Geschichte. "Als wir ihn im Flugzeug hatten, um ihn nach Madrid zu bringen, ist sein Vater aufgetaucht und sagte, dass Henry nicht gehen könne, weil er Angst vor dem Präsidenten von Monaco habe."
Henry jr. blieb schließlich im Fürstentum und fand nach einem nicht mal einjährigen Intermezzo bei Juventus Turin schließlich im Sommer 1999 den Weg nach London.
Ancelotti setzte Henry auf einer falschen Position ein.
"Als Henry zu Juventus kam, war er noch sehr jung und seine Fähigkeiten noch nicht ausgereift genug, um bei einem großen Verein in einer hart umkämpften Weltklasseliga zu bestehen", erinnert sich Serie-A-Experte Davide Bighiani von Eurosport Italien. Auch der damalige Turiner Coach Carlo Ancelotti trug dazu bei, dass der Weltmeister von 1998 in Italien nicht aufblühen konnte.
Der Trainer habe es für Henry "nicht leichter gemacht", weil er ihn auf einer falschen Position einsetzte, meint Bighiani. Unter dem späteren Bayern-Coach musste der damals 21-Jährige stets auf dem Flügel ran. "Dabei war er ein Mittelstürmer, wie der Rest seiner Karriere eindrucksvoll belegte", so Bighiani.
Nach knapp sieben Monaten im Piemont packte Henry seine Sachen und wechselte nach England. Weder Fans noch Verein hatten das Gefühl, dies sei ein großer Verlust.

Thierry Henry feiert ein Tor gegen Tottenham

Fotocredit: Getty Images

Henry explodiert nach müdem Start

Beim FC Arsenal empfing man ihn mit offenen Armen. Hatte man ein Jahr zuvor noch das Double gewonnen, musste man sich im Frühsommer 1999 mit der Vizemeisterschaft zufriedengeben. Zudem suchte man einen Ersatz für Goalgetter Nicolas Anelka, den es auf seiner Wanderschaft durch Fußballeuropa nach Madrid verschlagen hatte.
Also ersetzten die Gunners den einen Franzosen durch einen anderen. Ein Transfer, der die Vereinsgeschichte prägen sollte, auch wenn Henry zu Beginn seiner Arsenal-Zeit wenig Anlass zu dieser Annahme gab.
Der Stürmer fremdelte. In seinen ersten acht Spielen im neuen Trikot gelang ihm kein Tor. Erst am 18. September 1999 platzte der Knoten. Nach seinem Treffer in Southampton war Henry dann aber nicht mehr aufzuhalten.
Am Ende seiner ersten Saison standen für den französischen Nationalspieler 26 Tore zu Buche. Doch das war nur ein Vorgeschmack.
Thierry Henry wurde mit insgesamt 228 Toren vor Vereinslegende Ian Wright zum Rekordtorschützen in der Geschichte des FC Arsenal. Er führte den Klub zu zwei weiteren Premier-League-Titeln - den von 2004 fuhr die legendäre "Invincibles"-Elf sogar ungeschlagen ein. Ein bis heute ungebrochener Rekord.
Henry wurde das Gesicht eines neuen, frischen, aufregenden FC Arsenal. Dafür sind die Fans ihm bis heute dankbar.
Mehr noch als schnöde Statistiken revolutionierte Henry zusammen mit seinem Förderer Wenger die Rolle des Mittelstürmers und verlieh dem Arbeiterklub Arsenal internationales Flair. Er veränderte das Ansehen der Premier League.
"Wenger gab Henry nie gekannte Freiheiten als Mittelstürmers. Er konnte auf die Außen ausweichen, wann immer er wollte. Das stellte die Defensivreihen in der Premier League vor Probleme, die sie zuvor nie hatten lösen müssen", erklärt Martyn Thomas von Eurosport-England. "Henry wurde das Gesicht eines neuen, frischen, aufregenden FC Arsenal. Dafür sind die Fans ihm bis heute dankbar."
Sogar Lionel Messi verneigte sich einst vor Henry. Als dieser 2007 zum FC Barcelona gewechselt war, traute sich der damals 20-jährige Argentinier nicht, seinem neuen Mitspieler in die Augen zu schauen.
"Ich wusste, was er in England geleistet hatte - und plötzlich waren wir im gleichen Team", so der sechsmalige Weltfußballer. "Ich bewundere ihn - diese Leichtigkeit in seinen Aktionen. Er vermittelt den Eindruck, als sei es das Natürlichste auf der Welt."

Lionel Messi und Thierry Henry

Fotocredit: Getty Images

Henry setzt internationale Modetrends

Obendrein sorgte der Franzose sogar für internationale Modetrends. Eric Cantona machte den hochgestellten Kragen salonfähig, David Beckham das Haarband für Männer. Und Henry?
"Als ich in England ankam und mit hochgezogenen Socken bis über die Knie spielte, nannten sie mich einen Balletttänzer. Man mobbte mich ganz offen", erzählt Henry selbst. Und weiter: "Aber ich bin ein bisschen stur und sagte mir 'Nein, ich habe meine Socken immer so getragen. Ich werde das und auch mein Spiel nicht ändern."
Es dauerte nicht lange, bis Jugendliche auf der ganzen Welt diesen Trend übernahmen und ihn später in den Profiligen auf der ganzen Welt etablierten. Bastian Schweinsteiger und Kevin-Prince Boateng spielten so. Letzterer hatte vor Kurzem die Chance seinem Idol in einem Live-Video bei Instagram Respekt zu zollen.
"Du hast keine Ahnung, wie sehr du mich inspiriert hast. Mich, meine Brüder und alle meine Freunde. Ich habe es dir nie gesagt, weil mir die Gelegenheit fehlte", sagte der ehemalige ghanaische Nationalspieler.
"Heute tragen meine Söhne die Socken beim Fußballspielen über dem Knie. Sie haben das bei mir gesehen. Aber du warst der Erste."
Der Top-Fußball wird von seinen Superstars geprägt. Besonders dann, wenn sie den Verein wechseln, wird der Einfluss der Ausnahmespieler besonders sichtbar. Eurosport.de blickt auf die Transfers, die die Kräfteverhältnisse in den vergangenen 25 Jahren nachhaltig veränderten. Teil 3 der Serie mit dem Transfer von Franck Ribéry von Olympique Marseille zum FC Bayern 2007 folgt am Mittwoch bei Eurosport.de.
Das könnte Dich ebenfalls interessieren: Flicks fehlendes Puzzlestück in der Traum-Abwehr: Vier Kandidaten für den FC Bayern

Nächster Top-Klub steigt offenbar in Haaland-Poker ein

Serie A
Ronaldo lässt Juve-Zukunft offen und befeuert Wechselgrüchte
VOR EINEM TAG
Serie A
Mit 43! Buffon offenbar vor Wechsel zu Zweitligist
GESTERN AM 16:16