So wirklich wollte es keiner der Protagonisten an der Anfield Road aussprechen, doch dieser Sonntagabend hatte etwas Vorentscheidendes.
Mit 4:1 (0:0) düpierte Manchester City den amtierenden Meister FC Liverpool im Topspiel der Premier League und vergrößerte damit den Abstand auf den direkten Konkurrenten auf zehn Punkte.
Wettbewerbsübergreifend war es bereits der 14. Sieg in Folge für das Team von Pep Guardiola, das unermüdlich Richtung siebte Meisterschaft der Vereinsgeschichte stürmt. Bei Liverpool scheint dagegen der Zauber verflogen.
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Jetzt wird's ungemütlich: Muss der BVB eine unpopuläre Entscheidung treffen?
07/02/2021 AM 19:45
Drei Dinge, die uns in Anfield auffielen.

1. Der Ritterschlag des Ilkay Gündogan

Jürgen Klopp hatte ihn ja quasi herausgefordert.
"Ilkay war einer der besten Spieler, die ich je trainiert habe", schwärmte der Liverpool-Coach bereits vor dem direkten Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Spieler Ilkay Gündogan, der sich in der laufenden Saison wohl in der Form seines Lebens befindet.
Und Klopp sollte es bereuen. Nachdem Gündogan zuvor bereits einige vermeintlich schwächere Teams mit ungewohnten Torjägerqualitäten ausgeknockt hatte, schlug er sich mit einem Doppelpack gegen den amtierenden Meister endgültig selbst zum Ritter - "Sir" Ilkay sozusagen.
Es waren bereits seine Treffer acht und neun in der laufenden Premier-League-Saison.
Damit ist er nicht nur der erfolgreichste Torjäger der Citizens, sondern seit Mitte Dezember auch der kompletten Liga. Niemand traf in den vergangenen acht Wochen häufiger als der Deutsche. Und das als zentraler Mittelfeldspieler.
"Ich weiß es nicht. Ich mache nichts anders als vorher", gab sich Gündogan auf die Frage, warum er aktuell nicht aufzuhalten sei, gewohnt bescheiden: "Wenn wir außen durchbrechen, versuche ich möglichst im Strafraum zu sein und zu riechen, wo der Ball hinkommen könnte."
Das klappte am Sonntagabend gegen die Reds erneut blendend, als er in der 49. Minute zunächst einen Abstauber und in der 73. Minute eine Vorlage des ebenfalls bärenstarken Phil Foden (ein Tor, ein Assist) im Tor von Alisson Becker unterbrachte.
Dass mit Sergio Agüero der angestammte Stürmer derzeit ausfällt und die Sky-Blues meist mit falscher Neun auflaufen, kommt Gündogan entgegen. In Abwesenheit des ebenfalls verletzten Mittelfeldchefs Kevin De Bruyne avanciert der 30-Jährige zudem immer mehr zum Führungsspieler.
75 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Quote von 86 Prozent bei 58 gespielten Pässen rundeten einen blitzsauberen Abend für Gündogan ab.
Einziger Wermutstropfen war der verschossene Elfmeter aus der 37. Minute, der angesichts des Ergebnisses allerdings als Schönheitsfehler in Erinnerung bleiben wird.

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2. Tag der ungewöhnlichen Fehltritte

Wer hätte das ahnen können? Was für Gündogan wohl das Spiel der Saison war, entpuppte sich für jeweils einen Profi auf Seiten der Citizens und der Reds als Tag der ungewöhnlichen Fehltritte.
Rúben Dias, Citys neuer Abwehrchef und in der laufenden Saison bis dato quasi unfehlbar, verschuldete in der 62. Minute aufgrund einer Unachtsamkeit einen Elfmeter für Liverpool, den der gefoulte Mo Salah zum zwischenzeitlichen 1:1 verwandelte. Der Portugiese hatte Glück, dass seine Mannschaft das Spiel noch umbog. Immerhin hatte Liverpool in dieser Phase durchaus Chancen, in Führung zu gehen.
Weniger Glück hatte dagegen Alisson, der amtierende Welttorhüter, der dem Gegner aus Manchester innerhalb von drei Minuten wie von Sinnen zwei Tore schenkte.
Zuerst spielte er Foden den Ball bei einem langen Klärungsversuch genau in die Füße, der daraufhin Gündogan bediente (73.). Nur Momente später lud er den überraschten Bernardo Silva mit einem missratenen Pass ein, der am rechten Sechzehnerrand mutterseelenalleinen auf Sterling in der Mitte flanken konnte (76.).
"Solche Fehler darfst du gar nicht machen, aber wenn du sie gegen City machst, dann bist du erledigt", meinte Klopp im Anschluss im "Sky"-Interview.
Zwei Fehler, die Alisson in dieser Art und Weise in der kompletten letzten Saison nicht passiert sind – und die ihm mit Sicherheit noch die eine oder andere schlaflose Nacht bescheren werden.

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3. Die Magie von Anfield ist verflogen

Fast vier Jahre lang hatten Klopp und seine Mannen an der heimischen Anfield Road in der Liga nicht mehr verloren, ehe man sich am 21.Januar diesen Jahres dem FC Burnley mit 0:1 geschlagen geben musste.
Seither ist die Magie von Anfield komplett verflogen. Die Heimpleite gegen Manchester City war bereits die dritte in Serie und für das Team von Pep Guardiola der erste Sieg in Liverpool seit Mai 2003.
"Ich bin so stolz auf die Jungs. Sie haben eine Phalanx durchbrochen, die so lange bestand hatte. Das zeigt, wie schwierig es ist, hier zu gewinnen", schwärmte der Spanier.
Natürlich fehlen den Reds die Fans, die diesen Ort in den vergangenen Jahren zur uneinnehmbaren Festung gemacht hatten. Doch irgendwie spiegelte die Leistung gegen City auch so ein bisschen die gesamte Saison der Roten wider.
Liverpool spielte mehr Pässe (649 zu 519) und hatte mehr Ballbesitz (56%) als das sonst so balldominante City, hatte aber in den entscheidenden Momenten das Nachsehen.
"Sie schießen das erste Tor, wir gleichen aus. Dann hat es danach gerochen, dass es sich in eine Richtung dreht - nämlich in unsere. Und dann haben wir ihnen zwei Tore geschenkt", fasste Klopp die Dramatik passend zusammen.
Das Spielglück, das die Reds in der Meistersaison 2019/20 oft hatten, ist verflogen. Die Luft, so scheint es zumindest, ist raus.
Liverpool hat als Fünfter weiterhin alle Chancen, die Champions League zu erreichen. Nichts anderes darf auch das Ziel sein. Die Titelverteidigung muss sich der amtierende Meister mit nun zehn Punkten Rückstand und einem Spiel weniger als die Guardiola-Elf aber wohl endgültig abschminken.
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