Das war der Kai Havertz, wie man ihn sich beim FC Chelsea wünscht.
Mit 2:0 bezwangen die Blues den spanischen Tabellenführer Atlético Madrid im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals am Mittwoch an der Stamford Bridge und der 21-Jährige war einer der besten seines Teams.
Im offensiven Mittelfeld spielend traf Havertz zwar nicht selber, legte auch keinen Treffer auf - sein Einfluss auf das Spiel war dennoch über die kompletten 90 Minuten spürbar.
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Eine Qualität, die ihn schon zu Leverkusener Zeiten auszeichnete und die ihn zu einem der wertvollsten Jungspieler der Welt machte.
In den ersten Monaten in London konnte er jedoch nur selten glänzen, was zu gewissen Teilen auch an Thomas Tuchels Vorgänger lag.

FC Chelsea: Hat Lampard Havertz' Stärken nicht erkannt?

Groß war die Freude, als die Blues mit Havertz eines der begehrtesten Talente Europas für die vereinsinterne Rekordsumme von 82 Millionen Euro (71 Millionen Pfund) an die Stamford Bridge lotsten.
Zusammen mit Timo Werner, der für rund 60 Millionen Euro von RB Leipzig kam, sollte Havertz das neue Herzstück der Blues bilden - allerdings funktionierte der Schrittmacher nicht.
Gemeint ist Ex-Coach Frank Lampard, der vor allem im Umgang mit Havertz Versäumnisse offenbarte. Der 42-Jährige schob den Deutschen zwischen zentralem Mittelfeld und rechter Flügelposition hin und her, gönnte ihm nur selten die Freiheiten auf der offensiven Mittelfeldposition oder hinter den Spitzen.
Als Lampards Nachfolger wurde Thomas Tuchel auch deswegen geholt, um die beiden Toptransfers aus der Bundesliga ins Laufen zu bringen. Mit Erfolg.

Kai Havertz (l.) und Thomas Tuchel

Fotocredit: Getty Images

Tuchel mach Havertz fluide

Gegen Atlético durfte Havertz eine fluide Rolle in der Dreier-Angriffsreihe bekleiden. Er selbst nahm dabei häufig die zentrale Rolle in der Spitze ein, flankiert von Werner (links) und Hakim Ziyech (rechts) - und gleich beim 1:0 zeigte das Trio sein Potenzial.
Havertz eroberte den Ball in der eigenen Hälfte und leitete den Gegenangriff ein. An der Mittellinie legte er nach links in den Lauf von Werner, der anschließend Ziyech am Elfmeterpunkt bediente. Ein perfekt gespielter Konter, initiiert über die beiden deutschen Sorgenkinder der vergangenen Monate.
Schon nach wenigen Wochen unter Tuchel wird deutlich: Der deutsche Coach weiß genau, wie er Havertz zu "benutzen" hat. Auch wenn der 21-Jährige unter seinem Landsmann nach einer Verletzung im Februar etwas Eingewöhnungszeit brauchte.
In Leverkusen agierte der Youngster zuweilen eher als Angreifer denn als Mittelfeldspieler. Havertz hielt nicht starr die Position, wurde in kein taktisches Korsett gepresst.
Havertz genoss die Freiheit des fluiden Spiels - und genau das erlaubt ihm Tuchel nun wieder.
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Erweckt Tuchel das Kopfballungeheuer Havertz?

Gegen Atlético nutzte Tuchel Havertz als Mittelpunkt seiner Angriffsreihe. Zwar ist der Deutsche nicht als klassische falsche Neun zu sehen, aber als Vermittler kann er für Chelsea eine ähnliche Rolle spielen wie Roberto Firmino in Liverpool.
Mehr als einmal ließ sich Havertz am Mittwochabend tief fallen, machte so Platz für Werner und Ziyech, die in hohem Tempo in die freigewordenen Räume stechen konnten.
Eine Facette, die noch nicht so zur Geltung kommt, ist Havertz' Kopfballspiel. Der 21-Jährige ist außergewöhnlich in der Luft, Chelseas Spiel ist jedoch nicht darauf ausgelegt, von den Flügeln gefährliche Flanken in die Box zu schlagen.
Sei's drum.
Im Allgemeinen kommt Havertz dem Spieler, für den Chelsea im Sommer so viel Geld ausgab, immer näher. Insbesondere das gute Verständnis zwischen ihm und Werner kristallisiert sich von Woche zu Woche mehr heraus. Beide haben verstanden, wie wichtig es ist, die einfachen Dinge gut zu machen.

Chelseas Kai Havertz (links) überzeugte gegen Atlético Madrid

Fotocredit: Getty Images

Thomas Tuchels Ansatz: Back to the roots

Tuchel hat vom Tag seiner Ankunft an erkannt, dass es vor allem die Basics sind, auf die sich die beiden Deutschen konzentrieren müssen, um zu alter Form zu finden. In gewisser Weise verfolgt der Trainer mit der gesamten Mannschaft einen Back-to-the-roots-Ansatz.
Stimmen die Grundelemente des Spiels, können einzelne Besonderheiten hinzugefügt werden.
Auf dem Papier stehen so zwei Spiele ohne Gegentor gegen Spaniens derzeit beste Mannschaft, die in 180 Minuten insgesamt nur vier Mal aufs Tor der Blues schoss. Über neun Stunden ist der FC Chelsea mittlerweile ohne Gegentor - zuletzt landete der Ball beim 2:1-Sieg in Sheffield am 7. Februar im eigenen Netz.
Eine Leistungssteigerung, die durchaus als Ansage - nicht nur an die nationale Konkurrenz - gewertet werden kann. In der aktuellen Form jedenfalls müssen sich die Blues vor kaum jemandem verstecken.
Doch bei aller Titelträumerei ist an der Stamford Bridge längst jedem klar: Priorität hat die Premier League. Platz vier muss unbedingt erreicht werden, um in der kommenden Saison wieder Teil von Europas Elite zu sein.
Dann vielleicht mit einem Havertz, der von Beginn an auf seinem absolut höchstem Niveau performt und Chelsea somit dem Favoritenkreis noch einmal näher bringt.
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