Jürgen Klopp hat genug. Die Länderspielpausen während der Coronapandemie sind dem deutschen Teammanager des FC Liverpool schon länger ein Dorn im Auge, nun ist die Zeit des Zurücksteckens endgültig vorbei.
Er verstehe die "Zwänge der Fußballverbände", beteuerte Klopp, "aber es ist gerade eine Zeit, in der wir nicht alle glücklich machen können. Und wir müssen eingestehen, dass die Spieler von den Vereinen bezahlt werden. Also bedeutet das, dass wir die oberste Priorität genießen müssen."
Wenn Brasilien oder Portugal Ende März um die WM-Qualifikation spielen, werden die Liverpool-Stars Alisson Becker, Roberto Firmino, Fabinho oder Diogo Jota wohl fehlen. "Ich denke, alle Vereine sind sich einig, dass wir die Jungs nicht einfach gehen lassen können und dann die Situation klären, wenn sie zurückkommen, indem wir unsere Spieler in eine zehntägige Quarantäne in einem Hotel stecken", sagte der 53-Jährige mit finsterer Miene.
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Großbritannien hat 33 Länder, darunter Brasilien oder Portugal, auf eine rote Liste gesetzt. Wer von dort einreist oder gar nur dort zwischenlandet, muss zehn Tage isoliert in einem Hotel verbringen. Auch für Profifußballer soll es keine Ausnahmen geben, es droht Chaos. Klopps Ankündigung, die betroffenen Spieler nicht für Länderspiele abzustellen, ist wohl erst der Anfang. Die unterschiedlichen Corona-Richtlinien der Länder treiben sowohl Vereins- als auch Nationaltrainern Sorgenfalten auf die Stirn.

Bundesliga-Vereine um Gesundheit der Spieler besorgt

Ob beispielsweise Bundestrainer Joachim Löw zum Start der WM-Quali auf die England-Profis Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger zurückgreifen kann, steht noch in den Sternen. Bei der Einreise aus einem Corona-Mutationsgebiet wie Großbritannien ist laut Musterverordnung eine Quarantäne von zehn Tagen vorgeschrieben.
Bis die vorüber wäre, geht es schon wieder in den Vereinen weiter. Ausnahmen hatte die Bundesregierung bislang ausdrücklich untersagt, die DFB-Frauen mussten deshalb zuletzt auf ihre England-Legionärinnen Melanie Leupolz, Ann-Katrin Berger und Leonie Maier verzichten.
Auch die Bundesliga-Vereine bangen mal wieder, aber vor allem um die Gesundheit ihrer Spieler. Ihn plage "ein ungutes Bauchgefühl", gestand Sportdirektor Michael Zorc von Borussia Dortmund, "weil in der Vergangenheit ja die eine oder andere Infektion im Zusammenhang mit Länderspielreisen stattgefunden hat". Es dürfe "nicht sein, dass wir Vereine extreme Nachteile haben, wenn Spieler auf Länderspielreise waren", appellierte Hoffenheim-Coach Sebastian Hoeneß.

EM-Jahr: Länderspiele drohen zur Farce zu werden

Doch, so sein ehemaliger Vorgesetzter Zorc, man müsse eben "unterscheiden zwischen Bauchgefühl und dem, was statuarisch vorgegeben ist". Und demnach dürfen die Vereine gemäß Ausnahmeregel der FIFA die Abstellung nur dann verweigern, wenn am Ort des Vereins oder am Ort des Länderspiels eine Quarantänepflicht von fünf Tagen oder eine Reisebeschränkung zu einem dieser Orte besteht.
In der Premier League wird die dadurch entstehende Absagenflut wohl am extremsten. Insgesamt haben 16 von 20 Premier-League-Klubs Nationalspieler aus Ländern der dortigen roten Liste im Aufgebot, alleine 57 Profis könnten so bei den Länderspielen fehlen.
Auch andernorts werden wohl viele Vereine die Ausnahmeregel nutzen. Die ersten Länderspiele des EM-Jahres könnten zur Farce verkommen.
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(SID)

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