Pep Guardiola verteilte am vergangenen Mittwochabend ein Sonderlob. Nein, nicht an seine Mannschaft, die in den vorangegangenen 90 Minuten dem Stadtrivalen Manchester United beim souveränen 2:0-Sieg im Halbfinale des Carabao Cups wenig Chancen gelassen hatte. Sondern an seinen Sportdirektor.

"Glückwunsch an Txiki (Begiristain, Anm. d. Red.) und den Klub", sagte Guardiola auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Dafür, dass sie diesen Spieler hierher geholt haben."

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Die Rede war von Rúben Dias. Der Portugiese, den die Sky Blues vor der Saison für knapp 70 Millionen Euro von Benfica Lissabon losgeeist hatten, war gegen die Red Devils einmal mehr der überragende Mann auf dem Platz.

Sieben klärende Aktionen standen für Dias am Ende zu Buche. Es war fast schmerzlich mit anzusehen, wie sich die zuletzt brandheiße United-Offensive um Marcus Rashford, Anthony Martial und Bruno Fernandes bei Kontern immer wieder die Zähne an Citys neuem Abwehrchef ausbiss.

Dias macht ManCitys Achillesferse zum Prunkstück

"Ruben lebt Fußball – 24 Stunden am Tag. Er gibt uns etwas Besonderes", schob Guardiola lobend nach, dessen Team mit dem Sieg das vierte Carabao-Cup-Finale in Folge erreichte.

Die Citizens sind im Aufschwung. Auch in der Premier League hat sich die Guardiola-Elf nach durchwachsenem Saisonstart wieder an die Spitze herangearbeitet und hat bei zwei Nachholspielen nur noch vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Liverpool.

Auch dank Dias. Der 23-Jährige hat es innerhalb weniger Monate geschafft, die Defensive - ManCitys ewige Achillesferse – zum Prunkstück der Guardiola-Elf zu machen. Mit nur 13 Gegentoren in 15 Spielen stellen die Sky Blues 2020/21 die beste Abwehr der Liga. In den 13 Spielen, in denen Dias von Beginn an auf dem Platz stand, kassierte der aktuelle Tabellenfünfte gar nur sieben Gegentreffer.

Dias: Fans vergleichen ihn mit Kompany und van Dijk

Es ist nicht mehr die mit Stars gespickte Offensive um Kevin De Bruyne, Raheem Sterling und Sergio Aguero, die regelmäßig Spiele für Guardiola gewinnt. Es ist Citys Abwehr.

Natürlich auch zur Freude der himmelblauen Fans, die in den sozialen Netzwerken mit Superlativen nicht sparen. Endlich habe City einen Nachfolger für den schmerzlich vermissten Vincent Kompany gefunden, dessen Abgang im Sommer 2019 eine tiefe Lücke in die Defensive riss.

Andere sehen in Dias das Pendant zu Virgil van Dijk, Liverpools aktuell verletztem Abwehrchef. Die knapp 85 Millionen Euro Ablöse für den Niederländer schockten im Januar 2018 zwar die Experten- und Medienwelt - haben sich seither aber mehr als ausgezahlt.

Van Dijk gilt gemeinhin als bester Verteidiger der Welt - und hatte gehörigen Anteil an Liverpools Champions-League-Titel 2019 und der Meisterschaft im vergangenen Jahr.

Leistungen, die Dias natürlich erst erbringen muss, um wirklich in einem Atemzug mit Van Dijk genannt zu werden. Guardiola traut seinem Schützling einen ähnlichen Impact aber zu: "Er wird über Jahre hinweg großartig sein."

ManCity: Stones glänzt neben Dias

Doch der Portugiese ist nicht der einzige Grund, warum City eine neue defensive Balance gefunden hat.

Mit John Stones, den einige Experten nach einer schwachen, von Verletzungen geplagten Saison 2019/20 schon abgeschrieben hatten, scheint Dias in der Innenverteidigung einen kongenialen Partner gefunden zu haben.

In 720 Minuten zusammen auf dem Feld hat das Duo nur einen Gegentreffer zugelassen. "Es ist eine Freude mit ihm zusammenzuspielen", schwärmte Stones jüngst auf der Klubwebsite von seiner neuen Partnerschaft mit Dias.

"Sie ziehen sich gegenseitig hoch und feiern Tackles, als wären es Tore", zeigt sich auch Ex-City-Verteidiger Joleon Lescott begeistert. Selbst Aymeric Laporte, der vor der Saison noch als der unbestrittene Abwehrchef galt, kommt aktuell an Stones und Dias nicht vorbei.

Guardiola könnte darüber glücklicher kaum sein. Musste vergangene Saison noch der gelernte Mittelfeldspieler Fernandinho regelmäßig in der Viererkette aushelfen, kann der Spanier nun auf gleich drei Innenverteidiger von Weltklasseformat zurückgreifen.

Bleibt das Bollwerk fit, muss sich die Konkurrenz im Titelkampf warm anziehen.

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