Jürgen Klopp fehlten die Argumente. Und er wollte auch nicht mehr kämpfen.
Also bejahte er einfach, als er im Gespräch mit Journalisten nach der Niederlage seines FC Liverpool in Leicester danach gefragt wurde, ob er das Titelrennen nun aufgeben werde.
"Ja. Ich kann nicht glauben, dass ich das sage, aber ja", sagte Klopp und schaute dabei so drein, als wäre er kurz davor, in Tränen auszubrechen. Und nein, das ist keine Übertreibung.
Premier League
Doppelpacker Gündogan: ManCity führt Tottenham im Topspiel vor
13/02/2021 AM 19:22
"Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir den Rückstand noch aufholen können", sagte der Trainer des Tabellenvierten, der nach der sechsten Saisonniederlage 13 Punkte hinter Tabellenführer Manchester City liegt - bei einem Spiel mehr.

Emotionen übermannen Klopp: Hier hakt er den Titel endgültig ab

Es wird also - das hat Klopp nun eingestanden - höchstwahrscheinlich keine Wiederholung der Meisterschaft aus dem Vorjahr geben. Vielmehr steht nun im Mittelpunkt des Interesses, zumindest noch in die Champions League zu kommen. Irgendwie.

Liverpool macht zu viele Fehler - Klopp prangert das an

Von hinten drücken Chelsea, West Ham und Everton. Der Lokalrivale ist auf Rang sieben nur drei Punkte hinter den Reds. In genau einer Woche steht das Derby an.
"Wir haben zwar über weite Strecken gut gespielt, viel richtig gemacht. Aber wir müssen Fehler vemeiden, Missverständnisse abstellen", analysierte Klopp den Auftritt seiner Jungs bei den Foxes. "Es geht aber darum Fußballspiele zu gewinnen."
Hört man Klopp so zu und sucht vergleichbare Situationen, wie die aktuelle der Reds, landet man schnell bei Borussia Dortmund in der Bundesliga. Auch Klopps Ex-Klub kämpft fernab von den eigenen Ansprüchen um den letzten Strohhalm - die Teilnahme an der so lukrativen europäischen Königsklasse.
Aber wie ist der amtierende Welttrainer des Jahres mit seiner Mannschaft - die noch in der vergangenen Saison fast unaufhaltsam durch die Liga brauste - in diese Gefilde abgerutscht?

Verletzungen nicht einziger Grund für die Krise

Klar, die kräftezehrende Corona-Terminhatz zerrt an der roten Elf, die zudem von jeder Menge Verletzungen bei Schlüsselspieler betroffen ist.
Mit Virgil van Dijk, Joe Gomez, Fabinho und Joel Matip fiel und fällt fast die gesamte Stammdefensive aus. Das zeigte sich mal wieder in Leicester. Dort ließ sich - erneut - auch Torhüter Alisson Becker von der allgemeinen Verunsicherung anstecken und verschuldete den Treffer zum Rückstand.
Neben den vielen Ausfällen, setzt sich aber immer mehr der Eindruck durch, beim LFC liege weit mehr im Argen.
So kritisieren viele Beobachter des Klubs die Verpflichtung des ehemaligen Bayern.Spielers Thiago als Fehler. Der Spanier sei ein Hemmschuh, verändere das Spiel der Reds nicht zum Guten.
Und der Trainer?

Liverpool kassiert ein Tor in Leicester

Fotocredit: Eurosport

(Noch) keine Diskussionen um Klopp

Seit fünf Jahren ist Klopp mittlerweile Trainer in Liverpool. Er hat den Klub wieder aufgebaut, ihm das verloren gegangene Selbstverständnis zurückgegeben und - nicht zuletzt - die Meisterschaft nach 30 Jahren zurück nach Anfield geholt.
Und er hat den ganzen Verein an sich gebunden. Wenn Klopp on fire ist, brennt Liverpool. Wenn Klopp durchhängt - so wie derzeit, weil auch private Tiefschläge in die vergangenen Wochen fielen - scheint auch Liverpool zu weinen. Der Trainer ist der Herzschlag des Vereins.
Allein deswegen dürfte es mehr als eine (halbwegs) verunglückte Saison brauchen, um den marktüblichen Reflex des Trainerwechsels zu provozieren.
Auch das erinnert an Dortmund. Auch dort wurde Klopp nicht gegangen. Er ging selbst. Allerdings nach einer in ihrer Heftigkeit nicht zu erwartenden Talfahrt des Vereins, der doch eigentlich als ständiger Anwärter auf den Meistertitel galt.
Dieser begann so in etwa nach fünf Jahren im Amt. Klopp schaffte es damals nicht, das Ruder herumzureissen. Sein Zauber schien nachzulassen. Den nötigen Neuaufbau des Kaders überliess er anderen. Auch er selbst wirkte erschöpft.
318 Mal saß der 53-Jährige beim BVB auf der Bank. In Leicester machte er sein 300. Spiel für Liverpool. Steht er nun auch in England an dieser Schwelle?

Steven Gerrard und Jürgen Klopp (FC Liverpool)

Fotocredit: Getty Images

Was plant Klopp? Was passiert mit Gerrard

Die Amtszeit Klopps muss nicht zwingend kurz vor ihrem Ende stehen. Sie biegt aber ein in eine entscheidende Phase.
Viel wird davon abhängen, wie er die aktuelle Krise meistert und seine Mannschaft dann durch den kommenden Sommer führt. Es dürften einige harte Entscheidungen auch bei langjährigen Leistungsträgern anstehen. Die aktuelle Mannschaft ist seit rund vier Jahren zusammen, scheint ihre Halbwertszeit überschritten zu haben.
Frisches Blut könnte an einigen Stellen guttun. Wann dies auch auf der Trainerposition nötig wird, dürfte Klopp selbst entscheiden.
Sollte er dies tun, könnte eine Vereinslegende zurückkehren. In und um Anfield verfolgt man den Werdegang von Steven Gerrard als Trainer ganz genau.
Der 40-Jährige steht kurz vor seinem ersten Titelgewinn mit den Glasgow Rangers. Er reift von Spiel zu Spiel und bringt sich für den Chefposten bei seinem Herzensklub in Stellung.
Noch aber sitzt Klopp an den Schaltknüppeln. Und ihm ist - trotz aller Rückschläge - zuzutrauen, seiner Mannschaft (und auch sich selbst) noch einmal neues Leben einzuhauchen. Vielleicht schon beim Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Budapest gegen Leipzig am Dienstag.
Das könnte Dich auch interessieren: Beim BVB herrscht Unruhe um Reus

Klopp und Guardiola analysieren das Top-Duell in Liverpool

Premier League
Drei Gegentore in sechs Minuten: Reds verlieren auch in Leicester
13/02/2021 AM 14:26
Bundesliga
Exklusiv: ManUnited plant Sancho-Deal zum "Sparpreis"
12/02/2021 AM 11:12