Drei Niederlagen, ein Remis, ein Sieg - der FC Chelsea fuhr in den vergangene fünf Liga-Partien ein bunt gemischtes Potpourri an Ergebnissen ein.
Und genau das ist das Problem. Es geht nicht voran, derzeit dümpelt der sechsmalige englische Meister auf Platz neun im Niemandsland der Tabelle herum.
Für Tuchel wird es nun wichtig sein, als Stars verpflichtete Spieler wie Timo Werner (53 Millionen) und Kai Havertz (80 Millionen) aus dem Formtief zu holen. Das war Frank Lampard bis zuletzt nicht gelungen. Auch der dritte deutsche Nationalspieler bei Chelsea, Antonio Rüdiger, spielte bei ihm nur eine untergeordnete Rolle.
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Dennoch ist die Trennung von Coach Lampard eine emotionale Personalie. Von den früheren Nationalspielern Gary Lineker und Michael Owen wurde die Entscheidung des Klubs heftig kritisiert.
Als "völlig lächerlich", bezeichnete Lineker den Schritt, für Owen war die Nachricht "absolut niederschmetternd". Die beiden britischen Fußball-Ikonen bemängelten auf Twitter, dass Lampard nach den vielen Veränderungen im Sommer zu wenig Zeit gegeben worden sei.

Tuchel braucht schnelle Erfolge bei Chelsea

Die Entlassung ist deshalb so emotional für alle Beteiligten, da Lampard von 2001 bis 2014 selbst für die Blues spielte und zahlreiche Erfolge feierte. Er wurde mit Chelsea dreimal Meister, viermal FA-Cup-Sieger und gewann 2012 die Champions League im als "Drama dahoam" berühmt gewordenen Finale gegen den FC Bayern in München.
Die Bindung zwischen den Fans, dem Klub, den Spielern und Lampard war eng. Tuchel muss also spürbare Verbesserungen bringen, um sich die volle Akzeptanz zu sichern - und das am besten schnell. Denn für einen Platz im gesicherten Mittelfeld hatten Klubbesitzer Roman Abramowitsch und die mächtige Sportchefin Marina Granovskaia im Sommer nicht rund 250 Millionen Euro in den Kader gesteckt.
Tuchel findet also, wie schon bei Paris Saint-Germain, einen finanziell hochgerüsteten Kader vor, der den ambitionierten Zielen hinterläuft.

Medien freuen sich auf "verrücktes Genie" Tuchel

Die Medien sehen die Verpflichtung des deutschen Coaches indes positiv. Verglichen mit seinem Vorgänger sei "Über-Nerd" Tuchel "ein Upgrade in jeder Hinsicht, außer einer: Er ist nicht Frank", schrieb der "Guardian".
Für die altehrwürdige "Times" ist der 47-Jährige der "Kontrollfreak, den Chelsea braucht". Der "Telegraph" würdigte ihn als "verrücktes Genie" und einen der "hellsten Köpfe" im europäischen Fußball. Die BBC nannte Tuchel einen "taktischen Visionär".
Das Minimalziel Champions League ist nur fünf Punkte weg, in der Königsklasse oder im FA Cup hat Chelsea alle Optionen. Auf der Insel wird Tuchel zudem sein Perfektionismus zugute gehalten. Schließlich sollen unter Lampard einige Spieler genaue taktische Anweisungen vermisst haben.

Werner und Havertz nicht die einzige Baustelle

Die Herausforderung, Werner und Havertz wieder auf Topniveau zu bringen, ist dennoch kein Selbstläufer, nur weil das Trio dieselbe Sprache spricht - und es ist auch nicht die einzige Baustelle.

Seit dieser Saison gemeinsam für den FC Chelsea aktiv: Timo Werner (links) und Kai Havertz

Fotocredit: Imago

Chelsea muss auch in der Defensive stabiler werden, dazu muss Tuchel für eine gute Atmosphäre sorgen und obendrein einen guten Draht zu Abramowitsch und Granovskaia finden.
Ein Punkt, der heikel werden könnte, hatte der Trainer doch auch bei seinen vergangenen Vereinen immer wieder Differenzen mit der Klubführung. Doch auch in dieser nicht direkt sportlichen "Disziplin" muss Tuchel sich beweisen und clever agieren.
Und dann ist da auch noch der Faktor Zeit. Chelseas Schleudersitz sei für den Deutschen zu heiß, befand etwa Gary Neville. Der frühere englische Nationalspieler prophezeite, man werde "in 18 Monaten bis zwei Jahren" über dessen Entlassung reden: "Da bin ich ziemlich sicher."
Lampard zeigte sich nach seiner Entlassung nicht umsonst "enttäuscht, dass ich nicht die Zeit bekommen habe, den Klub nach vorne zu bringen". Schwer vorstellbar, dass Tuchel nun mehr Zeit bekommt, um aus Chelsea wieder ein absolutes Spitzenteam zu machen.
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(mit SID)

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