"Wir waren sehr, sehr nahe dran." Pep Guardiola konnte selbst kaum fassen, was seiner Mannschaft wenige Minuten zuvor auf dem Rasen im Estadio Santiago Bernabéu widerfahren war. Manchester City kollabierte gegen Real Madrid innerhalb weniger Minuten, gab einen Zwei-Tore-Vorsprung und damit den sicher geglaubten Einzug ins Finale der Champions League leichtfertig aus der Hand - mal wieder.
Das blamable Aus gegen die Königlichen (4:3, 1:3 n.V.) im Halbfinale der vergangenen Champions-League-Saison sorgte international für Spott und Häme. National mit vier Meistertiteln in fünf Jahren eine Klasse für sich, scheitert Guardiola mit Manchester regelmäßig beim Versuch, den Pokal mit den großen Ohren zu holen.
Damit es 2023 endlich klappt, hat Klubeigentümer Scheich Mansour im Transfersommer erneut einige Handgriffe getätigt.
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Königstransfer Erling Braut Haaland soll dabei das fehlende Puzzleteil im Angriff auf die Champions League darstellen. Der Norweger soll in die Fußstapfen von Sergio schlüpfen und auch national den Meisterschaftsträumen des roten Rivalen aus Liverpool einen Riegel vorschieben.
Beim Supercupspiel um das Community Shield erhielt ManCity aber schon einen Dämpfer im Kräftemessen mit den Reds (1:3).

Das Fragezeichen - Erling Haaland

Haaland verkörpert alle Qualitäten, die ein Stoßstürmer mit sich bringen soll: Schnelligkeit, präziser Abschluss, die Fähigkeit, den Ball vorne festzumachen. Seine 1,95 Meter Körpergröße eröffnet der Guardiola-Truppe zudem die Möglichkeit, Flanken in den Strafraum zu schlagen.
Neben dem Fokus auf den Luftraum dürfte auch das schnelle Umschaltspiel perfektioniert werden. Um seine Qualitäten entfalten zu können, benötigt Haaland Platz hinter den Abwehrreihen. Gemeinsam mit Jack Grealish und Riyad Mahrez auf den Flügeln könnte sich damit ein tödliches Trio entwickeln.
Nichtsdestotrotz muss hinter dem norwegischen Wunderstürmer, der sich bei Borussia Dortmund in die Herzen der Fans schoss, ein Fragezeichen gesetzt werden.
Zwar steht Haaland ausgerechnet in jenem Wettbewerb, in welchem City in den vergangenen Jahren stets die Nerven versagten, bei unglaublichen 23 Toren in 19 Einsätzen - auf den Schultern des Youngsters lastet jedoch das Gewicht, mit 22 Jahren der Heilsbringer sein zu müssen.
Dass ManCity rund 60 Millionen Euro für ihn ausgab, scheint Haaland derweil wenig auszumachen. "Ich habe nur die Hälfte von deinem Preis gekostet, also habe ich nicht den Druck", scherzte er jüngst mit seinem neuen Teamkollegen Jack Grealish.
Der Engländer wechselte vergangenen Sommer für rund 117 Millionen Euro zu den Skyblues und wurde den Erwartungen überhaupt nicht gerecht - ein Warnzeichen für Haaland.

Erling Haaland

Fotocredit: Eurosport

Das ist neu

Neben Haaland unter anderem der Ex-Bielefelder Stefan Ortega als Nummer zwei hinter Ederson im Tor der Nordengländer.
Für die Startelf vorgesehen ist Englands Nationalspieler Kalvin Phillips (für 55 Mio. von Leeds United), der dem City-Mittelfeld mehr Dynamik und Körperlichkeit verleihen soll.
Ansonsten wurde der Kader allerdings nur mit Angreifer Julián Álvarez (22) und ein paar Youngstern in der Breite ergänzt - bemerkenswert, da man mit Raheem Sterling (Chelsea), Olexsandr Zinchenko, Gabriel Jesus (beide Arsenal) und dem in die Jahre gekommenden Kapitän Fernandinho gleich vier Spieler mit Startelfpotenzial ziehen ließ.

Die neue Hoffnung: Jack Grealish

Der in der vergangenen Saison noch gescholtene Grealish könnte in der neuen Saison zu einem der Leistungsträger unter Guardiola avancieren. Der englische Linksaußen rückt nach dem Abgang von Sterling zu Ligarivale Chelsea nämlich in den Fokus.
Bislang hing Grealish den hohen Erwartungen, die vor allem aus seiner bärenstarken Saison 2020/21 resultierten (sechs Tore und zwölf Vorlagen in 26 Ligaspielen für Aston Villa).
Nach den Verkäufen von Sterling und Jesus wurde die Variabilität auf den Außenbahnen etwas ausgedünnt - und Grealish könnte zum großen Nutznießer werden.

Manchester City: Hier gibt es noch Bedarf

Der Abgang von Zinchenko sorgte in der Hintermannschaft der Citizens für eine unerwartete Baustelle - der Ukrainer war der letzte nominelle Linksverteidiger im Kader der Skyblues.
Zwar wechselten sich Zinchenko und João Cancelo bei Bedarf auf der linken Außenbahn ab, einen Plan B gab es für einen längeren Ausfall aber beispielsweise nie. Umso wichtiger ist es nun, eine passende Nachfolge für den abgewanderten 25-Jährigen zu bekommen.
Marc Cucurella hätte man gerne geholt, der entschied sich aber für Chelsea.

Manchester City: Das kommt auf Pep Guardiola zu

Wie so häufig wird Guardiola in Manchester am Abschneiden in der Champions League gemessen. Die Erfolge auf nationaler Ebene nimmt man trotz der epischen Duelle mit dem FC Liverpool als gegeben hin, nur der Champions-League-Titel fehlt noch auf dem City-Briefkopf.
Nun liegt es an Guardiola, seinen neuen Starspieler Haaland in die Mannschaft zu implementieren und seine Spielidee auf die Qualitäten des 22-jährigen Angreifers anzupassen.
Um seine Schnelligkeit und Durchschlagskraft voll ausschöpfen zu können, benötigt Haaland viel Raum hinter den Abwehrketten - ein Zustand, der im Ballbesitzspiel Guardiolas nicht allzu häufig angestrebt wird. Außerdem wartet die Fanbase weiter auf den Durchbruch von Rekordtransfer Grealish.
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