Deftige Klatsche für Investor Hasan Ismaik, klarer Vertrauensbeweis für Robert Reisinger: Bei der Mitgliederversammlung des in die Fußball-Regionalliga abgestürzten Traditionsvereins 1860 München wurde die Beendigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik innerhalb der nächsten sechs Monate mit überwältigender Mehrheit beantragt.
Zuvor war Interims-Boss Reisinger mit 844 Ja- und 365 Nein-Stimmen als Löwen-Präsident bestätigt worden.
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Den Antrag auf Kündigung der Zusammenarbeit mit Ismaik hatte das Vereinsmitglied Ulla Hoppen eingebracht und auf eine fristlose Beendigung des Vertrags gedrängt.

1860-Vorstand jetzt zum Handeln gezwungen

Laut Hoppen habe Ismaiks Firma namens "HAM international Ltd." den Löwen gegenüber "die im Lizenzierungsverfahren zugesagte Zahlung für die Lizenzbedingungen der DFL nicht geleistet. Die stellt eine Hauptpflichtverletzung dar."
Auf Bestreben Reisingers wurde der Antrag überarbeitet und die Frist auf sechs Monate festgesetzt.
"Ich habe Kopfschmerzen dabei. Dieser Antrag, wenn er so gestellt wird, zwingt uns zu handeln, ohne dass wir darüber nachgedacht haben, ob dieses Handeln sinnvoll ist", hatte der Präsident zu einer fristlosen Kündigung gesagt.

Präsident will keine Trennung, jetzt muss sie aber her

Im Vorfeld der Abstimmung hatte Reisinger eine Trennung von Ismaik noch ausgeschlossen:
Es war nie geplant, eine Zusammenarbeit mit Hasan Ismaik zu beenden oder zu torpedieren. Wir legen Wert darauf, dass wir eine verbandsrechtliche Zusammenarbeit mit Hasan Ismaik haben.
Ismaik hatte nach dem sportlichen Abstieg aus der 2. Liga eine neuerliche Geldspritze für die Löwen verweigert. 1860 erhielt daraufhin keine Lizenz für die 3. Liga und muss künftig in der Regionalliga antreten.
Auch eine drohende Insolvenz wendete der Verein vorerst ab. Mitte Juli einigte sich 1860 mit Ismaik auf eine Stundung des vom Jordanier gewährten Darlehens in Höhe von rund acht Millionen Euro.

Reisinger gewählt

Für Jubel sorgte auf der Mitgliederversammlung derweil Reisingers Bestätigung im Amt des Präsidenten. Die Mitglieder quittierten das Ergebnis mit lautstarken "Sechzig, Sechzig"-Gesängen.
Die Versammlung in der Konzerthalle Zenith in Freimann, die ursprünglich 22 Tage vorher geplant war, begann wegen des großen Andrangs mit rund einstündiger Verspätung und dauerte über zehn Stunden. 1351 stimmberechtigte und 173 nicht stimmberechtigte Mitglieder bedeuteten einen Teilnehmer-Rekord.
Ismaiks Bruder Yahya Ismaik, der in den Verwaltungsrat gewählt werden wollte, jedoch nicht reinkam, und Ismaiks Vertrauter Anthony Power wurden mit Buhrufen empfangen, als sie den Saal betraten.

Verantwortliche schieben sich gegenseitig die Schuld zu

Vor allem an Ismaik schieden sich in der aufgeheizten Debatte die Geister, aber auch Reisinger sowie dessen Vorgänger Peter Cassalette mussten sich viele unbequeme Fragen gefallen lassen.
In den meisten Fällen ging es um den schwarzen Freitag, der mit der Zwangsversetzung in Liga vier endete. Die Protagonisten schoben sich erneut gegenseitig die Schuld zu.
Mit einem eindringlichen Appell schwor Geschäftsführer Markis Fauser die Mitglieder wieder auf eine Linie ein. "Ich habe gekämpft, wir haben alle zusammen gekämpft ohne Ende. Lassen Sie uns geschlossen in die Zukunft gehen." Man müsse nicht übereinander sprechen, sondern miteinander.
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