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TSV 1860 München verliert Relegation gegen SSV Jahn Regensburg und steigt ab

"Keine Ahnung, ob es hier weiter geht": Regensburg besiegelt den Löwen-GAU

30/05/2017 um 20:01Aktualisiert 30/05/2017 um 20:37

Der TSV 1860 München hat das Rückspiel der Zweitliga-Relegation zuhause mit 0:2 (0:2) gegen den SSV Jahn Regensburg verloren und steigt damit nach dem 1:1 aus dem Hinspiel vom Freitag aus der 2. Bundesliga ab. Die Tore von Kolja Pusch (30.) und Marc Lais (41.) besiegelten den sportlichen Bankrott des vom Investor Hasan Ismaik geführten Verein, der eigentlich in die Bundesliga aufsteigen wollte.

So lief das Spiel:

Die ersten 45 Minuten waren ein Offenbarungseid der Seelen- und Ideenlosigkeit, die sich bei 1860 München nun bereits über mehrere Spielzeiten hinzieht. Ohne Esprit und Leidenschaft und stattdessen fast ausschließlich mit langen Bällen verpufften die Angriffsversuche der Löwen an der kopfballstarken Innenverteidigung der Gäste.

Diese spürten immer mehr, welch große Chance sich ihnen heute bot, und ergriffen diese Möglichkeit mit mutigem Spiel beim Schopfe. Nach einer knappen halben Stunde setzte sich der pfeilschnelle Erik Thommy auf links durch. Die scharfe Hereingabe landete im Zentrum bei Kolja Pusch, der mit links eiskalt in den linken Winkel abschloss.

Nach dem ersten gelungenen Angriff über Stefan Aigner und Christian Gytkjær, der mit seinem Abschluss an Jahn-Keeper Philipp Pentke scheiterte, konterten die Gäste direkt und verdoppelten dabei die Führung.

Marcel Hofrath durfte von links ungestört flanken und fand Marc Lais, der den Ball perfekt ins kurze Eck zum 0:2 verlängerte (41.). Damit brauchten die Löwen im zweiten Durchgang bereits drei Treffer und ein mittelschweres Wunder, um den Gang in die 3. Liga doch noch zu verhindern.

Vor den Augen von Ralph Hasenhüttl und den ehemaligen Löwen Kevin Volland sowie Lars und Sven Bender war von einer Aufholjagd nach dem Seitenwechsel nichts zu sehen. Im Gegenteil - der Sport geriet immer mehr in den Hintergrund.

Polizei zog auf und das Spiel musste für 15 Minuten unterbrochen werden. Schiedsrichter Daniel Siebert besprach sich mit der Polizei, gab das Spiel dann wieder frei. Parallel zu den Flanken flogen weiterhin Sitzschalen und Stangen in den Strafraum. Es war schlichtweg ein Wunder, das niemand ernsthaft verletzt wurde.

Nach diesem Spiel bleibt trotz aller Tradition festzuhalten, dass 1860 München sportlich und auch vom Fanverhalten her den Gang nach unten redlich verdient hat. Wie es mit dem von Investor Hasan Ismaik gesponserten Klub überhaupt weiter geht, steht indes in den Sternen.

Die Stimmen:

Philipp Pentke (Jahn Regensburg): "Man kann den Frust etwas verstehen, doch was in der Schlussphase abgegangen ist, war schon etwas crazy. Wir haben uns den Film 300 zum Vorbild genommen, waren heute eine kleine rote Armee, die das hier geschafft hat. Mir tut es sehr leid für die vielen Leute, die hier ehrliche Arbeit geleistet haben und dann so etwas erleben müssen."

Kai Bülow (1860 München): "Ich möchte die Vorkommnisse hier nicht weiter kommentieren. Wir müssen uns alle hinterfragen, ob wir wirklich alles getan haben. Ich weiß nicht, ob sich die Verantwortlichen Gedanken über die dritte Liga gemacht haben. Ich habe keine Ahnung, ob es und wie es hier weiter geht."

Heiko Herrlich (Trainer Jahn Regensburg): "Am meisten freue ich mich für die Jungs. Es ist toll zu sehen, wie stolz sie sind und sich freuen. Es war ein sehr langer Weg mit vielen harten Trainingseinheiten. Wir hatten in der Saison in Chemnitz und Osnabrück schon einige Highlights und deshalb war ich mir auch sicher, dass wir das hier geregelt bekommen. Marc Lais hat mit einem gebrochenen Zeh gespielt und das zeigt ihren Geist. Wir werden jetzt heute feiern, doch in zwei Tagen wird die nächste Saison geplant."

Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Bruch zwischen Team und Fans

Nach toller Anfeuerung der über 60.000 Zuschauer schlug die Stimmung im Verlaufe des Spieles um. Die treusten Fans drehten sich zunächst mit dem Rücken zum Spielfeld, ehe sich die Frustration in einem bösen Pfeifkonzert und wüsten Beschimpfungen der eigenen Mannschaft entlud. Zehn Minuten vor dem Ende eskalierte es dann komplett, Fans rissen Sitzschalen und Stangen aus der Verankerung bewarfen Spieler und Polizisten damit.

Die Statistik: 9

Mit Kai Bülow lief in dieser Spielzeit bereits der neunte Spieler mit der Kapitänsbinde bei den Löwen auf. Die fehlende Konstanz ist beispielhaft für die ganze Saison von 1860 München.

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