SID

Olympia 2016 in Rio: DFB-Frauen verlieren gegen Kanada, kommen aber weiter

Deutsche Damen enttäuschen auch gegen Kanada
Von SID

09/08/2016 um 23:31Aktualisiert 10/08/2016 um 05:04

Die DFB-Frauen haben sich fast verzockt: Als der Einzug ins Olympia-Viertelfinale perfekt war, wollte bei den Deutschen niemand jubeln. Mit einer B-Elf unterlag die Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid im letzten Vorrundenspiel Kanada 1:2 (1:1). Das reichte zwar für Platz zwei hinter den Gruppensiegerinnen aus Nordamerika, doch die angestrebte Goldmedaille scheint in dieser Form unerreichbar.

Nur dank der besseren Tordifferenz blieb die Mannschaft vor den punktgleichen Australierinnen (6:1 gegen Simbabwe). Einziger Trost: Der Europameister geht nun Mitfavorit Frankreich aus dem Weg. Doch auch China, der Zweite der Gruppe E, dürfte angesichts der Verfassung der DFB-Auswahl am Freitag in Salvador ein unangenehmer Gegner werden.

"Wir müssen schauen, dass wir schnellstmöglich die Kurve kriegen, weil wir sonst nach dem nächsten Spiel nach Hause fahren", sagte Kapitänin Saskia Bartusiak im "ZDF". Neid monierte:

"Die individuellen Fehler müssen wir auf jeden Fall abstellen. Im Spiel nach vorne fehlte uns die Präzision und die Kreativität, die man braucht gegen einen Gegner, der so tief steht."

Und Alex Popp gab zu: "Wir hatten keine vernünftigen Richtungswechsel im Spiel."

Für die enttäuschende deutsche Elf traf Melanie Behringer (13.) per Foulelfmeter. Melissa Tancredi (26./60.) bescherte dem Olympiadritten von London den ersten Sieg gegen Deutschland im 13. Duell. Die eingewechselte Alexandra Popp hatte in der Nachspielzeit das 2:2 auf dem Kopf.

Mit einem Bein im Viertelfinale ließ Neid im Nationalstadion von Brasilia kräftig rotieren. So lief bei der Rückkehr zum 4-2-3-1-System unter anderem die Defensive um Kapitänin Saskia Bartusiak neuformiert auf, im Sturm durfte Popp wegen einer drohenden Gelbsperre zunächst aussetzen.

Auch Kanada-Coach John Herdman verordnete mit dem Ticket für die K.o.-Runde sicher in der Tasche Superstar Christine Sinclair und der dreifachen Torschützin Janine Beckie Verschnaufpausen. Außerdem spielte sein Team - wohl mit Blick auf den kommenden Gegner - auch in der Offensive extrem zurückhaltend.

Keine Viertelstunde war bei hochsommerlichen Temperaturen und vor weitgehend leeren Rängen gespielt, da wurde Mandy Islacker bei ihrem ersten Olympia-Einsatz im Strafraum von Allysha Chapman ungestüm zu Fall gebracht. Den fälligen Strafstoß verwandelte Behringer sicher und verbuchte bereits Turniertreffer Nummer drei.

Nach dem Rückstand kamen die Ahornblätter, bei denen Sophie Schmidt vom 1. FFC Frankfurt im defensiven Mittelfeld agierte, mehr aus der Deckung und gingen früher ins Pressing. Das machte sich umgehend bezahlt: Einen schlampigen Pass von Bartusiak bestrafte Kanadas Kapitänin Tancredi mit dem Ausgleich.

Anschließend zogen die Nordamerikanerinnen sich wieder zurück. Unter Druck gerieten sie kaum: Der zweimalige Weltmeister Deutschland brachte auf dem schlechten Rasen im Mané Garrincha Stadion so gut wie keine gute Kombination zustande.

Stattdessen zeigte sich die DFB-Defensive bei einem Freistoß erneut indisponiert. Die eingewechselte Annike Krahn und Babett Peter griffen gegen Tancredi nicht konsequent an, der Kopfball der Kapitänin landete im Netz. Neid reagierte und brachte für die Schlussphase mit Popp und Melanie Leupolz zwei Stammkräfte, die vorne für mehr Feuer sorgen sollten. Vergeblich.