Eurosport.de ordnet in einer Serie die Lage rund um die europäischen Top-Klubs ein und blickt auf die kommende Transferphase voraus.

In Teil sechs der Serie fällt der Blick auf Antonio Contes Inter Mailand.

Premier League
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30/03/2020 AM 14:40

Die große Transfer-Frage: Wie viel ist Inter bereit zu investieren?

Vor der Zwangspause, die der Coronavirus fast allen Fußballklubs weltweit verordnet hat, lief die Saison für das runderneuerte Inter Mailand fast nach Maß. Ok, in der Rückrunde gelangen in den ersten sechs Spielern nur zwei Siege, dennoch gehören die Nerazzurri noch immer zu den heißesten Kandidaten auf einen Champions-League-Platz.

Der Grundstein dafür wurde im vergangenen Sommer gelegt. Die Vereinsoberen um Sportdirektor Piero Ausilio stellten ihrem neuen Trainer Antonio Conte rund 150 Millionen Euro für Neuzugänge zur Verfügung. Romelu Lukaku kam als Königstransfer von Manchester United, im Winter schnappte man sich zudem für weitere 20 Millionen Euro Christian Eriksen von Tottenham Hotspur.

Romelu Lukaku jubelt im Derby gegen AC Mailand

Fotocredit: Getty Images

Ein Kader, dem einiges zuzutrauen ist - und trotzdem noch Verbesserungen nötig hat. Um auf Dauer mit der Großmacht Juventus Turin um den Scudetto konkurrieren zu können, muss der Traditionsklub aus der Lombardei weiter in die Mannschaft investieren - und genau da liegt das Problem.

Die Ungewissheit dieser Tage ist groß. Die Frage, ob die Saison im vom Coronavirus am härtesten getroffenen Land der Welt überhaupt zu Ende gespielt werden kann, ist noch nicht beantwortet. Welches Unternehmen würde in so unsicherer Lage Großinvestitionen tätigen?

Bis zum planmäßigen Start des Transferfensters am 1. Juli bleiben noch gut zwei Monate Zeit. Was die Mailänder dann bereit sind, zu investieren, hängt vor allem von den Entwicklungen abseits des Fußballplatzes ab.

Transferziel Nummer eins: Olivier Giroud

Angenommen die Coronalage entspannt sich bis zur Öffnung des Transferfensters so weit, dass "normal" investiert werden kann, würde Inter vor allem im Sturm nachjustieren müssen. Dem Kader fehlt ein Spieler, der Toptorjäger Lukaku ersetzen kann, sollte dieser ausfallen oder eine Pause benötigen. Die Alternativen sind rar gesät. Lautaro Martínez ist der Sturmpartner im von Conte favorisierten 3-5-2-System, als sein Backup steht Alexis Sánchez bereit, der nach langer Verletzungspause in der Hinrunde aber noch nicht wieder auf seinem Toplevel angekommen ist. Drei Spieler, für zwei nominelle Planstellen in vorderster Front - das ist zu wenig.

Conte zog daher hier und da den 17-jährigen Sebastiano Esposito aus der eigenen Jugend in den Profikader. Zwei Mal durfte er in der Liga von Beginn an ran, ein Tor steuerte er beim 4:0 Heimsieg gegen den FC Genua bei. Auf Dauer kann er aber noch kein echter Kandidat für die Startelf sein.

Immer wieder fällt daher der Name Olivier Giroud. Der Stürmer vom FC Chelsea wurde in den vergangenen Jahren mit diversen europäischen Klubs in Verbindung gebracht, weg aus London zog es ihn aber nicht. Ein gewichtiger Grund dafür ist dem Vernehmen nach seine Frau, die sich nicht von der Weltstadt an der Themse trennen könne. Vielleicht lässt sie sich ja von der Modemetropole Mailand locken?

Olivier Giroud trifft gegen Tottenham

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Schon im Winter sollen die Nerazzurri versucht haben, den 33-jährigen Stürmer zu verpflichten. Im Sommer könnte ein weiterer Versuch gestartet werden - dann sogar ohne Ablösezahlung. Eine Verlängerung seines dieses Jahr auslaufenden Vertrages hat der Franzose jedenfalls noch nicht unterschrieben.

Große Namen, die zur Debatte stehen: Skriniar/Martínez

Das Inter-Gebilde ist fragil, Abgänge großer Namen wären schwer zu kompensieren. Zwei dieser Namen geistern seit Wochen durch die internationale Presse. Milan Skriniar soll in der Premier League heiß begehrt sein. Der Innenverteidiger ist absoluter Leistungsträger und heimlicher Abwehrchef. In Abwesenheit von Torhüter und Inter-Urgestein Samir Handanovic trägt der 25-Jährige sogar die Kapitänsbinde.

Der Vertrag des Slowaken läuft noch bis 2023, den Marktwert wird auf ca. 60 Millionen Euro geschätzt. Wenn diese Summen dieser Tage irgendwo locker gezahlt wurden, dann wohl in England - doch die Coronakrise sorgt auch auf der fußballerisch gesehen reichen Insel für Zurückhaltung auf dem Transfermarkt.

Milan Skriniar - Inter Mailand

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Dasselbe gilt auch für Spanien, das als mögliche Destination für Stürmerstar Martínez gilt. "Sport" und "Mundo Deportivo" berichteten bereits vom Interesse des FC Barcelona am Argentinier, dessen Marktwert sogar bei rund 80 Millionen Euro liegen soll. Der 22-Jährige wechselte erst im Sommer 2018 von Racing Club in Argentinien nach Italien - Inter zahlte 25 Millionen Euro. Auch Martínez' Vertrag läuft noch bis 2023, Barcelona müsste also vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag berappen.

Und was ist eigentlich mit … Christian Eriksen?

Inter Mailand sicherte sich in der Wintertransferperiode eines der Toptransferziele Europas. Fast alle großen Klubs (u.a. Real Madrid und PSG) wurden irgendwann in der Vergangenheit mit dem Dänen in Verbindung gebracht, ein wenig überraschend schloss sich der 28-Jährige den Mailändern an.

Christian Eriksen wechselte im Winter von Tottenham Hotspur zu Inter Mailand

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Bislang hat der Mittelfeld-Regisseur überraschend große Probleme, seine Rolle in Contes 3-5-2-System zu finden. Nur einmal stand er in der Startelf, Tore oder Assists legte er bislang nicht auf. Inter investierte eine Menge Geld in den Superstar - rund 25 Millionen Euro mit nur noch einem halben Jahr Vertragsrestlaufzeit - zudem soll Eriksen rund 40 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren verdienen. Spätestens im Sommer hat Conte daher die Aufgabe, den dänischen Nationalspieler mit seinem Spielsystem kompatibel zu machen. Gelingt das nicht, könnte sich Eriksen als teures Missverständnis entpuppen.

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