Für den neuen U21-Nationalcoach wird das Spiel gegen die Slowakei in Kassel zum Neuanfang. Zumindest beim Torjubel kann Stefan Kuntz den Top-Talenten des deutschen Fußballs nichts mehr beibringen. Seine berühmte "Säge" sei längst veraltet, gab der 53-Jährige vor seinem Debüt als Trainer der deutschen U21 schmunzelnd zu, die heutigen Jubelfeiern seien weitaus ausgereifter als zu seiner Zeit. "Ich glaube, da braucht niemand Ideen von mir", sagte Kuntz schmunzelnd. Für seine neue Aufgabe beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gilt indes das genaue Gegenteil.
Ein Jahr hat Kuntz Zeit bis zur U21 EM 2017 in Polen Zeit. Wie es danach weitergeht, ist offen. Für den Europameister von 1996 wird der Job so oder so zu einem Neuanfang. Seit seiner Entlassung Ende 2003 bei LR Ahlen hat Kuntz nicht mehr als Trainer gearbeitet, zuletzt war er Vorstandschef beim 1. FC Kaiserslautern. Die Wahl des DFB fiel dennoch auf ihn.

Stefan Kuntz bei der EM 1996 im Finale gegen Tschechien

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Flick erklärt Kuntz-Entscheidung

"Stefans Vita zeigt, dass er immer am Puls der Talente war. Er kann Mannschaften enorm motivieren und auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Das war mir wichtig", sagt DFB-Sportdirektor Hansi Flick über die durchaus überraschende Entscheidung pro Kuntz. Der Coach verfüge als ehemaliger Nationalspieler zudem über den nötigen "Stallgeruch", so Flick.
Die lange Trainer-Auszeit sehen beide Seiten dabei nicht als Problem, zumal bei der U21 andere Anforderungen gefragt seien. Die neuen Aufgaben seien "nicht vergleichbar mit denen eines Vereinstrainers", sagte Kuntz. Auch Flick betonte, es geht vor allem um Teamarbeit:
Es ist heutzutage nicht mehr so, dass einer vorne steht und alles bestimmt. Wir haben Experten auf allen Positionen.

Kuntz begeistert vom Team

Vollprofis hat die U21, anders als noch zu Kuntz aktiver Zeit, auch auf dem Platz zu bieten. Gegen die Slowakei und auch im ersten Pflichtspiel am Dienstag in der EM-Qualifikation in Finnland (18.00 Uhr) werden zwar viele Olympia-Fahrer geschont, das Aufgebot um Rio-Torschützenkönig Serge Gnabry (Werder Bremen) kann sich dennoch sehen lassen. Kuntz sagte:
Beim ersten Training habe ich direkt gesagt: Mein lieber Scholli, was für eine Qualität. Das war zu meiner Zeit noch ganz anders.
Diese Qualität muss die neue Kuntz-Auswahl nun auch auf den Platz bringen, immerhin sieben Neulinge stehen in Kassel im Aufgebot. Spätestens bei der EM 2017 werden dem neuen Trainer aber wohl auch gestandene Spieler wie Julian Brandt oder Joshua Kimmich zur Verfügung stehen. Und wer weiß - vielleicht packt Stefan Kuntz in Polen ja doch noch seine Säge aus.

#kickerTalk: Die komplette Sendung mit Kuntz, Augenthaler und Pesic

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