Stefan Kuntz ging vor dem Kaltstart in die U21-EM auf Distanz. Nicht einmal umarmen durfte der DFB-Trainer seine Spieler, die am Sonntag teilweise direkt aus den Bundesliga-Stadien zum Treffpunkt in Frankfurt reisten. "Erst wenn alle Coronatests negativ sind, können wir eine Sitzung machen und gemeinsam essen", sagte Kuntz über den seltsamen Beginn einer noch seltsameren EM-Mission.
Denn für Kuntz und sein Team geht es in nur zwei Tagen von null auf hundert: Am Montag fliegt der DFB-Tross nach Ungarn, schon am Mittwoch (21.00 Uhr) steht das erste Gruppenspiel gegen den Gastgeber auf dem Programm. "Wir haben keine Zeit, um warm zu werden", meinte Kuntz über die ungewöhnliche Vorbereitung, die diesen Namen erst gar nicht verdient.
Schon die Anreise war verworren. Lukas Nmecha (RSC Anderlecht) und Niklas Dorsch (KAA Gent) etwa waren ebenso noch am Sonntag mit ihren Klubs im Einsatz wie Finn Dahmen, Jonathan Burkardt (beide Mainz 05), Lennart Grill (Bayer Leverkusen), David Raum und Anton Stach (beide Greuther Fürth). Maxim Leitsch ist sogar noch am Montag mit dem VfL Bochum im Einsatz und muss alleine nachreisen. "Sein Einsatz im ersten Spiel ist daher nicht möglich", sagte Kuntz.
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Und nicht nur das: Mittelfeldspieler Vitaly Janelt vom FC Brentford fliegt erst gar nicht aus dem Virusvariantengebiet Großbritannien nach Deutschland, sondern direkt nach Ungarn. Gefragt nach der auf diese Art erheblich gestörten Vorbereitung meinte Kuntz sarkastisch: "Wir haben ja keine Vorbereitung, dann kann die auch nicht gestört werden."

U21-EM: Große Herausforderungen für Kuntz-Team

Und so muss das DFB-Team in Rekordzeit eine Taktik, aber auch einen Teamgeist entwickeln. "Das wird eine Herausforderung", sagt Kuntz, der vor allem seine Führungsspieler wie Nmecha, Dorsch, Salih Özcan (1. FC Köln), Arne Maier, Amos Pieper (beide Arminia Bielefeld) und Nico Schlotterbeck (Union Berlin) in die Verantwortung nimmt.
Der Aufbau eines Teamgeists wird allerdings auch vor Ort schwer. "In Ungarn ist geplant, dass wir sogar Einzeltische haben und getrennt essen", sagte Kuntz. So soll verhindert werden, dass im Fall eines positiven Coronatests auch eine direkte Kontaktperson nach Hause fahren muss.
Der DFB-Tross ist gewarnt: Die Inzidenz in Ungarn liegt bei weit über 500, die deutschen Fechter hatten zuletzt nach dem Weltcup in Budapest gleich vier Fälle zu verzeichnen.
Auch Kuntz selbst ist besorgt. "Ich hatte am Wochenanfang beim ersten Coronatest richtig Angst, dann ein positives Ergebnis würde ja meine Teilnahme verhindern", sagte der DFB-Trainer, schließlich sei er trotz aller Vorsicht auch ein Familienmensch: "Wenn meine Enkelin mir einen Schmatzer geben will, sage ich ja nicht: Geh weg vom Opa." Da hatte Kuntz' Enkelin den deutschen U21-Spielern am Sonntag etwas voraus.
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(SID)

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