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Deutschland gegen Niederlande: Von "Krieg", Hass und Spucke

Deutschland gegen Niederlande: Von "Krieg", Hass und Spucke
Von SID

13/10/2018 um 15:47

Die Duelle der deutschen Nationalmannschaft mit den Niederlanden waren lange geprägt von gegenseitiger Abneigung bis hin zu offenem Hass. In der jüngeren Vergangenheit hat sich das Verhältnis aber entspannt. "Die wirklichen Schlachten - da war ich noch gar nicht geboren", sagt Nationalspieler Timo Werner, "trotzdem ist es immer ein brisantes Duell".

Das Trikot von Olaf Thon am Hintern von Ronald Koeman oder Frank Rijkaards "Lama"-Spucke im wallenden Haar von Rudi Völler - jeder ältere Fußball-Fan in Deutschland und den Niederlanden kennt diese Szenen. Das Duell der Nachbarn war lange geprägt von tiefer Abneigung bis hin zu offenem Hass. Mittlerweile hat sich die Beziehung entspannt.

Ein Rückblick auf historische Duelle vor dem Nations-League-Spiel am Samstag in Amsterdam:

7. Juli 1974, WM-Finale in München, DFB-Niederlande 2:1

Die Niederlande um "König" Johan Cruyff gehen als klarer Favorit ins Spiel, ihr "Voetbal totaal" begeistert Publikum und Experten. Tage vor dem Finale haben der König und seine Prinzen Besuch von weiblichen Fans im Trainingslager in Hiltrup bei Münster - die Bild-Zeitung veröffentlicht vielsagende Fotos der Stars mit den Schönheiten am Pool. Frau Cruyff macht ihrem Johan deshalb in der Nacht vor dem Endspiel die Hölle heiß. Die Elftal verliert, die "Hiltruper Mädchen" und eine angebliche Schwalbe von Bernd Hölzenbein vor Paul Breitners Elfmeter zum 1:1 waren Schuld. Sagen die Niederländer. "München '74" wird zum Trauma, das - so sagen viele Niederländer - neben der Besatzungszeit (1940-45) die später oft hitzige Atmosphäre erkläre.

Franz Beckenbauer und Johan Cruyff

Franz Beckenbauer und Johan CruyffImago

18. Juni 1978, WM-Zwischenrunde in Cordoba, DFB-Niederlande 2:2

"Fußball ist Krieg", hat der große niederländische Trainer Rinus Michels einmal gesagt. 1974 verlor er seinen Krieg, 1978 konnte er ihn nicht mehr gewinnen - Ernst Happel, der ewige Grantler, hatte ihn beerbt. Deutschland führt 2:1, ehe Rene van de Kerkhof den Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung quasi beendet.

14. Juni 1980, EM-Vorrunde in Neapel, DFB-Niederlande 3:2

Deutschland führt nach drei Toren von Klaus Allofs 3:0, hat den Final-Einzug vor Augen, als der 19-jährige Lothar Matthäus sein Debüt feiert. Er kommt für Kapitän Bernard Dietz, der eine Verletzung simuliert, um dem Ausnahmetalent zur Premiere zu verhelfen. "Schwupps, nach drei Minuten hatte er den ersten Holländer umgelegt", erinnert sich Trainer Jupp Derwall später an die Szene, in der Matthäus den Elfmeter verursachte, der zum 1:3 führte. Es reicht trotzdem, Deutschland gewinnt gegen Belgien den zweiten EM-Pokal. Matthäus muss bis zum 18. November 1981 auf sein zweites Länderspiel warten.

21. Juni 1988, EM-Halbfinale in Hamburg, DFB-Niederlande 1:2

Das Hass-Spiel. "Wir fressen sie auf!", brüllt Oranje-Kapitän Ruud Gullit vorher, Abwehrchef Ronald Koeman ist im Siegesrausch derart aufgeladen, dass er sich mit Thons Trikot den Allerwertesten abwischt, auf der Tribüne zeigt ein Radioreporter den deutschen Kollegen sein entblößtes Hinterteil. "Lothar, Lothar, alles ist vorbei", singt die Elftal in der Kabine, als Franz Beckenbauer zum Gratulieren kommt. Michels, mittlerweile wieder im Amt, bekommt endlich seinen Sieg, in der Heimat kommt es zur größten Massenkundgebung seit der Befreiung von den Nazis 1945. De Telegraaf titelt: "Endlich Rache!" Und der Poet Jules Deelder schreibt:

"Sie, die fielen, erhoben sich jauchzend aus ihrem Grab."

24. Juni 1990, WM-Achtelfinale in Mailand, DFB-Niederlande 2:1

Seit "Hamburg '88" ist die Atmosphäre vergiftet, zwei Duelle in der WM-Quali verstärkten dies. "Wir waren ein bisschen wie Kain und Abel - Brüder, die sich gegenseitig fertigmachen", sagt Torwart Hans van Breukelen. Frank Rijkaard spuckt zweimal in Völlers Lockenpracht, das ganze Spiel ist ein Skandal. Sechs Jahre nach "Mailand '90" versöhnen sich das "Lama" und sein "Opfer" bei einem Frühstück auf Schloss Lerbach in Bergisch Gladbach, das eine Molkerei-Firma werbewirksam in Szene setzt. Rijkaard räumt ein, dass er damals wegen "privater Probleme" überreagiert habe, Völler akzeptiert die Entschuldigung. Er sagte:

"Die Gage ging an die deutsche Mexiko-Hilfe, damit war der Fall für mich erledigt."
Rijkaard und Völler

Rijkaard und VöllerEurosport

18. Juni 1992, EM-Vorrunde in Göteborg, DFB-Niederlande 1:3

Michels' Elftal demontiert die Mannschaft von Berti Vogts, der Völler und Matthäus fehlen, nach allen Regeln der Kunst. Die Deutschen kommen trotzdem ins Finale, wo sie sich gegen Außenseiter Dänemark blamieren.

15. Juni 2004, EM-Vorrunde in Porto, DFB-Niederlande 1:1

Nach vier "Freundschaftsspielen" kommt es erstmals wieder zu einem Turnier-Duell. Die Schweizer Weltwoche schreibt vor dem Spiel vom "dreißigjährigen Krieg, 1974 bis 2004". Völlers Rumpeltruppe spielt gut, doch weil Fabian Ernst die Flanke von Andy van der Meyde nicht verhindert, kommt die "Elftal" durch Ruud van Nistelrooy noch zum Ausgleich.

15. November 2011, Länderspiel in Hamburg, DFB-Niederlande 3:0

Jérôme Boateng sagte vor dem Spiel:

"Krieg gibt es keinen mehr, ich habe da eher Freunde wie Nigel de Jong."

Das bestätigt sich bei den beiden letzten Treffen 2012: Bei der EM ist Deutschland dank zweier Tore von Mario Gomez Sieger (2:1), im Herbst gibt es ein 0:0.

Video - "Wie gegen Bayern": Koeman mit der Ajax-Taktik gegen Deutschland

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