0:1-Rückstand in der siebten Minute, Dreierpack Serge Gnabry, Doppelpack Leon Goretzka, Schlusspunkt Julian Brandt. Die Älteren werden sich erinnern: Beschrieben ist der Spielverlauf des bisher letzten Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland - Endstand: 6:1.

Am 19. November 2019 fand das Duell im Rahmen der EM-Qualifikation in Frankfurt am Main statt. Neuneinhalb Monate ist das her - eine solch lange Pause zwischen zwei Auftritten des DFB-Teams gab es seit 70 Jahren nicht.

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Wenn die Mannschaft am Donnerstag gegen Spanien (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) und am darauffolgenden Sonntag gegen die Schweiz (ab 20:30 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) ihr "Comeback" im Rahmen der Nations League gibt, stellt sich daher die Frage: Wer ist diese deutsche Nationalmannschaft eigentlich?

In den vergangenen Monaten hat sich schließlich einiges getan.

Viele Triple-Sieger fehlen, drei Debütanten für Löw

Zunächst einmal sei gesagt, dass Bundestrainer Joachim Löw bei den kommenden zwei Partien auf einige Stammkräfte verzichten muss. Manuel Neuer, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich spielten am 23. August noch das Champions-League-Finale gegen PSG und befinden sich im verdienten Urlaub.

Niklas Süle, der sich langsam von einer Kreuzbandverletzung wieder in die alte Form spielt und Bayern-Neuzugang Leroy Sané werden die einzigen Münchner im Tross sein.

Neu mit dabei sind dafür Linksverteidiger Robin Gosens von Atalanta Bergamo, Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach und Oliver Baumann von der TSG 1899 Hoffenheim. Senkrechtstarter Gosens werde "auf jeden Fall" beginnen: "Er hat die Chance verdient", sagte Löw auf der Pressekonferenz vor dem Spanien-Spiel,

Ob diese Nominierungen von Dauer sind, steht in den Sternen. Die großen Hoffnungsträger für die EM 2021 (11. Juni - 11. Juli), das ist bereits klar, sind andere. Gut neun Monate vor Beginn der EM (11. Juni bis 11. Juli) sieht Löw "eine junge, gut funktionierende und hochmotivierte Mannschaft" über die er verfügt und macht klar: "Wir haben Großes vor!"

Robin Gosens von Atalanta Bergamo wurde für die deutschen Länderspiele Anfang September in den Kader berufen

Fotocredit: Getty Images

DFB-Team: Gestärkter Bayern-Block plus Leroy Sané

In erster Linie ist hierfür der starke Bayern-Block zu nennen. Die Münchner Achse bestehend aus Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka und Gnabry zieht sich durch alle Mannschaftsteile und soll dem Team die nötige Erfahrung und Stabilität geben. Kamen die Bayern-Spieler im November vergangenen Jahres noch als leicht verunsicherte Kovac-Jünger zum DFB-Team, kehren sie nun als Europas Könige, als Flicks Triple-Sieger, zurück.

Eine Entwicklung, die sich positiv auf die Qualität der Mannschaft auswirken soll, jedoch auch die Erwartungen der Öffentlichkeit steigert. Selbiges tun auch die Transfers von Timo Werner und Kai Havertz (befindet sich kurz vor dem Abschluss). Die beiden deutschen Youngster gehör(t)en zu den begehrtesten Spielern des Transfersommers und werden in der kommenden Spielzeit aller Voraussicht nach zusammen für den FC Chelsea auflaufen.

Auch sie werden in der Öffentlichkeit sowie mannschaftsintern mit anderen Augen gesehen werden. Frei nach dem Motto: Spieler, für die Premier-League-Klubs 60 oder gar 100 Millionen Euro ausgeben, sollten auch in der Nationalmannschaft Verantwortung übernehmen können.

Löw weiß um die Qualität seiner "jungen, gut funktionierenden und hochmotivierten Mannschaft". Noch immer hält er deswegen an seiner Entscheidung fest, den Weg ohne Superstars wie Thomas Müller, Jérôme Boateng oder Mats Hummels fortzusetzen - und das trotz grandioser Spielzeiten, die vor allem die beiden Münchner hinlegten.

Weiterhin unverzichtbar bleibt nach wie vor Toni Kroos. Der Mittelfeldmann von Real Madrid gehört zu den Alteingesessenen, ist seit 2010 ohne Unterbrechung dabei und einer der absoluten Leader der Mannschaft.

Leroy Sané (FC Bayern München)

Fotocredit: Getty Images

Kroos der Leader: Drei Dortmunder müssen beißen

Für Löw ist Kroos “ein absoluter Schlüsselspieler”, der das stark verjüngte Team in Abwesenheit von Neuer als Kapitän anführen soll. Der Rio-Weltmeister kommt zwar “locker flockig aus dem Urlaub”, wie er selbst sagt. Doch auch ohne viel Training ist er bei Löw gesetzt - das muss er ihm auch nicht mehr mitteilen.

“Es ist eigentlich so: Wenn ich nichts höre von Jogi, dann reise ich an”, verriet der 30-Jährige in seinem Podcast “Einfach mal Luppen” mit Bruder Felix Kroos. Die Kadernominierung verfolgt er deshalb schon lange nicht mehr, “in dem guten Gefühl, dass ich dann schon dabei bin”.

Gewissheit, die viele andere nicht haben. Der Konkurrenzkampf auf dem Weg zur Europameisterschaft wird groß - Spieler wie die drei Dortmunder Emre Can, Nico Schulz und Julian Brandt können sich beispielsweise nicht absolut sicher sein, im Juni 2021 zum Aufgebot zu gehören.

Die Auftritte gegen Spanien (erstes Geisterspiel der DFB-Geschichte), das Löw als "Mannschaft, die sehr hoch einzuschätzen ist", bezeichnet und die Schweiz werden erste Erkenntnisse bringen - die wahre Identität der Nationalmannschaft werden sie aber nicht preisgeben.

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