Auf die Partie der Fußball-Nationalmannschaft im Olympiastadion wies man lieber nicht dezidiert hin. Zu groß ist offenbar die Angst vor erneuten Protesten gegen die Manipulation der Präsidentschaftswahl im August. Erst am Montag hatten viele der 500 zugelassen Stadionbesucher beim Pokalfinale der Frauen Staatspräsident Alexander Lukaschenko unüberhörbar zum "Abhauen" aufgefordert.

Doch während fast 400 Spitzensportler in einem Offenen Brief schon in der vergangenen Woche Lukaschenko zur Ansetzung von Neuwahlen aufforderten, hielten sich die Profifußballer lange mit derlei Aktionen zurück. "Sie brauchen keine politischen Veränderungen. Viele haben teure Autos gekauft und hohe Kredite aufgenommen und wollen auf keinen Fall ihre stabilen Einkommensquellen verlieren", sagte der Spielerberater Waleri Isajew der Sportzeitung "Tribuna".

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Aber es gibt Ausnahmen: So verkündete Nationalspieler Ilja Schurin, er werde nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen, solange Lukaschenko im Amt sei. Der 21-Jährige steht bei ZSKA Moskau unter Vertrag und gilt als größtes Talent seines Landes.

Profis unter Beobachtung

Und die, die bei den einheimischen Klubs spielen, zelebrieren ihren Torjubel immer öfter mit Solidaritätsgesten an die der staatlichen Gewalt ausgesetzten Demonstranten. Um diese Proteste klein zu halten, ist bei Ligaspielen aktuell kein Publikum zugelassen - anders als noch auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie im Frühjahr.

Unter Beobachtung stehen die aufmüpfigen Profis dennoch. "Wir warnen davor, Fußballplätze als Plattform für politische Propaganda zu nutzen", heißt es unmissverständlich in einem Brief des nationalen Fußballverbandes an alle Erst- und Zweitligisten. Man behalte sich Konsequenzen vor.

Nicht auf die Begleitumstände vor Ort, aber auf den Einsatz für die Nationalmannschaft seines Geburtslandes Albanien freut sich indes Klaus Gjasula. Der vom Bundesliga-Absteiger SC Paderborn zum Zweitligisten Hamburger SV gewechselte Defensivspieler erbettelte förmlich von seinem neuen Arbeitgeber die Freigabe. Im Kader der Gäste steht auch Amir Abrashi vom SC Freiburg.

(SID)

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