1. Angstgegner Tschechien

Schon klar, würden alte Kamellen zählen, wäre der HSV noch ein Erfolgsklub. Trotzdem schwingt leichtes Unbehagen mit, wenn sich heute just im Hamburger Stadion die Tschechen vorstellen, um Deutschland in der WM-Qualifikation herauszufordern (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de).
Früher war Tschechien respektive die Tschechoslowakei ein Schreckgespenst fürs DFB-Team, von der Niederlage im EM-Finale 1976 (Uli Hoeneß, Elfmeter, Nachthimmel) über die Blamage bei der EM 2004 gegen ein B-Team (das Ende von Rudi Völler als Bundestrainer) bis zum bis dato letzten Vergleich im Oktober 2007, einem 0:3 in München.
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Die Zeiten haben sich geändert, der Respekt bleibt. "Tschechien", sagt Joachim Löw, "wird in unserer Gruppe wahrscheinlich der stärkste Gegner sein".
Ein bisschen ist es ja auch eine Frage der Perspektive: 1996 kürte sich Deutschland durch ein 2:1 über Tschechien zum Europameister.

2. Chancenverwertung

Damals traf Oliver Bierhoff doppelt, das war effizient. Heute muss derselbe Bierhoff als Nationalmannschaftsmanager zusehen, wie seine Sturm-Nachfahren dem Wucher frönen. "Wir benötigen zu viele Schüsse für ein Tor. Die Chancenverwertung ist auch eine Sache der Konzentration und der Mentalität", mahnt Löw, der dieses Dauerthema einfach nicht von der Agenda bekommt.

Thomas Müller und Mario Götze bei der EM 2016

Fotocredit: Imago

Mario Gomez fehlt verletzt, was der Bundestrainer "sehr schade" findet, "weil wir keinen Spielertypen wie ihn haben". Zyniker dürften einwerfen, dass Gomez mit seiner momentanen Tor-Allergie perfekt in die Mannschaft gepasst hätte...

3. Hamburg

"Die Hamburger freuen sich auf dieses Spiel", glaubt Sami Khedira, was per se eine mutige Aussage ist. Mit dem Standort Hamburg ist die Nationalmannschaft selten warm geworden, und weil Geschichte ja wichtig ist (siehe Punkt 1), muss Bierhoff unangenehme Fragen zu noch unangenehmeren Themen beantworten. Er sagt:
Es gab in Hamburg hier und da Pfiffe. Es liegt an uns, die Zuschauer von Anfang an mitzunehmen.
Von der WM 1974 (Pleite gegen die DDR) und der EM 1988 (Aus gegen Holland) soll gar nicht die Rede sein; es gibt aktuellere Beispiele. Kurz vor der WM 2014 nominierte Löw in einem Laborversuch unter freiem Himmel das jüngste DFB-Team der Historie: Zwölf Debütanten gruppierten sich zu einem Durchschnittsalter von 21,45 Jahren sowie 0:0-Toren gegen Polen. Das gefiel den 37.569 Fans eher weniger.
Im Oktober 2005, bei einem 1:0 über China und im Oktober 2009, als gegen Finnland in der Schlussminute das 1:1 gelang, wurde munter gepfiffen - in letzterem Fall schon ab Minute 20. "Ich hoffe auf gute Stimmung", betont also Bierhoff, der weiß, wie es anders geht. Beim 3:0 über die Niederlande im November 2011 meckerte niemand.
Und wenn nichts mehr hilft, dann hilft der HSV. Nochmal Bierhoff:
Vielleicht sind die Zuschauer hier nicht ganz so verwöhnt, dass sie sich auf unsere Leistung freuen können…
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