Entschlossen zog Gianni Infantino die Augenbrauen nach oben, als er im verzweifelten Kampf um seine heftig umstrittene WM-Idee den Geld-Köder auswarf. Erst schwärmte der Präsident des Fußball-Weltverbandes von den Chancen durch eine mögliche Verkürzung des Zyklus auf zwei Jahre, dann lockte er die Mitgliedsverbände ganz unverblümt mit gewaltigen Milliardensummen. Doch der Widerstand aus Europa und Südamerika ist ungebrochen.
"Wie man so schön sagt: Der Kuchen wird größer", betonte Infantino nach einem zweieinhalbstündigen Online-Gipfeltreffen, bei dem er die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorstellte und den über 200 Mitgliedsverbänden erhebliche Mehreinnahmen in Aussicht stellte: "Am Ende des Tages wird jeder profitieren: die Kleinen und die Großen, die Armen und die Reichen."
Einen Zeitrahmen für eine Entscheidung über die Reform des internationalen Spielkalenders gebe es noch nicht. "Es ist machbar. Wir werden uns die Zeit nehmen, die es braucht, um alles zu berücksichtigen und zu einer Entscheidung zu kommen", sagte Infantino in Doha/Katar. Es gehe "nicht um ein spezielles Datum, es gehe um "die richtigen Entscheidungen für den Fußball".
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Die FIFA rechnet im Falle eines verkürzten WM-Rhythmus mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von etwa 4,4 Milliarden Dollar. Dadurch könnten 3,5 Milliarden Dollar im ersten Vier-Jahres-Zeitraum für Entwicklungsprojekte im Fußball eingesetzt werden, hieß es unter Berufung auf einen unabhängigen Bericht des Marktforschungsunternehmens Nielsen.

Kein Einfluss auf die internationalen Vereinswettbewerbe

In diesem Zyklus sollen an jeden der 211 Mitgliedsverbände rund 19 Millionen Dollar zusätzlich ausgeschüttet werden. Die Extra-Einnahmen würden sich zudem nicht negativ auf die Einkünfte der wichtigsten internationalen Vereinswettbewerbe wie die Champions League der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auswirken.
Doch der Widerstand der UEFA und des südamerikanischen Kontinentalverbands CONMEBOL wird immer härter. Dass sich ein neuer WM-Rhythmus gegen den Willen der beiden mächtigen und längst verbündeten Verbände umsetzen lässt, erscheint äußerst unwahrscheinlich.
"Wir müssen verstehen: Das ist keine Gefahr für irgendjemanden", sagte Infantino und vermutete, dass seine Gegner "diese Zahlen noch nicht gesehen" hätten. FIFA-Entwicklungsdirektor Arsene Wenger kritisierte, der Widerstand werde "emotional und nicht faktenbasiert" geführt: "Wir müssen diese Furcht überwinden".
Die UEFA hatte bereits zuvor mit einer Studie ihren Standpunkt untermauert - mit gegenteiligen und laut Verband "alarmierenden Ergebnissen". Den europäischen Nationalverbänden drohten bei einer Umsetzung der FIFA-Idee schließlich Einbußen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro, hieß es.

Verhärtete Fronten bei der FIFA und der UEFA

Die FIFA konterte zwar mit einer Umfrage im Verbandsauftrag unter insgesamt 77.000 Personen und vermeldete eine Zustimmung von 63,7 Prozent für eine häufigere WM-Austragung. Während diese aber besonders in Afrika und Asien ausgeprägt ist, waren in den Fußball-Traditionsländern England (53 Prozent dagegen), Deutschland (50) und Frankreich (42) ein Großteil der Befragten gegen den Vorschlag.
Die Fronten sind verhärtet, die UEFA und der Südamerika-Verband schmieden bereits ihre eigenen Pläne. Schon ab 2024 sollen Argentinien, Brasilien und Co. an der europäischen Nations League teilnehmen. Es wäre ein Frontalangriff auf das FIFA-Vorhaben - und auf Infantino.
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(SID)

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