Kai Havertz genoss den Glücksmoment. Als er auf seine millimetergenaue Vorlage für den Siegtorschützen Serge Gnabry angesprochen wurde, huschte ein Lächeln über das Gesicht des 21-Jährigen. Corona-Erkrankung, Verletzung, Formschwäche - die harten Monate beim FC Chelsea konnte er aber auch in dieser Sekunde in Bukarest nicht vollends ausblenden.
"Es ist eine schwere Saison. Ich weiß, dass nicht alles glatt läuft", sagte Havertz nach dem 1:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation in Rumänien. Dabei ließ der Hochbegabte sein riesiges Potenzial in der ersten Halbzeit mehrfach aufblitzen. "Die fand ich ganz gut, ich hätte noch ein Tor selbst machen können. Aber ich war zufrieden", sagte Havertz.
Entscheidender Passgeber in Rumänien, Torschütze beim 3:0 gegen Island - wie zuletzt in London unter seinem neuen Trainer Thomas Tuchel stärkt Havertz auch bei der DFB-Auswahl sein angekratztes Selbstvertrauen. "Jetzt läuft es wieder ganz gut", sagte der 100-Millionen-Mann erleichtert.
U21-EM
Ein letzter Punkt fehlt: U21 peilt Viertelfinal-Einzug an
29/03/2021 AM 14:19
Der großen Erwartungshaltung nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer wurde der ehemalige Leverkusener zunächst nicht gerecht. Die Eingewöhnung in der beinharten Premier League fiel ihm schwer. Die nicht zimperliche englische Presse nannte ihn wahlweise "Fremdkörper" oder "Sorgenkind".

Chelsea-Trainer Thomas Tuchel lobt Havard

Seine Situation sei nicht ungewöhnlich gewesen, findet Havertz: "Wenn man ins Ausland wechselt, dann braucht man ein halbes Jahr, um sich zu akklimatisieren." Ein Tor und vier Vorlagen in 21 Premier-League-Spielen sind steigerungsfähig.
Doch seit Tuchel den glücklosen Teammanager Frank Lampard abgelöst hat, geht es auch bei Havertz aufwärts. Tuchel gewährt ihm mehr Freiräume, die er für sein Spiel benötigt. Ansonsten geht Potenzial verloren.
Das weiß auch Löw. Er ließ Havertz in beiden WM-Qualispielen über die rechte Seite kommen, doch der zog auch immer wieder in die Mitte. Diese Flexibilität zeichnet den Edeltechniker aus, er kann mehrere Rollen in seinem Spiel vereinen.

Kai Havertz im Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft

Fotocredit: Getty Images

"Er ist ein einzigartiger Spieler", lobte Tuchel. Havertz sei "irgendetwas zwischen einem Neuner und einem Zehner". Tuchel glaubt fest daran, dass Havertz ein prägendes Gesicht des neuen Chelsea werden wird.
"Ich sehe in ihm einen Spieler, der bei Chelsea einschlagen wird. Ich bin davon fest überzeugt, weil mir sein Gesamtpaket das Gefühl gibt, dass er eine große Rolle spielen kann und dass er auch entschlossen ist, diese Rolle auszufüllen", sagte der 47-Jährige. Havertz sei ein "klarer Typ", der vor "grenzenlosem Talent strotzt".
Daher ist ihm eine EM-Nominierung durch Löw sicher. Doch nur dabei zu sein, reicht Havertz nicht. "Jetzt", betonte er, "ist es Zeit abzuliefern".
Das könnte dich auch interessieren:Drei Sieger, ein Verlierer: Neue Machtverhältnisse in der DFB-Offensive
(SID)

Löw und Havertz erklären erneuten Trikot-Protest

EURO 2020
"Unsere Konzepte sind die besten": Hoeneß greift UEFA an
29/03/2021 AM 08:23
Bundesliga
Lewandowski-Diagnose steht: Einsatz gegen Leipzig unwahrscheinlich
29/03/2021 AM 06:38