Der erwartbare Aufschrei im jüngsten Staat Europas ließ nicht lange auf sich warten.
Kosovos Verband (FFK) sprach von einer "Provokation" und verwies mit Nachdruck auf seinen Status als unabhängiger Staat und drohte: Sollte das Spiel am Mittwoch (20.45 Uhr/DAZN) in Sevilla nicht unter Einhaltung des üblichen Protokolls "mit Flagge und Hymne" ausgetragen werden, "spielen wir nicht!" Land und Verband seien in dieser wichtigen Frage zu "keinerlei Zugeständnissen" bereit.
Hintergrund der Aufregung ist ein diplomatischer Streit, der seit der Lossagung des Kosovo von Serbien 2008 immer wieder aufflammt. China und Russland, Serbiens wichtigste internationale Verbündete, erkennen die Unabhängigkeit des Balkanstaates mit seinen 1,8 Millionen Einwohner bis heute nicht an. Das gilt auch für fünf EU-Staaten, darunter Spanien. Das Quintett wurde vom Europaparlament erst in der vergangenen Woche abermals ermahnt, die politischen Tatsachen und damit Kosovo anzuerkennen. Vergeblich.
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Spanien fürchtet "Balkanisierung"

"Manche Nationen haben Angst, einen Domino-Effekt innerhalb ihres eigenen Landes auszulösen, wenn sie gegen den Kosovo antreten und ihn dadurch anerkennen", sagte Michael Nees im "SID"-Gespräch. Der Karlsruher ist technischer Direktor und U21-Coach im kosovarischen Verband. Spanien etwa fürchtet mit Blick auf die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens eine "Balkanisierung" - den eigenen Zerfall.
Und so weigerte sich das Land schon im März 2019, im Rahmen der Qualifikation für die U17-EM Spiele mit kosovarischer Beteiligung auszurichten. In der Quali für die WM 2018 lehnte es die Ukraine ab, zu Hause gegen Kosovo zu spielen. Mit Rücksicht auf die Politik wurden bei der Auslosung der WM-Quali 2022 Duelle des Kosovo mit Bosnien, Serbien und Russland ausgeschlossen.
Spanien dagegen muss spielen. "Sportrechtlich haben sie keine Handhabe", sagte Nees, Kosovo sei als Mitglied in FIFA, UEFA und IOC "in der Sportfamilie voll anerkannt".

Kommt es zum Eklat?

Nach einiger Diplomatie im Hintergrund sowie klärenden Telefonaten zwischen Verbandsvertretern soll in Sevilla sogar das Protokoll eingehalten werden. Die Seleccion spiele ja auch gegen die Färöer, Wales, Schottland, Nordirland oder Gibraltar Fußball, erklärte Spaniens Außenministerin Arancha Gonzalez, obwohl das ebenfalls "keine Staaten sind".
Die Spieler um den Bremer Milot Rashica sind erleichtert. "Der Sport ist zum Glück stärker als die Politik", sagte Kosovos Vize-Kapitän Samir Ujkani der Zeitung Marca, "er öffnet Türen, vereint Länder und Menschen".
Und falls sich die Spanier doch eine weitere Provokation erlauben? Nees sagte:
Dann glaube ich, dass die Spieler vom Platz gehen werden, dann wird es zum Eklat kommen."
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