Letztens bekam Timo Werner vor einem Millionenpublikum einen Anpfiff, dass es ihm in den Ohren klingelte. "Timo!", schimpfte sein Trainer Thomas Tuchel lauthals, über die Außenmikrofone an der Stamford Bridge war es bestens zu hören: "Wie lange spielst du noch links?? Du spielst rechts! Du spielst seit 'ner Viertelstunde links!"
Da der gemeine Fußball-Fan des FC Chelsea der deutschen Sprache eher nicht mächtig ist, wurde die Episode recht zurückhaltend transportiert. Es lässt sich jedoch sagen: Timo Werner hat den Blues, er sucht seinen Platz - in England ebenso wie in der deutschen Nationalmannschaft.
Joachim Löw lobt ihn als "brandgefährlichen Spieler mit unglaublicher Schnelligkeit", doch Werners Protokoll beim 1:0 in Rumänien fiel ernüchternd aus: Löw zog ihm in der Startelf zum zweiten Mal Kai Havertz vor, wie Tuchel es bei Chelsea auch tut. Später bekam Werner seine 14 Minuten, er stand alleine vor dem rumänischen Torhüter und scheiterte.
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Den selbstbewussten Werner, der steil geschickt wird, die Füße auf den Rasen trommelt und eiskalt abschließt, ihn gibt es derzeit nicht. Er fühlt sich in London "fast schon heimisch", doch irgendetwas hakt. "Es ist frustrierend, ihm zuzuschauen", kommentierte TV-Experte Rio Ferdinand.

Timo Werner blieb in der Premier League 1000 Minuten ohne Tor

Für die Investition von 53 Millionen Euro hat sich Chelsea mehr versprochen als ein Tor in 13 Premier-League-Spielen 2021. In 1000 Minuten Torflaute vergab Werner so viele Chancen, dass enttäuschte Fans YouTube-Zusammenschnitte bastelten. Einmal trat er bei Ausführung eines Eckballs gegen die Fahne. An der Entlassung von Tuchels Vorgänger Frank Lampard gab sich Werner öffentlich eine Mitschuld.

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Immerhin führt der 25-Jährige die Torjägerliste der Nationalmannschaft in der EM-Saison mit vier Treffern an. "Er wird seine Chance bekommen, vielleicht am Mittwoch", sagte Löw. Das war aufmunternd gemeint, zeigt aber: Derzeit spielt Werner nur, wenn es gegen Gegner des Kalibers Nordmazedonien geht.
Zufall ist, dass der 37-malige Nationalspieler (15 Tore) bei Chelsea und in der Nationalmannschaft hinter Havertz festhängt. Löw scheint eine falsche Neun seinem einzigen klassischen Stürmer vorzuziehen, auch wenn Werner kein typischer Ein-Kontakt-Verwerter ist. Einen Lewandowski oder Haaland hat Deutschland nicht im Angebot.

Kommt Thomas Müller zurück, würde es für Werner noch enger werden

Egal, wie der Bundestrainer seine Offensivpositionen besetzt (zuletzt mit Havertz, Serge Gnabry und Leroy Sané): Sollte Thomas Müller zurückkehren, würde es noch enger. Werner muss sich seiner Topform nähern, um bei der EM mehr als eine Viertelstunden-Ergänzung zu sein.
"So lange man den Timo Werner auf die Bank setzen kann", sagte Uli Hoeneß bei "RTL" vor dem Spiel gegen Island, "kann es um den Bestand der tollen Mannschaft nicht so schlecht stehen." Löw stimmte zu. Dann redete er über Kai Havertz. Werner bekam nachher 13 Minuten.
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(SID)

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