Jetzt hat es mich gepackt. Was natürlich kein Wunder ist nach den vielen Wochen der vielfältigen Entbehrungen. Ich habe meine Golfschläger gesucht, weil ich in vielen Publikationen lesen konnte, dass es bald wieder so weit sei. Möglicherweise schon ist.

So ganz genau, ehrlich, blicke ich nicht durch, weil Europa auch golftechnisch gesehen ein Flickenteppich ist. Von Nord nach Süd und überhaupt. Aber ich ahne: Bald habe ich den Driver wieder in der Hand, wobei ich hinzufügen möchte, dass ich auch ohne Golf leben kann und das jahrelang getan habe. Ich gehöre zu den Spielern, die spielen wollen. Das Wort "Driving-Range" (dort soll man üben) empfinde ich als Beleidigung meines Talentes.

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Ein Schläger hält Abstand

Also der Driver. Der wichtigste Schläger und in den Corona-Tagen, die ja noch nicht vorbei sind, unverzichtbar. Er ist nämlich der längste Schläger, den man mitführt. Der Schaft ist mehr als einen Meter lang. Perfekt, um den Abstand zu messen. Und mit etwas Glück, viel Glück bei mir, auch wunderbar geeignet, um den Ball möglichst weit ins Feld (Fairway) hinein zu schlagen.

Wenn das gelingt, ist das ein erhabenes Gefühl. Sagt man. Ich kenne das nicht so intensiv. Leider. Golf wäre auch während der strikten Einschränkungen immer ein wunderbarer Sport gewesen, weil nämlich Golfer immer automatisch Abstand halten. Schon leistungsmäßig ergibt sich das.

Ein guter Spieler weiß ungefähr, wo sein Ball landen wird. Bei mir ist das immer mit einem Rätsel verbunden. Aber der Abstand zu meinem Mitspieler wird dadurch auch immer größer. Wunderbar.

Neue Regeln zum Schutz der Spieler

Und wo nun gespielt werden darf wie zum Beispiel ab sofort in Österreich oder in einigen Bundesländern in Deutschland, gibt es ganz und gar herrliche Corona-Regeln, die man bitte beibehalten sollte, auch nach der Krise.

Die Bunkerrechen werden nämlich entfernt. Bunker. Na ja, kein schönes Wort, ich weiß. Das sind diese großen, mit Sand gefüllten sinnlosen Löcher mitten auf dem Platz, bevorzugt um das letzte Loch herum. Sie sollen Hindernisse darstellen. Für übungsresistente Spieler, wie ich einer bin, ist es nämlich ein Graus, wenn die Kugel in so einem Loch versinkt.

Aus dem Bunker soll vorerst offenbar nicht mehr gespielt werden.

Fotocredit: Getty Images

Jetzt darf man ihn herausholen und auf das Gras werfen. Nicht näher zum Loch, wie die Golfer das dann gewählt ausdrücken. Kein Schlag aus dem Sand. Ein Traum, weil diese Bunkerschläge, die muss man nämlich wirklich trainieren. Allmählich wird es interessant. Kurze Putts, also der letzte Schlag, bevor der Ball mit so einem wunderbaren "Plopp" ins Loch fällt, sollen ausbleiben, um das Spiel nicht unnötig zu verzögern. Großartig, weil dieses "Putten", das ist nicht so einfach, wie man glaubt.

Golfer tragen immer Handschuhe

Wieder ein Grund, die alte Mitgliedschaft im Golfclub vielleicht doch zu erneuern. Und man darf auch den Fahnenmast, der im Loch steckt zur Orientierung, nicht berühren. Dabei tragen die Golfer immer Handschuhe, damit sie einen guten Griff an ihrem Schläger haben. Zum Putten ziehen sie diese dann aber aus, was sehr gut aussieht, wenn dann der Handschuh so lässig in die hintere Hosentasche gesteckt wird.

Ich putte natürlich mit Handschuhen, weil mir dieses Ausziehen und wieder Anziehen lästig ist. Auch hier gilt: In den hoffentlich ausklingenden Corona-Zeiten bin ich da klar im Vorteil. Gut, das Clubleben muss noch warten und man darf nur neun Bahnen statt wie meist 18 absolvieren, was aber auch erst einmal dicke reicht.

Schon konditionsmäßig gesehen nach den Monaten körperlicher Rast und Ruh.

Schritte in die Normalität

Ich zähle nach. Es sind noch alle Schläger da, sogar noch geputzt vom letzten Einsatz vor ein paar Jahren.

Die Untätigkeit der vergangenen Wochen hat die Lust an Bewegung in hohem Maße angeschoben und für mich auch Golf wieder ein wenig in den Fokus gerückt. Es geht aufwärts. Oder abwärts. Das werden wir sehen. Aber daran will ich jetzt nicht denken.

Jetzt stelle ich mir einfach nur vor, wie ich den Driver auspacke, elegant aushole, lässig treffe und mich dann auf die aufregende Suche nach dem Ball begebe. Quer über den Platz, wie immer. Und jeder Schritt ist ein Gewinn auf dem Weg zurück zur Normalität.

Zur Person Sigi Heinrich:

Der renommierte Sportjournalist, Buchautor und vielfach ausgezeichnete Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich widmet sind in seinen Blogs der gesamten Vielfalt des Sports inklusive der komplizierten Mechanismen der Sportpolitik. Mal sehr ernsthaft, mal mit einem verschmitzten Augenzwinkern und manchmal auch bewusst provozierend. Es soll ja für alle was dabei sein.

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