Die Dänin ist eine Ausnahmeerscheinung, wie es sie seither nie wieder gab. Eine geniale Spielmacherin, Vollstreckerin vor dem gegnerischen Tor, mit einer extrovertierten Persönlichkeit, eine, die ein Spiel komplett an sich reißt.

An diesem 5. Dezember 1993 nicht. Fassungslos erleben Anja Andersen, ihre Teamkolleginnen und die Zuschauer in Oslo, wie die deutschen Handballerinnen den WM-Titel feiern - nach einem nie für möglich gehaltenen 22:21 im Finale gegen den turmhohen Favoriten Dänemark.

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Mit einem Buzzerbeater-Siebenmeter zum 17:17 erzwingt Sybille Gruner, die alle nur Bobby nennen, die Verlängerung. 30 Sekunden vor dem Ende der Overtime macht Linkshänderin Bianca Urbanke in ihrer unnachahmlich kaltschnäuzigen Art, ansatzlos, aus dem Stand das 22:21 - und die Uhr tickt.

Schnelle Mitte, Anja Andersen, wer sonst, schnappt sich den Ball und stürmt auf das deutsche Tor zu. Dort steht Silke Adamik, "The Wall", eine der weltbesten Torhüterinnen jener Zeit. Andersen zieht ab, rechts, halbhoch, mit ungeheurer Wucht. Adamik hält. Das Wunder von Oslo ist perfekt.

Dänemark ist nicht das erste prominente Opfer der Mannschaft von Trainer Lothar Doering im Turnierverlauf. Bereits in der Hauptrunde muss das hochgehandelte Starensemble von Hypo Niederösterreich, identisch mit der österreichischen Nationalmannschaft, gegen eine wie entfesselt aufspielende deutsche Mannschaft die Segel streichen.

Natürlich standen die Frauen vor 27 Jahren nicht so im Rampenlicht wie 14 Jahre später die Männer bei ihrer Traum-WM im eigenen Land. Dennoch sollen die Namen der Spielerinnen, die 1993 in Oslo Außergewöhnliches vollbrachten, nicht unerwähnt bleiben.

Sabine Adamik, Heike Axmann, Andrea Bölk, Eike Bram, Carola Ciszewski, Cordula David, Michaela Erler, Sybille Gruner, Karen Heinrich, Franziska Heinz, Heike Murrweiss, Gabriele Palme, Michaela Schanze, Bianca Urbanke, Birgit Wagner, Renate Zienkiewicz - bis heute warten sie auf ihre Nachfolgerinnen.

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