Alfred Gislason verschränkte die Arme und starrte grimmig auf das Feld. Der erste Härtetest seines Olympia-Castings hatte den Bundestrainer der deutschen Handballer alles andere als euphorisch gestimmt, allerdings kam das 26:24 (15:15) in Bosnien und Herzegowina auch unter besonderen Umständen zu Stande.
"Ich hätte lieber mehr Positives gesehen", analysierte der DHB-Coach nach dem kräftezehrenden Blitztrip in den Balkanstaat am "ARD"-Mikrofon. "Wir haben das gemacht, was wir wollten. Wir haben mit einer sehr unerfahrenen Mannschaft begonnen. Es war Licht und Schatten dabei."
Das deutsche Team wahrte durch den Erfolg in der EM-Qualifikation seine weiße Weste und baute seine Erfolgsserie im Wettbewerb auf 19. Quali-Siege in Folge aus.
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Anschließend düste der Tross des Deutschen Handballbundes schnell in Richtung Flughafen von Sarajevo, noch am Donnerstagabend ging es zurück nach Frankfurt. Von dort war das Team erst am Morgen aufgebrochen.

Wiencek: "Jeder wusste, dass das ein Kack-Spiel wird"

Der 15-stündige Tagestrip hinterließ seine Spuren. "Jeder wusste, dass das ein Kack-Spiel wird bei dieser Anreise", sagte Kreisläufer Patrick Wiencek. "Wir haben alles reingeworfen. Wenn es komisch aussah, dann sah es komisch aus. Aber wir haben heute gewonnen", stellte der Kieler fest.
Linksaußen Marcel Schiller war in Bugojno mit zehn Treffern der erfolgreichste Schütze für die DHB-Auswahl, die viele Probleme hatte und das Spiel erst kurz vor Schluss zu ihren Gunsten entschied. Am Sonntag (18:00 Uhr) können die DHB-Männer in Stuttgart gegen Estland eine perfekte Qualifikation perfekt machen.
Deutschland hatte bereits im Januar die Teilnahme an der Endrunde der EM 2022 in Ungarn und der Slowakei gesichert. Daher standen bereits die Olympischen Spiele in Tokio im Fokus. Gislason testete vor allem im Rückraum.
Der Bundestrainer startete mit Spielmacher Juri Knorr auf der Mitte, Sebastian Heymann auf halb-links sowie Fabian Wiede auf halb-rechts. Knorr und Wiede bescheinigte der Isländer eine "ordentliche Leistung", Heymann hingegen sei "weit von seinen Möglichkeiten entfernt" gewesen: "Er hat sich zu viel unter Druck gesetzt."

Schiller, Kastening und Wolff überzeugen

Letztlich ragten die Außenspieler Schiller und Timo Kastening mit ihrer Treffsicherheit sowie Torhüter Andreas Wolff heraus. Auch Finn Lemke zeigte in der spannenden Schlussphase, wie wichtig er im Abwehrverbund in Tokio werden könnte.
Deutschland fand recht mühsam in die Partie. Der umgebauten Auswahl unterliefen im eigenen Angriff zu viele Fehler - Gislason beobachtete das Spiel zunächst in aller Ruhe.
Kurz bevor Bosnien um den starken Bundesliga-Keeper Benjamin Buric (Flensburg) die erste deutsche Drei-Tore-Führung (11:8/22.) zu einer eigenen Führung (12:13/26.) gedreht hatte, brachte der Isländer Spielmacher Philipp Weber für Heymann, der häufig übermotiviert agierte.

Timo Kastening: "Haben am Ende verdient gewonnen"

Es blieb ein enges Spiel, und das auch als Gislason nach der Pause auf weitere routinierte Kräfte wie Steffen Weinhold oder Julius Kühn setzte.
Deutschland traf immer wieder die falschen Entscheidungen, ging aber beim 23:21 (51.) erstmals wieder mit zwei Toren in Führung - und verteidigte sie bis zum Ende erfolgreich.
"Wir haben mit Kampf und Wille dagegen gehalten und am Ende verdient gewonnen", resümierte Rechtsaußen Kastening.

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(SID)

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