Alfred Gislason stürzte sich voller Energie in seine Olympia-Mission. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich wieder so viel Bock auf Handball habe", sagte der neue Bundestrainer im "SID"-Interview: "Ich freue mich, dieses Kribbeln wieder zu spüren."
Der erste Arbeitstag mit seinem neuen Team, sein Länderspiel-Debüt am Freitag und vor allem die Olympischen Spiele im Sommer - all das schwirrte in Gislasons Kopf herum, als er sich am Montag mit einem wohligen Gefühl im Bauch auf die nur 80 Kilometer kurze Anreise vom heimischen Hof im Jerichower Land zu seinem Premierenlehrgang in Aschersleben machte. Eine "gewisse Nervosität" sei da, gestand Gislason trotz seiner inzwischen 40 Jahre im Geschäft.

Ab 17. April wird es ernst

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Auf den Tag genau neun Monate nach seinem letzten Pflichtspiel auf der Bank des THW Kiel gab Gislason am Montag den Startschuss für eine neue Zeitrechnung im deutschen Handball. Noch bis Freitag schwört der 60-Jährige die besten Handballer des Landes auf das Olympia-Qualifikationsturnier in Berlin (17. bis 19. April) ein. Gislason betonte:
Olympia ist ein Traum. Ich habe Olympia zweimal als Spieler miterlebt. Es wäre großartig, das als Trainer zu wiederholen.
Bis dahin wartet auf den Nachfolger des am 6. Februar freigestellten Christian Prokop und sein neues Team eine Menge Arbeit. Gislason, der Erfolgscoach, der dreimal die Champions League, siebenmal den Meistertitel und sechsmal den DHB-Pokal gewann, weiß genau, wo er ansetzen will. Die Defensive sei "das Prunkstück" im deutschen Handball, beim Umschaltspiel und Angriff "werde ich einige Änderungen vornehmen", sagte Gislason. Vieles, was er in Kiel spielen ließ, "werde ich versuchen, auf die Nationalmannschaft umzuleiten".

Testspiel gegen die Niederlande auf der Kippe

Erste Ergebnisse wird es womöglich schon beim Länderspiel am Freitag (18:00 Uhr) in Magdeburg gegen die Niederlande zu sehen geben. Doch ob das Gislason-Debüt, zudem der einzige Test vor dem Olympia-Showdown, überhaupt wie geplant stattfinden kann, ist ungewiss. Das Gesundheitsamt der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt prüft wegen der Corona-Epidemie nach SID-Informationen aktuell mögliche Konsequenzen für die Veranstaltung.
Gislason konzentriert sich ohnehin erstmal ganz auf die bevorstehenden Trainingseinheiten, seine Motivation ist enorm. "Alfred wird sicher viel Energie reinbringen. Er wollte schon immer die Nationalmannschaft trainieren und wird jetzt sicher gut Gas geben", sagte Nationalspieler Steffen Weinhold den Kieler Nachrichten: "Es geht jetzt darum, dass wir uns aufeinander einstimmen, Harmonie zwischen Trainer und Mannschaft finden und ein paar Dinge einstudieren, bevor es im April in die wichtigen Spiele geht."

Gislason: "Habe Druck als was Schönes empfunden"

Die "wichtigen Spiele" im April stehen auch im Verband derzeit über allem. Doch die große Erwartungshaltung macht Haudegen Gislason nichts aus - im Gegenteil. "Druck ist für viele etwas Angsteinflößendes, aber ich habe das meistens als etwas Schönes empfunden", sagte er. Druck sei nichts anderes als "die Erwartung, etwas richtig Gutes abzuliefern. Und ich bin mir ganz sicher, dass diese Mannschaft das kann."
Die Spieler hatten schon vor dem Lehrgang durch Videosequenzen in Online-Speichern Zugriff auf seine Ideen. Gislason, ein Laptop-Trainer? "Durch mein Alter gehöre ich sicherlich zur Kategorie 'Old School'", sagte er, aber: "Ich glaube, dass kaum ein Liga-Trainer in den letzten zehn, zwanzig Jahren mehr mit Technik gemacht hat als ich."
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(SID)

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