Torhüter Andreas Wolff hatte das Spiel gegen Ungarn noch im Vorfeld zum wichtigsten des Turniers erklärt.
Für die Deutschen ging es zum einen darum, den ersten sportlichen Härtetest zu bestehen. Gleichzeitig können die Punkte bei einem Sieg, die in die Zwischenrunde mitgenommen werden, enorm wichtig für das Weiterkommen ins Viertelfinale werden.
Die DHB-Handballer starteten auch konzentriert in die Partie, schafften es allerdings in den ersten Minuten nicht, die robusten Ungarn am Tore werfen zu hindern. Da die Deutschen aber selbst trafen, blieben sie dran. Dennoch gelang es nicht, drei frühe Zeitstrafen für Ungarn in eine Führung umzumünzen – 5:5 nach elf Minuten.
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Dann holten sich Sebastian Firnhaber und David Schmidt innerhalb kürzester Zeit Zwei-Minuten-Strafen ab. Das gab Ungarn die Chance, erstmals etwas davonzuziehen. Bei 6:10 nahm Alfred Gislason die Auszeit (17.). Der DHB-Trainer bemängelte vor allem die Defensive und stellte auf eine 5-1-Abwehr um.
Das zeigte zunächst nicht den gewünschten Effekt. Der Vier-Tore-Rückstand hielt sich konstant, weil die Ungarn weiterhin hochprozentig trafen und Deutschland sich Überzahlsituation durch eigene Zwei-Minuten-Strafen wieder verbaute. Nach nur 25 Minuten hatte Ungarn schon 14 Treffer erzielt.
Der dritte Siebenmetertreffer von Marcel Schiller leitete fünf Minuten vor Ende der Halbzeit dann eine kleine Wende ein. Ungarn gelang in den letzten Minuten nur noch ein Tor und weil Fabian Böhm mit dem Schlusspfiff noch das 14:15 erzielte, war für die zweite Halbzeit wieder alles offen.

"Fühlt sich echt scheiße an": Die Reaktionen zur DHB-Niederlage

Deutschland kam offensiv gut aus der Pause, hatte aber wieder Probleme dabei, die Ungarn zu stoppen. So blieb der Ein-Tore-Abstand bis zur 43. Minute bestehen, als Ungarns Kreisläufer Bence Banhidi mit seinem fünften Treffer im fünften Versuch auf 22:20 stellte. Zudem war Keeper Roland Mikler bei gleich drei Angriffen in Folge zur Stelle.
Die deutsche Mannschaft rückte in der Abwehr nun aber einen Schritt nach vorne, um die Würfe aus dem Rückraum besser zu verhindern. Zusammen mit einigen Paraden von Johannes Bitter funktionierte das auch immer besser.
Paul Drux besorgte nach überstandener Unterzahl die erste Führung für Deutschland seit der Anfangsphase, doch Banhidi brachte die Ungarn umgehend zurück – 24:24 (51.). Die DHB-Auswahl konnte das Momentum aber nicht nutzen, um sich abzusetzen. Banhidi brachte seine Mannschaft wieder in Front. In der letzten Minute erzielte Patrick Groetzki den 28:28-Ausgleich.
Ungarn hatte bei 30 Sekunden Restzeit den letzten Angriff der Partie. Bei nur drei Sekunden auf der Uhr war Mate Lekai aus dem Unterarm und traf zur 29:28-Führung. Deutschland bekam keinen Wurf mehr und musste sich damit im ersten Härtetest dieses WM-Turniers geschlagen geben. Zudem fehlen den Deutschen nun zwei Punkte für die Zwischenrunde, während Ungarn mit einer perfekten Bilanz in die nächste Turnierphase geht.

Die Stimmen zum Spiel:

Philipp Weber (Deutschland): "Es ist extrem bitter, wie das am Ende gelaufen ist. Wir sind über die Emotion gekommen, haben auch unsere Stärken ausgespielt, waren aber dann ein paarmal zu oft zu weit weg. Das ist jetzt schon ein Scheißgefühl."
Uwe Gensheimer (Deutschland): "Wir haben eine Riesenmoral gezeigt und zur Halbzeit auf eins verkürzt. Ich bin sehr froh, dass wir nach dem Rückstand trotzdem alles gegeben haben und gekämpft haben. Aber dann haben wir es in der zweiten Halbzeit nicht geschafft, die Big Points zu machen, weil da war es so, dass wir die Ungarn hätten schlagen können."
Alfred Gislason (Trainer Deutschland): "In der ersten Halbzeit kamen wir überhaupt nicht zu unserem Spiel, vor allem in der Abwehr. Da liefen wir immer einem Rückstand hinterher. Auch wenn ab der 20. Minute die Abwehrleistung viel besser wurde, haben wir nie den Kreisläufer von Ungarn in den Griff bekommen. Er war sehr schmerzhaft für uns. Aber die Moral der Mannschaft und die Leistung in der zweiten Halbzeit war sehr gut. Letztendlich kommt es auf ein paar Entscheidungen gegen Ende des Spiels an, ob sie gegen uns fallen oder gegen Ungarn fallen. Und sie sind leider gegen uns gefallen. Jetzt kommen natürlich Mannschaften wie Spanien, die natürlich Favoriten auf den Titel sind. Spanien ist normalerweise ein noch besserer Gegner als Ungarn."

Das fiel auf: Große Probleme mit Ungarns Physis

Ein Problem fiel in diesem Spiel besonders ins Auge: Deutschland hatte enorme Probleme mit Ungarns physischer Spielweise. Das betraf sowohl die Offensive als auch die Defensive. Gerade im Abwehrverhalten war Ungarns Rückraum mit den Zwei-Meter-Hünen nur schwer zu stoppen. So gelang es den Deutschen selbst in Überzahl nicht, den zwischenzeitlichen Rückstand in der ersten Halbzeit aufzuholen. Und auch im Angriff gab es für die DHB-Auswahl nur kaum freie Punkte. Die Ungarn agierten an der Grenze des Erlaubten und teilweise darüber hinaus und bereiteten den Deutschen so die ganze Partie über große Probleme.

Die Statistik: 1

Den Schiedsrichtern war die Bedeutung der Partie offensichtlich bewusst und so legten das Gespann Gubica/Milosevic gleich eine harte Linie an den Tag. Die Kroaten verzichteten zu Beginn komplett auf gelbe Karten und verteilten schon beim ersten deutschen Angriff eine Zeitstrafe an Ungarn. Zur Halbzeit der ersten Halbzeit standen schon sieben Zwei-Minuten-Strafen zu Buche, am Ende der Partie waren es derer 13 (sieben für Deutschland). Die einzige gelbe Karte gab es dann doch noch. In der 47. Minute erhielt Ungarns Bank die Verwarnung nach lautstarken Beschwerden.
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