Sein WM-Fazit? Alfred Gislason verzog das Gesicht. "Es ist sicherlich Frust da", sagte der Bundestrainer der deutschen Handballer mit bittersüßer Miene. Das vorzeitig verpasste WM-Viertelfinale wurmte ihn auch am Sonntag noch, doch Gislason richtete den Blick nach vorn.
"Es überwiegt, dass vieles gut war", sagte der Isländer in einer Art vorgezogenem Resümee seines Premierenturniers beim DHB: "Was die Jungs in dieser Zeit geschafft haben, ist schon sehr beachtlich." Er verspüre "große Vorfreude" auf die so wichtigen Olympia-Qualifikationsspiele im März in Berlin.
Auch wenn die WM noch nicht beendet ist, richtet sich der Fokus des deutschen Teams schon voll auf die nächste große Aufgabe. Den sportlich bedeutungslosen WM-Abschluss gegen Polen am Montag (20:30 Uhr im Liveticker) erklärte Gislason kurzerhand zum Olympia-Casting, quasi eine Art Kaderschaulaufen unter Wettkampfbedingungen.
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"Jede Info kann wichtig sein", betonte Gislason. Er wolle noch einmal "möglichst vielen eine Chance geben und dabei am liebsten gewinnen". Ein Sieg zum Abschluss wäre "sehr wichtig. Dann würden wir rausgehen mit vier guten Spielen." Hinsichtlich des stark besetzten Olympia-Qualifikationsturniers in Berlin mit Slowenien, Schweden und Algerien sei jede Erfahrung von großer Bedeutung.

Gislason verteidigt Gensheimer

Sportlich geht es am Montag auch darum, die schlechteste Platzierung einer deutschen Mannschaft in der WM-Geschichte (Platz elf in Schweden 2011) mit einem Sieg noch abzuwenden. "Es ist wichtig für unser Gefühl", sagte Johannes Golla. Der Flensburger Kreisläufer gehört neben Torwart-Oldie Johannes Bitter und Spielmacher Philipp Weber zu den wenigen Gewinnern des Turniers.
Coach Gislason war am Sonntag unterdessen auch als Moderator gefragt. Die neuen Diskussionen um seinen Kapitän Uwe Gensheimer gefielen dem Isländer nicht. "Ich sehe keinen großen Grund, ihn heftig anzugehen", sagte Gislason und betonte: "Er steht überhaupt nicht zur Diskussion – im Gegenteil: Er macht seinen Job intern als Kapitän sehr gut."

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Gensheimer hatte die unangenehmen Fragen zur Kritik an seinen schwankenden WM-Auftritten aus der Heimat zuvor auf seine Weise pariert. "Ich weiß nicht, ob es der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist irgendwo, Missgunst und Neid sind da manchmal schon ein bisschen da", sagte der Linksaußen nach dem 31:24 gegen Brasilien und ergänzte mit Blick auf sein Amt als DHB-Anführer: "Nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich nach wie vor noch den Rückhalt der Mannschaft habe."
Unter dem Strich dürfte die WM als Enttäuschung in die DHB-Annalen eingehen. Das Erreichen der K.o.-Runde, offizielles Verbandsziel, war schon vor dem Brasilien-Spiel futsch. Echte WM-Begeisterung kam in Deutschland nicht auf. "Es wäre schön gewesen, wenn wir mehr Euphorie hätten entfachen können", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer: "Es ist eine schwere Zeit in Deutschland aktuell, das wäre sicher sehr, sehr gut gewesen. Und natürlich hätte dazu beigetragen, wenn wir noch mehr Spiele gehabt hätten."

Hohe Ziele für Olympia

Zuletzt hatte eine DHB-Auswahl 2017 das WM-Viertelfinale verpasst, doch ungeachtet dessen bleiben die Ziele beim Verband hoch. "Ich weiß nicht, wer die Ziele zurückschrauben muss, wir jedenfalls nicht", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning gewohnt forsch: "Wir wollen um Olympisches Gold spielen."
In der Olympia-Quali dürften dann auch wieder zahlreiche der in Ägypten fehlenden Stars dabei sein. Und so schaut Gislason auch mit einem weinenden Auge auf die vielen Absagen für das Turnier am Nil zurück. "Ja, schon. Ich habe nicht angefangen zu weinen, aber ich glaube, wir hätten schon ganz gute Chancen gehabt, weiterzukommen", sagte Gislason: "Aber ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft."
Vor allem Golla habe in Abwesenheit der arrivierten Kreisläufer Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Jannik Kohlbacher "ein super Turnier" gespielt. Auch zwei, drei andere Spieler hätten gezeigt, was sie können. Nach dem Turnier werden die Karten jedoch neu gemischt. Das Schaulaufen für die Olympia-Plätze hat begonnen.
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(SID)

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