SID

Gesichter der WM: Majd Eddin Ghazal (Syrien)

Gesichter der WM: Majd Eddin Ghazal (Syrien)
Von SID

28/08/2015 um 08:50Aktualisiert 28/08/2015 um 08:59

Majd Eddin Ghazal war sauer.

Richtig sauer. Seinen Landesrekord von 2,29 m hatte der Hochspringer eingestellt, im ersten Versuch. Das Finale der WM in Peking dennoch verpasst - mit einem vermaledeiten, unnötigen Fehlversuch bei 2,26 m brachte sich der 28-Jährige um eine historische Chance. Noch nie hat ein Leichtathlet seines Landes bei Weltmeisterschaften einen Endkampf erreicht.

Der untröstliche Ghazal fühlte sich kurz als Verlierer, dabei ist er ein Gewinner - wie auch immer er in China abschneidet. Denn Ghazal kommt aus Syrien, aus einem Land, das wie kein anderes auf der Erde im anhaltenden Krieg um Macht und religiöse Vorherrschaft in Trümmern versinkt.

Dass Ghazal - Fahnenträger seines Landes bei Olympia 2012 - in Peking am Start ist, als einer von zwei Syrern neben Hürdenläuferin Ghofrane Mohamed, ist ein wichtiges Zeichen an die Welt: Hier ist Syrien, uns gibt es noch, und hier in Peking, im Sport, erleben wir ein Stück Normalität.

Wo auch immer derzeit auf der Welt Krieg tobt, Tausende Menschen in sinnlosen Konflikten ihr Leben lassen, wird Sport getrieben. Ein Lichtblick in dunkelsten Zeiten. Somalier sind in Peking am Start, Südsudanesen, Iraker, Afghanen, Jemeniten. Teilweise haben sie ihre Heimat längst verlassen, bei der WM können sie aber Flagge zeigen. Ihre Länder auch abseits schrecklicher Bilder in Nachrichtensendungen der Welt präsentieren.

Und dabei auch an bessere Zeiten erinnern, als die Trümmerstaaten von heute große Stars hervorbrachten. Wie den Somalier Abdi Bile, einen der besten Mittelstreckler der Geschichte und 1500-m-Weltmeister von 1987. Oder auch Ghazals Landsfrau Ghada Shouaa, 1995 Weltmeisterin und 1996 Olympiasiegerin im Siebenkampf. Eine Syrerin, die die Leichtathletik-Welt beherrscht: Gerade zwei Jahrzehnte ist das her, es fühlt sich an wie eine Ewigkeit.

Ein Finaleinzug Majd Eddin Ghazals - und das ist vielleicht seine einzige kleine Niederlage in Peking - hätte dies zur besten Sendezeit vielen Millionen Menschen bewusst werden lassen können.

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