Kelly Holmes zeigt ihr breitestes Olympiasiegerinnen-Lächeln, dabei erzählt sie gerade von ihrem Jahrzehnte währenden Martyrium. Nervenzusammenbrüche, Suizidgedanken, Selbstverletzungen und panikartige Angst vor Strafverfolgung - das war über 34 Jahre Alltag für die britische Leichtathletik-Ikone. Vorbei. Sie sei nervös, es offen auszusprechen, sagt sie - und tut es doch: "I'm gay", Kelly Holmes ist lesbisch.
Als die Doppel-Olympiasiegerin von 2004 diese wenigen Worte, die für sie alles bedeuten, in die TV-Kamera des Boulevardblatts Mirror spricht, hat sie das "Gefühl, vor Aufregung zu explodieren". Jetzt, verkündet sie voller Erleichterung über ihr Coming-out, "bin ich endlich frei!"
Holmes war gerade 17 und frisch bei der Army, als der Kuss einer Soldatin alles veränderte: "Da habe ich verstanden, dass ich lesbisch sein muss, weil es sich gut anfühlte." Das Problem: In der britischen Armee wird Homosexualität bis ins Jahr 2000 strafrechtlich verfolgt, es drohen harte Strafen bis hin zu Gefängnis.
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Holmes offenbart sich ihrem Stiefvater, bleibt aber zehn Jahre in der Armee - und lebt ihre Sexualität im Geheimen. In ständiger Angst, geoutet zu werden. "Es gab viele dunkle Zeiten, in denen ich wünschte, ich könnte schreien, dass ich lesbisch bin - aber ich konnte nicht", sagt die 52-Jährige.

Kelly Holmes krönte sich am 23. August 2004 in Athen über 800 Meter zur Olympiasiegerin

Fotocredit: Getty Images

Sport für Holmes als "Rettung"

Der Sport sei ihre "Rettung" gewesen, doch die Angst lief mit. Am Vorabend des WM-Finals über 800 m 2003 in Paris verletzt sie sich mit einer Schere an Armen und Beinen, weil sie das Versteckspiel fertigmacht - und rennt tags darauf zu Silber. Ein Jahr später fliegt sie mit Gold über 800 und 1500 m in Athen förmlich in den Olymp.
Der Entschluss, sich zu offenbaren, reift erst im Herbst 2020, als sie nach einer Corona-Infektion einen weiteren Zusammenbruch erlebt. "Ich wollte endlich ich selbst sein", sagt sie. Sie kontaktiert die Armee und erhält die erlösende Nachricht, dass sie strafrechtlich nicht mehr belangt werden kann: "Ich hatte das Gefühl, wieder atmen zu können."
Im Dokumentarfilm "Being me" erzählt sie ihre Geschichte. "Manchmal", sagt Kelly Holmes, "weine ich vor Erleichterung."
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(SID)

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