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Trügerische Hoffnung: Warum die U23-EM nicht überbewertet werden darf

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Bo Kanda Lita Baehre

Fotocredit: Getty Images

VonSigi Heinrich
18/07/2019 Am 16:56 | Update 18/07/2019 Am 16:58

Neun Goldmedaillen. Sechs Silbermedaillen. Sechs Bronzemedaillen. Die Nachwuchs-Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) haben bei der U23-EM in Gävle im Kollektiv eine herausragende Vorstellung abgeliefert. Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich warnt jedoch davor, diese Ergebnisse überzubewerten. Zur Weltspitze klafft nämlich weiterhin eine enorme Lücke.

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Er war einmal im Bild: Raphael Holzdeppe. In Monte Carlo, beim Diamond League-Meeting, gratulierte er dem Polen Piotr Lisek, der zum zweiten Mal in dieser Saison über sechs Meter sprang. Und auch viele Konkurrenten des Weltmeisters von 2013 in Moskau landeten weit vor Holzdeppe, der dreimal bei seiner Anfangshöhe gescheitert war.

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Weiter im Norden Europas sprang derweil Bo Kanda Lita Baehre um die Medaillen bei der U23-Europameisterschaft. Und der Youngster holte tatsächlich Gold mit übersprungener Höhe von 5,65 Meter. Im Feld der Weltelite wäre er in Monte Carlo damit Vorletzter geworden.

Weit hinter einem Armand Duplantis, der in Schweden lässig U23-Europameister geworden wäre. Doch er zog es vor, sich der stärksten Konkurrenz zu stellen.

Grosse Lücke zur Weltklasse

Das ist die Problematik der Leichtathletik: Auf der einen Seite berechtigter Jubel über eine tolle Nachwuchsmeisterschaft in Gävle (Schweden), bei der die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit großem Abstand die Medaillenwertung gewann.

Auf der anderen Seite muss man sich spätestens bei der Weltmeisterschaft in Doha weitaus stärkerer Konkurrenz stellen.

Monte Carlo war ein Beispiel. Neben Holzdeppe waren nur noch Thomas Röhler (3.) und Andreas Hoffmann im Speerwurf dabei. Der Mannheimer immerhin gewann. Ansonsten lagen alle erzielten Leistungen weit über dem, was deutsche Athleten momentan leisten können.

    Niklas Kaul sorgt für den Höhepunkt

    Deshalb ist die Gefahr jetzt groß, dass das Abschneiden in Gävle überschätzt wird, denn es gab auch viele Disziplinen, in denen der DLV nicht vertreten war. Und auch die Konkurrenz war vom Leistungsbild her überschaubar.

    Dennoch darf man guten Gewissens dem deutschen Nachwuchs in der Leichtathletik viel Engagement unterstellen und dass sogar in allen vier abschließenden Staffeln Medaillen gewonnen wurden (sogar über 4x400m bei den Männern), rundete das Bild ab, das geprägt war von Niklas Kaul. Der Zehnkämpfer ist in diesem Jahr jetzt der zweitbeste der Welt in seiner Kategorie.

    Niklas Kaul

    Fotocredit: Getty Images

    Nur Damien Warner aus Kanada schaffte in Götzis eine bessere Punktzahl als Kaul, der mit seiner Leistung in Gävle sogar in Doha plötzlich zu den Medaillenkandidaten gehört. Er hat in allen Altersklassen gewonnen und scheint seinen Weg kontinuierlich fortsetzen zu können.

    Da sind Parallelen erkennbar zum Kugelstoßer David Storl, der auch einst als Jugendlicher und Junior schon für Furore sorgte und später Weltmeister und Europameister wurde.

    Harmonie stärkt

    Das neue Zehnkampfass ist ein Pfand für die Zukunft. Ein vorbildlicher Athlet, auch dank eines sehr familiären und harmonischen Umfelds, das wiederum konträr geht zu den Gedanken mancher Funktionäre, die meinen, Athleten müssten raus aus ihrer Komfortzone.

    Nein, sie müssen dort bleiben. Unbedingt. Denn oft ist – natürlich neben fachlicher Kompetenz – vor allem der heimische Herd die Basis für spätere Erfolge.

    Der DLV tut gut daran, die kleinen Zellen, in denen die späteren Helden gedeihen können, weiter zu stärken. Und er sollte sich nicht von denen treiben lassen, die da meinen, nur zentrale Trainingsstätten würden Erfolg generieren.

    Gerade im Nachwuchsbereich kommt den Heimtrainern eine große Verantwortung zu. Sie halten die Zukunft in den Händen, der DLV sollte nur steuernd eingreifen.

    Und wie es in Deutschland in der Leichtathletik um den noch jüngeren Nachwuchs steht, werden wir in den nächsten Tagen bei der U20-Europameisterschaft in Boras sehen (live im Eurosport Player). Wieder ist Schweden Ausrichter. Vielleicht ist das ein gutes Omen für das DLV-Team.

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