Imago

Nordische Kombination: Johannes Rydzek nach Dreifach-Gold in Lahti weiter hungrig

Rydzek: "Nordischer Dominierer" lässt Konkurrenz verzweifeln
Von SID

02/03/2017 um 13:02Aktualisiert 02/03/2017 um 13:03

Johannes Rydzek wurde nach seinem dritten Kombinations-Gold mit Lobeshymnen überschüttet. Seine Dominanz birgt aber auch Risiken für die gesamte Disziplin. Johannes Rydzek hielt sich die Ohren zu, als die düpierte Konkurrenz auf der Sieger-Pressekonferenz ein Loblied auf Lahtis Kombinierer-König anstimmte. "Dabei will ich doch einfach nur Spaß haben und meine Rennen genießen", sagte Rydzek.

Eurosport Player : Verfolgen Sie das ganze Event live

Jetzt bei Eurosport

Ihm war der Trubel nach seinem dritten Gold-Coup bei der WM in Finnland dann doch ein wenig viel. Er macht Spaß, die Mitbewerber machen großen Augen. Der Franzose Francois Braud, der am Mittwoch Dritter bei Rydzeks zweitem Einzel-Gold wurde, sagte:

"Er ist einfach der Beste, und er ist noch lange nicht am Ende "

Der zweitplatzierte Japaner Akito Watabe, verbeugte sich höflich "vor einem großartigen Typen und Athleten". Und natürlich, das musste dann auch der nun insgesamt fünfmalige Weltmeister Rydzek zugeben, "ist es ja besonders schön, so etwas aus dem Mund von Kontrahenten zu hören".

Damit musste es dann aber auch gut sein, schließlich ist Rydzeks finnische Gold-Mission noch nicht beendet. Am Freitag (15.00 und 17.15 Uhr live bei Eurosport) geht es in den Teamsprint und um den letzten Titel, den sich der Kombi-Kannibale noch nicht gekrallt hat - den halten seit der WM 2015 Braud und sein schon zurückgetretener Landsmann Jason Lamy Chappuis.

"Ich freue mich schon", sagt Rydzek: "Mal schauen, was noch geht." Die deutschen "Dominierer" stehen vor der historischen Krönung: Noch nie hat ein Kombinierer viermal WM-Gold in einem Jahr geholt, noch nie ist das auch nur einer Nation gelungen. Der erfolgreichste Kombinierer der WM-Geschichte und der erfolgreichste Deutsche bei nordischen Titelkämpfen ist Rydzek ohnehin schon.

Video - Unwiderstehlicher Antritt: Rydzek holt Kombinations-Gold

01:29

Deutsche Kombinierer distanzieren Konkurrenz

Die bundesdeutsche Hegemonie, das ist die Schattenseite des Gold-Glanzes, sorgt allerdings auch für ein Stück internationaler Gleichgültigkeit. "Meine Freunde haben mir gesagt, dass sie sich das nicht mehr im Fernsehen anschauen, weil ohnehin immer die gleichen gewinnen", sagte Braud dem SID.

Klar: Die zweite Einzel-Konkurrenz war anders als der deutsche "Sweep" mit Rydzek, Frenzel, Rießle, Kircheisen auf den ersten vier Plätzen des Auftakt-Rennens eine spannende Angelegenheit - aber auch nur, weil es die Deutschen kollektiv auf der Schanze verblasen hatte. Dennoch siegte einer in Schwarz-Rot-Gold, zum 20. Mal in 21. Einzelrennen des Winters - nur in Sapporo, als Rydzek, Frenzel, Rießle fehlten, durfte Watabe gewinnen.

Video - Der WM-Zieleinlauf mit deutschem Vierfach-Erfolg

02:54

Es ist eine Situation, die an jene Gähn-Generation der 90er erinnert, die von Japan um Kenji Ogiwara beherrscht wurde. Auf dem Höhepunkt des Nippon-Nonplusultras gewannen sie den Team-Wettbewerb der WM 1993 - mit fast vier Minuten Vorsprung auf Norwegen und achteinhalb auf die drittplatzierten Deutschen.

Greift die FIS ein?

Der Weltverband FIS schraubte daraufhin an den Wettbewerbsformen, machte die Formate weniger sprunglastig, bis schließlich Japans Jubelära vorbei war, andere Nationen konkurrenzfähig waren. Müssen also Rydzek und Co. befürchten, von der FIS eingebremst zu werden?

Wahrscheinlich nicht - schließlich sind die Deutschen sowohl auf der Schanze wie in der Loipe eine Klasse für sich, ihnen wäre jedes Wettkampfformat recht. "Es ist ein Mix aus allem, der uns erfolgreich macht", sagt Rydzek. Die Ohren wird er sich wohl noch oft zuhalten müssen.

Video - Erfolgscoach Weinbuch: "Das ist der Wahnsinn"

01:14
0
0