Sonnenschein, Heim-WM, beste Sendezeit: Einen besseren Rahmen hätten sich die Nordischen Kombiniererinnen für ihren historischen Tag kaum wünschen können.
Natürlich, die Zuschauer fehlen in Oberstdorf, aber nach fast 100 Jahren herrscht am Samstag endlich Schanzengleichheit, und das zählt. "Das ist ein Meilenstein. Jetzt sind wir komplett", sagte DSV-Funktionär Horst Hüttel im "SID"-Gespräch vor der lang ersehnten Premiere.
Besonders für Jenny Nowak geht ein Traum in Erfüllung, wenn im Allgäu erstmals eine Weltmeisterin ermittelt wird (Springen 10:00/Skilanglauf 15:30 Uhr live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!). Die Sächsin ist erst 18 Jahre alt, und doch ist sie eine Pionierin ihrer Disziplin.
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"Ich bin gemeinsam mit dieser Sportart gewachsen. Ich war beim ersten Continental Cup dabei, beim ersten Weltcup, und jetzt auch bei der ersten WM. Das macht mich stolz", sagte Nowak dem "SID".

DSV-Asse vermeintlich ohne Chance auf WM-Gold

Nowak wurde 2020 in Oberwiesenthal Junioren-Weltmeisterin, bei der "großen" WM gehört sie aber ebenso wie die erfahrene Svenja Würth nicht zu den Medaillen-Kandidatinnen. Als Skispringerin hat Würth bereits an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen, dann stieg sie um. "Ich hatte mit Ausdauer gar nichts zu tun, habe bei Null angefangen. Fünf Kilometer können lang sein", sagt die 27-Jährige mit einem Lächeln.
Die besten Chancen auf das historische erste Gold haben andere, die Amerikanerin Tara Geraghty-Moats etwa oder Gyda Westvold Hansen aus Norwegen. Die 27 Jahre alte Geraghty-Moats gewann Ende Dezember auch die Weltcup-Premiere - es war bis heute das einzige Weltcup-Rennen überhaupt. Das soll, das muss sich ändern.
"In den nächsten Jahren wollen wir vier Wochenenden im Kalender haben. Schön wäre es, Weltcups zusammen mit den Männern auszutragen. Da sollte uns Biathlon als Beispiel dienen", sagt Hüttel. Und natürlich erhoffen sich Nowak, Würth und Co. auch eine Aufnahme in das Olympiaprogramm für 2026, die Entscheidung fällt im Sommer 2022.

Würth äußert Kritik: "Hat viel zu lange gedauert"

Vom erhobenen oder gesenkten Daumen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird auch abhängen, ob der DSV noch einmal stärker in die neue Sparte investieren wird. "Im Moment stehen alle Anzeichen auf Grün. Und dann werden wir richtig Gas geben", sagt Hüttel, der beim Deutschen Skiverband für das Springen und die Kombination zuständig ist.
Zunächst aber schließt sich in Oberstdorf eine Lücke - bei den Männern gehört der Wettbewerb schon seit 1925 zum WM-Programm. "Meiner Meinung nach hat es viel zu lange gedauert", sagt Würth. Doch es gibt auch Kritiker: "Dass man sich im Jahr 2021 noch solchen Diskussionen stellt, ob die Mädels die gleichen Sportarten machen dürfen wie die Jungs, finde ich traurig."
Die WM-Premiere zur Prime Time soll daher auch Werbung für die junge Disziplin werden. "Ich finde das total cool, den Mädchen diese Plattform zu geben", sagt Hüttel: "Diese junge Sportart etabliert sich immer mehr, und das wollen wir nun auch der Welt zeigen."
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(SID)

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