Die rote Mütze von Eric Frenzel flog unnachahmlich dem Ziel entgegen, dort breitete der unfassbar erleichterte Fabian Rießle bereits die Arme für den Kollegen aus: Mit einem sagenhaften Finale haben die deutschen Kombinierer noch WM-Bronze im Teamsprint erobert und in einem schon verloren geglaubten Rennen ein famoses Comeback gefeiert.
"Bronze fühlt sich heute an wie eine Goldmedaille", verkündete Rießle nach dem versöhnlichen Abschluss insgesamt doch unbefriedigender Oberstdorfer Titelkämpfe.
"Ich bin sehr, sehr glücklich, dass wir die Medaille noch geholt haben", sagte Frenzel, der die Aufholjagd der beiden Titelverteidiger zum Happyend führte und mit einem famosen Zielsprint gegen den Japaner Akito Watabe seine 17. WM-Medaille gewann: "Wir hatten sehr großen Rückstand nach dem Springen, das hatten wir uns anders erhofft. Aber in den Lauf haben wir alles reingelegt."
Klingenthal
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Bundestrainer: "Wollten ein bisschen mehr"

Letztlich mussten sich die beiden deutschen Routiniers nur den Österreichern und Norwegern geschlagen geben. Für die deutsche Mannschaft war es am vorletzten Wettkampftag die insgesamt fünfte Medaille, die deutschen Kombinierer hatten zuvor Silber in der Staffel gewonnen.
"Die Medaille heute war sehr wichtig für uns. Eigentlich hat es so ausgesehen, dass wir keine Chance mehr hatten, eine Zehn-Prozent-Chance habe ich vielleicht noch gesehen", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Showdown der Kombi-Ikonen um Bronze: Frenzel kocht Watabe ab

Dennoch bleibt das Gesamtergebnis mau: Es war die erste WM ohne Titel seit 2009 und das schlechteste Abschneiden seit der WM 1999, als es keine Kombinierer-Medaille gab. "Wir wollten ein bisschen mehr haben, das gebe ich zu. Aber die Trauben hängen derzeit sehr hoch", sagte Weinbuch.

Nächstes Gold für Lamparter

Nach einem Sprung von der großen Schattenbergschanze und 2x7,5 km in der Loipe - für beide Läufer im Wechsel je fünf Runden über 1,5 km - lagen Frenzel/Rießle 1:07,4 Minuten hinter dem österreichischen Duo um den erst 19 Jahre alten Lamparter zurück, der sich bereits am Donnerstag Einzel-Gold von der Großschanze gesichert hatte.
Norwegen mit Topstar Riiber, der auf der Normalschanze Einzel- und Staffel-Gold gewonnen hatte, hatte 39,6 Sekunden Rückstand.

Frenzels Teamsprint-Serie hält

Frenzel war am Morgen von der Großschanze auf gute 132,0 m gesprungen, Rießle ließ allerdings nur 123,0 m folgen. Damit lag das DSV-Duo zur Halbzeit 1:12 Minuten hinter den führenden Japanern zurück, die vor Österreich (zwei Sekunden zurück) und Norwegen (+34) in die Spur gingen.
Eigentlich eine viel zu große Hypothek - doch die beiden laufstarken Deutschen pirschten sich immer näher an die zurückfallenden Japaner heran, bei denen Watabes Partner Ryota Yamamoto das Tempo nicht mitgehen konnte.
Für Frenzel, in den beiden Oberstdorfer Einzel-Wettbewerben als bester Deutscher jeweils Vierter, setzte sich damit eine beeindruckende Erfolgsserie fort. Seit der WM-Premiere des Teamsprints hat der Sachse jedes Mal eine Medaille gewonnen: 2013 Bronze mit Tino Edelmann, 2015 Silber mit Johannes Rydzek, zuletzt 2017 mit Rydzek und 2019 mit Rießle Gold - und nun ein golden schimmernden Bronze.
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(SID)

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