Trotz drängender Fragen von allen Seiten will sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei der Entscheidung über eine mögliche deutsche Bewerbung um Olympische Spiele nicht unter Druck setzen lassen - auch nicht auf seiner 16. Mitgliederversammlung am Samstag in Frankfurt/Main, zu der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erwartet wird.
Eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele sei generell das "mittelfristige Ziel" des deutschen Sports, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann dem "SID". "Die Frage, ob und wann bzw. mit welcher Stadt oder Region, muss aufgrund der gemachten Erfahrungen in den vergangenen Jahrzehnten jedoch sehr genau geprüft und sorgfältig abgewogen werden", so Hörmann. Der DOSB war zuletzt mit Bewerbungen für München (2022) und Hamburg (2024) am Bürgervotum gescheitert.
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Olympia-Initiativen drängen

Hörmann betonte, dass die Regeländerung des IOC, die Spiele nicht mehr automatisch sieben Jahre vor der Austragung zu vergeben, einiges verändert habe. Hörmann gibt sich bedeckt:
Wann die Zeit für eine konkrete Entscheidung des DOSB reif sein wird, ist deshalb aus heutiger Sicht schlichtweg nicht präzise zu beantworten.
Doch die Debatte wird in Deutschland immer lebhafter, auch weil private Olympia-Initiativen auf den Markt drängen. Deshalb besteht auch in den Verbänden am Samstag bei der Versammlung in Frankfurt Redebedarf.
"Ich denke, dass das Thema Olympia-Bewerbung angesprochen werden sollte", sagte Ruder-Präsident Siegfried Kaidel dem "SID". "Es gab zuletzt mehrere Konzepte. Es wäre gut zu erfahren, wie welche Initiative eingeschätzt wird", sagte Kaidel, auch lange Jahre Präsident der deutschen Spitzensportverbände.

NRW besticht mit Nachhaltigkeit

In Frankfurt dabei ist auch Michael Mronz, Gründer der Olympia-Initiative Rhein Ruhr 2032. Ein gemeinsamer Landtags-Beschluss der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen in NRW zur Bewerbung für die Spiele 2032 gab dem Konzept zuletzt Rückenwind. "Wir stehen dazu in regelmäßigem Austausch mit dem DOSB", erläuterte Mronz.
Hörmann lobte den Landtags-Beschluss. "Zweifelsohne hat Rhein-Ruhr durch den im November getroffenen Grundsatzbeschluss im Landtag für eine Bewerbung nunmehr eine klare politische Willensbekundung dokumentiert", sagte der 59-Jährige. Allerdings hatte der DOSB-Präsident nicht gerade zur Freude von Mronz auch eine mögliche Bewerbung Berlins für 2032 begrüßt.
Das Konzept Rhein Ruhr schließt 14 Städte in NRW ein, soll aber deshalb kein Olympia der langen Wege werden. Der um alle Sportstätten gezogene Radius beträgt 63 Kilometer und entspricht der Ausdehnung von Los Angeles 2028. Zu 90 Prozent sollen Sportstätten genutzt werden, die schon vorhanden sind. Damit folgt man den IOC-Anforderungen nach Kostensenkungen und Nachhaltigkeit.

Thüringen und Sachsen wohl gescheitert

Keine großen Hoffnungen braucht sich indes die private Initiative mit Thüringen, Sachsen und Bayern für die Olympischen Winterspiele 2030 zu machen. Laut Deutschlandfunk sei das von einer thüringischen Bank ins Spiel gebrachte Konzept bereits durchgefallen. So sagte Hörmann:
Das Konzept haben wir uns angesehen. Ich glaube nicht, dass man mit einem solchen international erfolgreich sein kann.
Kaidel sprach sich indes generell für die Ausrichtung von Olympischen Spielen in Deutschland aus, weil "sie für jede Sportart nach wie vor das Größte sind", wie der Ruder-Präsident erklärte. Allerdings müsste man sich frühzeitig eine breite Unterstützung sichern. "Das Wichtigste ist, dass wir die Bevölkerung begeistern können", sagte Kaidel.
(SID)
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