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Olympia-Vergabe 2026: Der Olympische Geist hat sich aus dem Schnee gemacht

Olympia-Vergabe 2026: Der Olympische Geist hat sich aus dem Schnee gemacht

25/06/2019 um 08:13Aktualisiert 25/06/2019 um 08:17

Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich erklärt in seinem Blog, warum sich das IOC als erster Gewinner der Vergabe für 2026 fühlen darf. Die neuen Regularien kamen zwar sowohl Stockholm als auch Mailand & Cortina d'Ampezzo entgegen - der Zuschlag ging jedoch nach Italien. Zudem erklärt Heinrich, was die Vergabe für die Olympischen Spiele bedeutet.

Es ist zweifellos eine magische Zahl. 70 Jahre nach den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo mit den damals legendären drei alpinen Goldmedaillen des Österreichers Toni Sailer und vier Siegen des Schweden Sixten Jernberg im Langlauf kann sich die Gemeinde in Venetien erneut olympisch herausputzen.

Denn Cortina d'Ampezzo hat mit Mailand den Zuschlag für die olympischen Winterspiele 2026 erhalten. Schweden ist mit Are unterlegen. Zum wiederholten Mal übrigens. Die Verlierer waren fair, die Sieger jubelten. Logisch.

Ob es für Italien ein Pyrrhussieg war, wird die Zukunft weisen. Für das Internationale Olympische Komitee waren beiden Kandidaten ein Rettungsanker. Nach drei Winterspielen in Asien (rechnet man Sotschi hinzu) kehrt das größte Sportfest der Welt wieder nach Europa zurück.

In die Wiege des Wintersports, dorthin, wo auch im normalen Ablauf eines Sportwinters die Besten der Welt Station machen. Es wäre in Stockholm auch ähnlich gewesen. Von daher darf sich das IOC als erster Sieger der Spiele von 2026 sehen.

Neue Regularien umgesetzt

Die neuen Regularien für einen Ausrichter sind beiden Kandidaten entgegen gekommen. Jetzt dürfen und sollen sich sogar Regionen bewerben dürfen. Nicht nur einzelne Städte. Mailand mit Cortina d'Ampezzo hat das konsequent umgesetzt. Stockholm war sogar noch einen Schritt weiter gegangen, in dem Sigulda in Lettland als Austragungsort der Bob-Wettbewerbe ausersehen war.

Schließlich hieß das große Motto: Nachhaltigkeit. Bestehende Sportstätten nutzen damit hinterher keine hässlichen Ruinen bleiben: Das war das Motto: Damit machte auch Mailand Werbung im geheimen Tauziehen hinter den Kulissen, eine Übung, in der die Italiener mit Sicherheit effektiver waren als die Schweden.

Budgetberechnung als Luftnummer

Noch fehlt freilich vieles. Zum Beispiel eine Eisschnelllaufbahn. Die Bob-und Rodelbahn von Cortina d'Ampezzo, einst Kulisse im James-Bond-Film "In tödlicher Mission", wurde 1991 geschlossen.

Ein Bagger wird nicht genügen, um alles wieder auf den alten Stand zu bringen, denn auch das Eisstadion von Cortina d'Ampezzo ist längst kein Schmuckstück mehr. Alles kein Problem. Das ist die Devise des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komittees Italiens, Giovanni Malago, der maßgeblich und unerschütterlich die Bewerbung vorangetrieben hat. Er wurde - und das war ein erstes Zeichen, das Italien Favorit war - sogar vorab als persönliches Mitglied in das IOC aufgenommen, was eigentlich gar nicht möglich war, da sich schon zwei persönliche Mitglieder derzeit im IOC befinden.

Malago hat alle Kritiker besänftigt und setzt voll und ganz auf private Investoren. Der Steuerzahler soll nichts spüren, sondern von der zu erwartenden Steigerung des Bruttosozialproduktes durch die Spiele profitieren. Vom IOC erhält er etwa 800 Millionen Euro. Der Etat beläuft sich auf 1,6 Milliarden Euro. (Sotschi kostete 22 Milliarden, Pyeongchang 8 Millarden).

Die Differenz will er aus dem Ärmel schütteln. Das wird nicht gelingen. Für Stockholm waren die Berechnungen ähnlich. Allerdings war dort auch die Sorge größer als in Italien, dass es wohl rudimentäre Berechnungen sind. Sicherheits- und Infrastrukturmaßnahmen werden das Budget sprengen.

Der olympische Geist ist verschwunden

Beide Bewerbungen bedeuteten sowieso das Ende Olympischer Spiele der kurzen Wege. Stockholm und Are trennen 500 Kilometer. Auch in Mailand sind die Distanzen astronomisch, zumal die alpinen Rennen der Damen und Herren an zwei verschiedenen Orten ausgetragen werden sollen. Bormio und eben Cortina d'Ampezzo. Geschätzte Fahrzeit etwa sechs Stunden. Mindestens. Wenn es mal schneit sowieso, was im Winter so ungewöhnlich nicht sein soll.

Der Weg über die Autobahn führt übrigens an Mailand vorbei. Vorbei. Für einen Zwischenstopp ist da keine Zeit. Deshalb war unabhängig vom Ausgang der Wahl klar, dass die künftigen Olympischen Winterspiele ihre Seele verlieren werden. Das Treffen der Jugend der Welt ist nur noch eine Phrase. Jeder Austragungsort (Antholz, Val di Fiemme, Bormio, Cortina d'Ampezzo, Mailand) wird für sich agieren.

Die Aktiven erleben Weltmeisterschaften im Zeichen der Ringe. Kontakte mit anderen Sportlern sind nur noch über soziale Medien realistisch. Der olympische Geist hat sich klammheimlich aus dem Staub beziehungsweise aus dem Schnee gemacht...

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