Thomas Bach musste kurz schmunzeln. Als er nach seiner Wiederwahl gefragt wurde, ob er für die restlichen vier Jahre seiner Amtszeit mehr Gegenwind im IOC als bisher erwarte, geriet der IOC-Präsident ins Stocken und meinte ungewohnt flapsig: "Und wenn es so wäre, würde ich es nicht verraten. Schließlich will ich niemanden dazu ermuntern."
Noch ist der Zuspruch im Ringeorden für Bach (67) riesig. Das zeigten nicht zuletzt die ausufernden Lobpreisungen und das Wahlergebnis mit 93 Ja-Stimmen bei nur einer Gegenstimme. Doch wie lange bleibt der Herr der Ringe noch unangefochten? Der Druck nimmt nicht ab, die Aufgaben wachsen. Die Rettung der Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) und der Kampf gegen einen Boykott von Peking 2022 fordern die ganze Kraft des neuen und alten IOC-Präsidenten.
Bach ließ erneut keinen Zweifel daran aufkommen, dass trotz aller Vorbehalte in der japanischen Bevölkerung die Spiele in Tokio durchgezogen werden. "Die Frage ist nicht, ob die Olympischen Spiele stattfinden werden, sondern wie", stellte der Ober-Olympier klar. Man stehe "Schulter an Schulter" mit den Partnern in Japan, "um sichere Spiele zu veranstalten".
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Zu Tränen gerührt: Thomas Bach bleibt IOC-Präsident
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Ein zentraler Punkt dabei bleibt das Impfen. Bach sieht weiter von einer Impflicht ab, hat aber einen neuen Fahrplan aufgestellt. Zuerst seien Ältere und Risikogruppen an der Reihe, doch sobald der Impfstoff der allgemeinen Bevölkerung zur Verfügung steht, würden die Nationalen Olympischen Komitees mit den Regierungen in Kontakt treten, damit "die Olympiamannschaften vor Tokio geimpft werden", erklärte Bach in den "Tagesthemen".
Bach weiß nur zu gut, dass es für Menschen ohne Impfstoff schwierig wird, nach Japan einzureisen. Die dortige Bevölkerung ist wegen Corona weiter mit großer Mehrheit gegen die Austragung der Spiele. Zuletzt sickerte durch, dass Japan auch keine ausländischen Zuschauer einreisen lassen wolle. Eine Entscheidung darüber soll noch vor dem Start des Fackellaufs am 25. März fallen.

Olympia 2022: Bach gegen Peking-Boykott

Wenig Verständnis zeigte Bach auch für die jüngsten Forderungen nach einem Boykott der Peking-Spiele 2022. "Boykotte sind die falsche Antwort auf solche Fragen, das hat die Geschichte gezeigt. Sie bringen keine Verbesserungen", sagte Bach, der 1980 als Fechter selbst Opfer des damaligen Boykotts der Olympischen Spiele von Moskau geworden war.
Zuletzt hatten Menschenrechtsorganisationen gefordert, die Winterspiele in Peking 2022 wegen fortdauernder Menschenrechtsverletzungen Chinas zu boykottieren. Bach jedoch ist der Ansicht, dass das IOC "keine Weltregierung" sei und daher nur begrenzt Einfluss auf Politik habe.
Mit Olympia wolle man "ein Beispiel setzen, wie eine Welt ohne Diskriminierung funktionieren kann", sagte Bach, der betonte: "Die Spiele sind die Spiele des IOC. Sie sind nicht die Spiele der chinesischen Regierung. Der chinesische Staatspräsident wird bei der Eröffnungsfeier genau einen Satz sagen dürfen, der von uns vorgeschrieben wird. Kein chinesischer Regierungsoffizieller kann an einer Siegerehrung teilnehmen. Bei den Olympischen Spielen gelten die globalen Regeln des Sports und des IOC."
Das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC), ein ganz wichtiger Partner für das IOC, sprang Bach zur Seite. "Auch wenn wir niemals kleinreden wollen, was in China aus menschenrechtlicher Sicht passiert, unterstützen wir keinen Athletenboykott", sagte USOPC-Präsidentin Susanne Lyons, meinte aber auch: "Wir glauben, dass solche Proteste, insbesondere der 1980, nicht wirksam waren."
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(SID)

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