Immerhin das Frühstück schmeckte Eric Frenzel. Das war es dann aber schon mit Lichtblicken im tristen Quarantäne-Alltag des Kombinierer-Königs. Nach dem Corona-Schock wuchs bei Frenzel der Ärger über die neue Bleibe, die so gar nicht den Vorstellungen des dreimaligen Olympiasiegers entspricht. Als "unzumutbar" beschrieb Dirk Schimmelpfennig die Zustände in der Isolation, der DOSB, versicherte der Chef de Mission, bemühe sich um Verbesserungen.
Ein größeres und sauberes Zimmer soll her. "Dafür stehen wir in sehr engem Austausch mit dem IOC und dem BOCOG", sagte Schimmelpfennig. Frenzel braucht Platz, er will sich bewegen, um nicht völlig außer Form zu geraten. Zwar verpasst er wie sein ebenfalls positiv getesteter Teamkollege Terence Weber den Wettkampf der Nordischen Kombinierer am Mittwoch, einen Olympiastart in Zhangjiakou hat er aber längst nicht aufgegeben.
Dafür hatte er sich vor der Abreise nach Peking zu viel vorgenommen. Frenzel wollte "ein Wörtchen mitreden" und vielleicht sogar als erster Kombinierer der Geschichte das vierte Gold bei Winterspielen holen. Dann schlug das Virus zu. In der Heimat gab seine Frau Laura einen Einblick in die Gemütsverfassung der Familie. "Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", sagte sie dem BR: "Ich habe keine Worte für das, was passiert ist."
Olympia Peking
Corona: Diese Test-Regeln gelten bei Olympia in Peking
05/02/2022 AM 04:32
Im Krankentransport hoffte Frenzel selbst, "recht bald wieder aus der Isolation freizukommen", um in der zweiten Woche anzugreifen. Doch Teamarzt Stefan Pecher bremst. Erst muss der 33-Jährige innerhalb von 24 Stunden zweimal negativ getestet werden, und dann "reden wir vom Hochleistungssport". Ob Frenzel und Weber (25), die beide derzeit symptomfrei sind, "dann fähig sind zu starten, steht auf einem anderen Blatt".

"Gesundheit vor Gold": Teamarzt über die Lage bei Frenzel und Weber

Gesundheit geht eindeutig vor Goldmedaille

Für Pecher gilt das Motto: "Gesundheit geht eindeutig vor Goldmedaille, ich muss sie schützen." Der Deutsche Skiverband (DSV) entschied daher, dass Manuel Faißt am Sonntag aus Deutschland nach Peking nachreist, damit zumindest der Staffelstart garantiert ist. Auch Team-Olympiasieger Fabian Rießle hält sich für den Fall der Fälle bereit. Doch Frenzel und Weber, der aufgrund seines CT-Werts in seinem Zimmer im Teamhotel isoliert ist, wollen nicht aufgeben.
Dabei müssen sie neben den körperlichen Auswirkungen auch mit der mentalen Belastung umgehen. Besonders für Frenzel sei es gerade "schwierig", berichtete Pecher, "es tut ihm schon weh, dass er ins Quarantänehotel musste." Für solche Fälle bietet der DOSB in Peking Unterstützung, drei sogenannte Welfare Officer stehen bei Bedarf zur Verfügung. Der Eiskunstläufer Nolan Seegert, der als erster deutscher Athlet in Quarantäne musste, nutzt die psychologische Hilfe.
Trainieren kann Sportsoldat Seegert kaum, die nötigen Geräte fehlen noch immer, und der Paarlauf-Wettbewerb (18. Februar) rückt näher. Eine Lösung zeichne sich ab, sagte Schimmelpfennig. Immerhin funktioniere das W-Lan schon besser. Doch den Athleten war für den Fall einer Quarantäne mehr versprochen worden als schnelles Internet, nachdem Rodler Tobias Arlt im November mit Bildern von Kakerlaken in einem Isolationszimmer international für Aufsehen gesorgt hatte.
Das könnte Dich auch interessieren:Ungewissheit bei Lara Gut-Behrami
(SID)

Corona: Diese Test-Regeln gelten bei Olympia in Peking

Olympia - Nordische Kombination
Kritik an Frenzels Quarantäne-Hotel: "So habe ich ihn mental noch nie erlebt"
05/02/2022 AM 04:22
Olympia - Nordische Kombination
Nach positivem Test: Frenzel meldet sich zu Wort
04/02/2022 AM 14:48