Die Beach-Queen und der Rekordspringer schreiben Olympia-Geschichte: Laura Ludwig und Patrick Hausding führen die deutsche Mannschaft bei den Sommerspielen als Fahnenträger-Duo ins Stadion. Zu zweit, aber mit nur einer Flagge. "Ich hoffe, Patrick ist der Gentleman und übernimmt die schwere Arbeit", sagte Ludwig bei der Vorstellung am Donnerstag.
Die Beachvolleyball-Olympiasiegerin von Rio will dem Wasserspringer den Vortritt lassen: "Du musst die Fahne tragen, du hast den größeren Bizeps." Rekordeuropameister Hausding, der ebenso wie Ludwig zum vierten Mal an den Sommerspielen teilnimmt, entgegnete lachend: "Das ist noch nicht abgesprochen. Die Fahne darf nur nicht kaputtgehen oder runterfallen, und wir dürfen nicht über unsere Füße stolpern."
Das Duo, das bei der Eröffnungsfeier am Freitag (13.00 Uhr MESZ) ein Zeichen für Gleichberechtigung setzt, war von über 200 Olympioniken und 185.000 Fans in einer Online-Abstimmung ermittelt worden. Ludwig distanzierte mit knapp 31 Prozent der Stimmen ihre Konkurrentinnen deutlich. Hausding setzte sich nur mit sieben Hundertstel-Prozent Vorsprung gegen Turn-Olympiasieger Andreas Toba durch. "Das ist schon verdammt knapp", sagte der Berliner, der in Tokio nach Silber 2008 und Bronze 2016 seine dritte Olympia-Medaille anpeilt.
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Die Hamburgerin Ludwig, nach ihrem Triumph vor fünf Jahren am berühmten Strand der Copacabana nicht nur für DOSB-Präsident Alfons Hörmann "eines der olympischen Gesichter im Team D", hatte bei der Benachrichtigung zunächst Schlimmes befürchtet. Als sich der Teamleiter "top secret" sofort mit ihr treffen wollte, "habe ich gedacht, ich hatte Kontakt zu einem Coronafall". Der zweite Gedanke sei dann "positiv, sehr positiv" gewesen, "ich bin begeistert und stolz".
Hausding wurde ins Mannschaftsbüro gebeten, "mit Laura, dann wurde die Tür zugemacht". Eigentlich hätte er trainieren sollen, berichtete der Rekord-Europameister, "aber der Bundestrainer hat gesagt: Da musst du hin. Es hat sich gelohnt".
Die historische Vorstellung hatte mit einer Panne begonnen. Die angekündigte Pressekonferenz im Olympischen Dorf musste verschoben werden. Der Raum war nicht reserviert, das norwegische Schwimmteam stellte sich stattdessen den Journalisten. Ludwig und Hausding mussten warten.
Die beiden sorgen am Freitag vor weitgehend leeren Rängen für eine Premiere: Erstmals trägt ein Duo beim Einzug der deutschen Olympioniken die Flagge. Bei den bisherigen Spielen im Sommer und Winter seit der Wiedervereinigung führten zehn Männer, aber nur fünf Frauen das deutsche Team ins Olympiastadion. Der DOSB hatte jeweils fünf Frauen und Männer zur Wahl gestellt. Abstimmen durften die deutschen Olympia-Teilnehmer und die Fans - je zur Hälfte.

Das Fahnenträger-Duo im Stenogramm:

Laura Ludwig (Beachvolleyball)
geboren: 13. Januar 1986
Beruf: Profi
Verein: Hamburger SV
Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2016, Weltmeisterin 2017, Europameisterin 2008, 2010, 2015, 2016.
Patrick Hausding (Wasserspringen)
geboren: 9. Mai 1989
Beruf: Sportsoldat
Verein: Berliner TSC
Größte Erfolge: Olympiazweiter 2008 (Turm Synchron), Olympiadritter 2016 (3-m-Brett), Weltmeister 2013 (Turm Synchron), 17-maliger Europameister.

Deutschlands Fahnenträger bei Olympischen Sommerspielen:

1908 in London: Wilhelm Kaufmann (Kunstturnen)
1912 in Stockholm: Karl Halt (Leichtathletik)
1928 in Amsterdam: Ernst Paulus (Leichtathletik)
1932 in Los Angeles: Georg Gehring (Ringen)
1936 in Berlin: Hans Fritsch (Leichtathletik)
1952 in Helsinki: BR Deutschland Friedel Schirmer (Leichtathletik) / Saarland Toni Broder (Leichtathletik)
1956 in Melbourne: Gesamtdeutsche Mannschaft Karl-Friedrich Haas (Leichtathletik) / in Stockholm: Fritz Thiedemann (Reiten)
1960 in Rom: Gesamtdeutsche Mannschaft Fritz Thiedemann (Reiten)
1964 in Tokio: Gesamtdeutsche Mannschaft Ingrid Engel-Krämer (Wasserspringen)
1968 in Mexiko-Stadt: BR Deutschland Wilfried Dietrich (Ringen) / DDR Karin Balzer (Leichtathletik)
1972 in München: BR Deutschland Detlef Lewe (Kanu) / DDR Manfred Wolke (Boxen)
1976 in Montreal: BR Deutschland Hans Günter Winkler (Reiten) / DDR Hans Reimann (Leichtathletik)
1980 in Moskau: DDR Kristina Richter (Handball)
1984 in Los Angeles: BR Deutschland Wilhelm Kuhweide (Segeln)
1988 in Seoul: BR Deutschland Dr. Reiner Klimke (Reiten) / DDR Ulf Timmermann (Leichtathletik)
1992 in Barcelona: Manfred Klein (Rudern)
1996 in Atlanta: Arnd Schmitt (Fechten)
2000 in Sydney: Birgit Fischer (Kanu)
2004 in Athen: Ludger Beerbaum (Reiten)
2008 in Peking: Dirk Nowitzki (Basketball)
2012 in London: Natascha Keller (Hockey)
2016 in Rio de Janeiro: Timo Boll (Tischtennis)
2021 in Tokio: Laura Ludwig (Beachvolleyball) und Patrick Hausding (Wasserspringen)
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(mit SID)

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