Bei manchem Wettkampf ist die Sicherheit vor dem Virus nicht gegeben, oft lassen sich die Quali-Bedingungen von Land zu Land nicht vergleichen.
Präsident Hartung vom Verein Athleten Deutschland spricht im SID-Interview mit Blick auf Olympia von einer "großen Unsicherheit, die es extrem schwer macht, sich ganz auf den Sport zu konzentrieren und die besten Leistungen zu bringen".
Befeuert werden die Sorgen durch mangelnde Planbarkeit, fehlende Kommunikation und löchrige Schutz-Konzepte. Reiten, Wasserspringen, Synchronschwimmen, Gewichtheben, Judo, Fechten - in all diesen Sportarten gibt es Probleme.
Olympia Tokio 2020
Olympia in Tokio: Zeitplan, Kalender, Highlights der Sommerspiele
28/01/2021 AM 08:58
Die Zeit rennt davon. Beispiel Wassersport: Im April und Mai sollten die Wasserspringer sowie die Freiwasser-und Synchronschwimmer in Tokio ihre Olympia-Starter ermitteln, doch die Quali wurde wegen Corona abgesagt. Wie nun die Tickets vergeben werden sollen, ist noch unklar. Möglicherweise werden die Ergebnisse der WM 2019 für Tokio zugrunde gelegt. Zwei Jahre alte Leistungen zu verwenden, wäre aber kaum im Sinne des Erfinders.

Olympia-Quali: Unsicherheit bei Reitsport und Gewichtheben

Das Gefühl der Unsicherheit kennen auch die Gewichtheber. Wie ihre Qualifikation am Ende abläuft, ist noch nicht abzusehen. Der Weltverband IWF hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgeschlagen, die Qualifikationskriterien noch einmal zu ändern. Zum Ärger vieler noch nicht qualifizierter Sportler, die noch im alten System rechnen und hoffen, dass ihre Leistungen am Ende reichen. "Wir haben momentan das Problem, dass wir ein bisschen in der Schwebe sind", sagte Bundestrainer David Kurch dem SID.
Nicht minder vertrackt geht es bei den Reitern zu. Einige Toppferde wie Isabell Werths Bella Rose stehen für Olympia auf der Kippe, weil sie seit der EM 2019 nicht international gegangen sind und deshalb den vom Weltverband geforderten Leistungsnachweis bisher nicht erbracht haben. Im Dressurreiten geht das eigentlich nur bei internationalen Turnieren, von denen es bis zu Olympia keine mehr gibt. Denn das CHIO in Aachen, in das viele Quali-Hoffnungen gesetzt waren, wurde abgesagt. Die schlussendliche Olympia-Quali steigt im Sommer in Balve.
Neben den organisatorischen Brandherden und den zeitlichen Engpässen bedrohte das Coronavirus selbst die Olympia-Vorbereitung vieler Athleten. Judoka Luise Malzahn wurde Ende März beim Grand Slam in Tiflis positiv getestet und hockte zehn Tage in Quarantäne auf ihrem Hotelzimmer, davor wurde der Fecht-Weltcup in Budapest zum Superspreader-Event. Wie Hartung berichtet, wurden die Wettkämpfe in Ungarn "mit Schutzmaßnahmen durchgeführt, aber auch mit der gleichen Teilnehmerzahl, wie man das am Ende der Quali vor einem Jahr gemacht hätte. Das hat nicht funktioniert."
Vor Tokio blicken die deutschen Athleten in Sachen Gesundheitsschutz auch wehmütig ins Ausland. Da einige Nationen ihre Impfkampagne schneller vorangetrieben haben als Deutschland, sind dort auch viele Athleten bereits geimpft. "Die können sich jetzt viel unbesorgter vorbereiten und mit viel weniger Sorge an Quali-Wettkämpfen teilnehmen", sagt Hartung, der selbst als Kontaktperson einer Schwangeren ein Impfangebot erhalten hatte: "Das bringt diejenigen, die jetzt die ganze Zeit aufpassen und Kontakte vermieden haben in einen Wettbewerbsnachteil. Das fühlt sich auch ein Stück weit ungerecht an."
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(SID)

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