Getty Images

Task Force bastelt am "Olympia-Puzzle" - Japans Geldsorgen wachsen

Task Force bastelt am "Olympia-Puzzle" - Japans Geldsorgen wachsen
Von Eurosport

26/03/2020 um 15:08Aktualisiert 26/03/2020 um 20:22

Der Name wird Programm: Nach der Verlegung der Olympischen Spiele von Tokio ruhen alle Hoffnungen auf der neuen Task Force des IOC mit dem passenden Namen "Here we go" (zu deutsch: "Auf gehts"). Zeitpunkt, Kosten, Qualifikation - das Einsatzkommando soll die wichtigsten der gewaltigen Probleme lösen, die durch die Verschiebung des Welt-Sportfestes wegen der Coronakrise entstanden sind.

Am Donnerstag befragte die Task Force auf der Suche nach einem neuen Termin zunächst die internationalen Sportverbände - und soll nun selbst einen konkreten Vorschlag machen. "In den kommenden zwei, drei Wochen" hofft Thomas Weikert auf eine solche Ansage von oben, der Präsident des Internationalen Tischtennis-Verbandes (ITTF) nahm am späten Nachmittag an der Sitzung teil.

Eine Einigung auf demokratischem Wege stellt sich als schwierig dar, es gilt schließlich, angesichts der Interessen von 33 Sportverbänden einen Kompromiss zu finden. "Da wird natürlich die ganze Bandbreite genannt. Vom Tischtennisverband hören sie einen anderen Vorschlag als etwa vom Leichtathletikverband", sagte Weikert dem SID: "Aber es ist kein Wunschkonzert." Einige Verbände werden ihr Jahr 2021 in jedem Fall umplanen müssen.

Weikert: "Gewaltige Aufgaben"

Fragen zu den Finanzen und künftigen Wettkämpfen für die Qualifikation wurden am Donnerstag allenfalls angerissen. "Es sind insgesamt sicherlich gewaltige Aufgaben", räumte Weikert ein:

"Doch ich vertraue dem IOC. Die Olympischen Spiele waren bislang immer sehr gut organisiert."

Viele Mosaiksteine sind es also, oder, wie Sprecher Craig Spence vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) so passend sagt: "Wir müssen das schwierigste Puzzle der Welt unter höherem Zeitdruck noch mal von vorne beginnen."

Video - Ruder-Weltmeister Zeidler gesteht: "Mich überfordert die aktuelle Situation total"

07:35

Tokio-OK erwartet "sehr hohe" Zusatzkosten

Für Japan geht es in den ersten Gesprächen vor allem auch um die enormen Kosten, welche die historisch erste Verlegung in der Geschichte der Olympischen Spielen mit sich bringen. "Wir gehen davon aus, dass die zusätzlichen Kosten sehr hoch sein werden", sagte Geschäftsführer Toshiro Muto vom Organisationskomitee, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Nach einer Rechnung der japanischen Tageszeitung "Nikkei" sollen unter anderem für die Miete von Wettkampfstätten, Umbuchungen von Hotels und Kosten für Personal und Sicherheitskräfte zunächst zusätzlich bis zu 2,7 Milliarden Dollar aufgewendet werden müssen. Experten schätzen die Mehrkosten durch die Verlegung insgesamt auf mehr als fünf Milliarden Euro, insgesamt soll Japan schon mehr als 20 Milliarden Euro in sein Prestigeprojekt gepumpt haben.

Keine Versicherung gegen Ausfall durch Pandemie

Zudem deutet alles darauf hin, dass das Gastgeberland nicht für den Fall einer Pandemie versichert gewesen ist. Es liege "die Vermutung nahe, dass man aus Gründen der Vernunft freiwillig verschoben hat", sagte der renommierte Spezialanwalt Mark Wilhelm aus Düsseldorf dem "SID". Sollte dies zutreffen, "ist auch kein Versicherungsschutz gegeben".

Durch die Einstufung der Coronakrise als Pandemie werden bei der Absage von (Sport-)Veranstaltungen aller Voraussicht nach ohnehin keine Versicherungen einspringen, sagte Wilhelm. "Das kann man versichern, das hat nur keiner gemacht, weil niemand daran gedacht hat, dass so etwas jemals passieren könnte."

Video - Feierliche Entzündung an schicksalsträchtigem Ort: Das Olympische Feuer brennt

00:51

Große Probleme für Sponsoren und im Marketing

Experten sehen auch auf Sponsoren und Marketingabteilungen auch in Japan nach der Verschiebung enorme Probleme zukommen. Werbekampagnen mit prominenten Sportlern umzusteuern, sei etwa "sicher eine Riesenherausforderung", sagte Marketing-Experte Dennis Trautwein, der für die weltweit tätige Beratungsagentur Octagon ein Büro in Tokio aufbaute, dem "SID".

Die Sponsoren stünden vor der Frage: "Wie können sie dieses Aufmerksamkeitsfenster verlängern und auch zusätzliche Gelder freimachen - und das in einer Situation, in der viele Unternehmen wirtschaftlich unter Druck geraten und unter Umständen nicht mehr die ursprünglich eingeplanten Gelder zur Verfügung haben."

Weitere Fragen des Organisationskomitees behandeln das Olympische Dorf oder die Nutzung der temporären Sportstätten. "Ich denke, nach der Verschiebung brauchen wir jetzt Kompromisse von allen Beteiligten", sagte IOC-Präsident Thomas Bach.

OK-Präsident will nicht aufgeben

Trotz aller Finanzprobleme gab sich Yoshiro Mori, 82 Jahre alter Präsident des Organisationskomitees, kämpferisch. "Wir haben keine Wahl, aber die Hoffnung", sagte der frühere Premierminister und machte seinen Landsleuten durch sein persönliches Schicksal Mut:

"Ich habe den Krebs besiegt. Ich bin hier und darf weiterleben."

Rückendeckung gab es auch von US-Präsident Donald Trump, der ein gutes Verhältnis zu Japans Premierminister Shinzo Abe pflegt. Trump kündigte schon mal seinen Besuch der Olympischen Spiele fürs nächste Jahr an und glaubte wohl, damit in schwierigen Zeiten ein Zeichen zu setzen. Trump: "Ich habe dem japanischen Premierminister Abe gesagt, dass ich da sein werde."

(SID)

Video - Weltmeister Kaul zu Olympia-Verschiebung: Das Herz blutet

16:47