"When pigs fly" sagt man im englischen Sprachraum gerne, wenn etwas unter Garantie nicht passieren wird. Womöglich fühlte sich Sasaki durch diese Redewendung herausgefordert, als er die krude Idee mit seinem Kreativteam teilte.
Sasakis Gedankenspiel, Watanabe bei der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Tokio im Schweinekostüm als "Olympig" einschweben zu lassen, hat dem Olympia-Gastgeber allerdings nicht die gewünschte Form der Aufmerksamkeit verschafft. Stattdessen ist der nächste Eklat perfekt.
Immerhin: Anders als beim Sexismus-Skandal um OK-Chef Yoshiro Mori wurde die Situation nicht durch Aussitzen verschlimmert. Wenige Stunden nachdem das Wochenmagazin Shukan Bunshun die Idee des Kreativdirektors publik gemacht hatte, bot Sasaki reumütig seinen Rücktritt an.
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Sasaki entschuldigt sich

"Meine Ideen und Bemerkungen waren vollkommen unangemessen. Sie wären eine große Beleidigung für Frau Watanabe. Das kann nicht zurückgenommen werden", teilte der 66-Jährige in einem Statement mit:
Ich entschuldige mich aufrichtig bei ihr und den Menschen, die sich wegen solcher Inhalte unwohl gefühlt haben."
Generell sei er ein Mensch, "der zu Scherzen neigt".
OK-Chefin Seiko Hashimoto akzeptierte Sasakis Rücktrittsgesuch. "Ich war schockiert. Über das Aussehen zu scherzen ist sehr, sehr unangemessen", sagte die Mori-Nachfolgerin und fügte an, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Artikel "besorgt" gewesen sei.
Auch Japans Regierung schaltete sich ein, der stellvertretende Kabinettschef Naoki Okada wertete Sasakis Idee als "vollkommen unangebracht". Eine Reaktion, welche die Tragweite der Verfehlung verdeutlicht.
Die Fragezeichen, wie die Spiele inmitten der Corona-Pandemie stattfinden können, sind groß. Flankierende Baustellen helfen nicht, zumal weite Teile der japanischen Bevölkerung die Austragung der bereits um ein Jahr verschobenen Spiele vom 23. Juli bis zum 8. August kritisch sehen.

So reagiert Watanabe auf Sasakis Idee

Die 33-jährige Watanabe, Entertainerin, Schauspielerin und Modedesignerin mit mehr als neun Millionen Followern in den Sozialen Netzwerken, stand im Zentrum der Planungen Sasakis. Watanabe sagte in einer Erklärung, die über ihre Agentur herausgegeben wurde, dass sie von den Bemerkungen "überrascht" sei. "Ich bin glücklich mit meiner Körperform", fügte sie hinzu und forderte eine Welt, in der "Individuen sich gegenseitig respektieren" können.
Bei der Abschlusszeremonie in Rio 2016 war Sasaki bereits an der künstlerischen Umsetzung beteiligt, er ließ den damaligen japanischen Premierminister Shinzo Abe als Super Mario auftreten. Den Posten für Tokio hatte Sasaki erst im vergangenen Dezember erhalten, der ehemalige Manager des Marketing-Riesen Dentsu sollte ein siebenköpfiges Team ersetzen - und die ohnehin längst aus dem Ufer gelaufenen Kosten im Auge behalten.
Entsprechend demütig gab sich Sasaki bei seiner Vorstellung: "Schrille und extravagante Zeremonien wurden in der Vergangenheit bestaunt, sie werden aber in der heutigen Zeit als übertrieben empfunden." Man müsse "diese Zeit als Chance betrachten, uns zu ändern - wegen COVID-19, oder eher dank COVID-19", sagte er kurz vor Weihnachten.
Ungefähr zu dieser Zeit hatte er auch die Idee mit dem "Olympig". Mehrere Mitglieder seines Planungsteams schmetterten den Gedanken ab, der über Umwege nun den Weg an die Öffentlichkeit fand.
Durch die Preisgabe von Interna war auch Mori im Februar zu Fall gekommen, er hatte Frauen unterstellt, sie würden Meetings in die Länge ziehen, weil sie "Schwierigkeiten haben, sich präzise auszudrücken". Das Organisationskomitee und auch das IOC zögerten lange, erst nach Tagen trat der frühere Premierminister unter dem stetig zunehmenden Druck zurück. Diesmal ist den Verantwortlichen zumindest ein schneller Schlussstrich gelungen.
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(SID)

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