Frank Stäbler hatte nichts Böses im Sinn. Stolz präsentierte der Ringer seine Bronzemedaille den Hunderten Fans am Frankfurter Römer, dann zog er ein freudiges Fazit. Gleich dreimal Edelmetall habe sein kleiner Verband in Tokio geholt, "die Leichtathletik", sagte Stäbler vergleichend, "hatte 90 Teilnehmer, aber auch nur drei Medaillen." Und damit war das große Problem des deutschen Sports umrissen.
Insgesamt 37 Medaillen standen am Ende für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu Buche, davon zehn goldene - es ist das schwächste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.
Zahlreiche Sportarten blieben mal wieder deutlich hinter den Erwartungen zurück, es ist keine neue Entwicklung: Deutschland ist nur noch olympisches Mittelmaß, das ist kein Ausrutscher, es ist ein Trend.
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Extrem düster fiel die Bilanz in den Mannschaftssportarten aus, erstmals seit Atlanta 1996 gab es hier gar keine Medaille.

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Ehemalige Athleten fordern Wandel

Bei den in Tokio erfolglosen Verbänden gehe es nun darum, "selbstkritisch darüber zu diskutieren, woran es gelegen hat", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann beim Empfang in Frankfurt/Main am Montag. Man habe dort "die Weichen zu stellen", um in Paris 2024 und Los Angeles 2028 besser abzuschneiden.
Wie diese Weichenstellung konkret aussehen soll, wird allerdings kontrovers diskutiert. Denn viele Beobachter sehen keineswegs bloß ein Problem innerhalb der einzelnen Verbände. Der DOSB, sagt etwa der frühere Weltklasse-Schwimmer und Olympiasieger Michael Groß, sei mit Blick auf den Leistungssport "ein Auslaufmodell".
Um "langfristig wieder unter die Top Fünf zu kommen" fordert er "einen radikalen Wandel": Der Spitzensport müsse endlich auch wie Spitzensport behandelt werden. Stattdessen arbeite der DOSB "etwa so, als ob Mercedes sein Formel-1-Team – den Leistungssport – wie eine normale Autofabrik – den Breitensport – steuern würde", sagte der dreimalige olympische Goldmedaillengewinner bei "t-online.de".
Der "Tanker DOSB" sei "viel zu träge" und brauche "eine eigene schlanke Struktur für den olympischen Leistungssport. Diese müsste soweit wie möglich eigenständig agieren."

Die Niederlande als Vorbild?

Der frühere Zehnkämpfer Frank Busemann sieht das ähnlich, er konkretisiert in seiner Kolumne auf "sportschau.de": "Mit einer zusätzlichen Professionalisierung, Zentralisierung, Hinzuziehung diverser Fachleute (...) würden auch langfristig bessere Leistungen erzielt werden können."
Busemann, Silbermedaillengewinner von 1996, blickt hierfür zum "vermeintlich 'kleinen' Nachbarn" Niederlande, der in Tokio zum ersten Mal im Medaillenspiegel vor Deutschland stand. "Wir erleben immer wieder Nationen, die Reformen auf den Weg bringen und dann ernten", schrieb Busemann.
Auch die von der Sporthilfe ausgeschüttete Goldprämie von 20.000 Euro hält er für zu gering. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland hier im unteren Drittel.

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Allerdings gehört auch zur Wahrheit: Geld allein löst das Problem nicht. Das Bundesinnenministerium (BMI) hatte für Tokio im Vergleich zu Rio de Janeiro deutlich mehr Geld zur Verfügung gestellt, das Ergebnis von 2016 (17 Goldmedaillen) wurde dennoch klar verfehlt.
Hörmann und der DOSB wollen nun über Reformen und Bürokratie-Abbau "intensiv diskutieren". Auch Sicht von Schwimm-Ikone Groß geht das nicht weit genug: "Der Versuch des DOSB dauert bereits 15 Jahre." Optimieren allein reiche nicht mehr aus.
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(SID)
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