"Ja", sagt Tom Johnston mit rauer Stimme unter einem zotteligen Schnauzbart hervor, "ich kann ihn nicht leiden! Denn ich kann Naturschnee nicht kontrollieren."
Eigentlich ist Tom Johnston ein Farmer aus Wyoming mit erheblichem Landbesitz. Seine Leidenschaft ist das Heu. Doch im Winter, auch derzeit bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang, ist er der Guru der Pisten. "Du musst immer ein stabiles Produkt garantieren", sagt er. Fällt der Schnee zusammen, "dann hassen sie dich. Ist es eisig, hassen sie dich weniger." Als Pistenmeister der alpinen Rennen tüftelt Johnston am perfekten Kristall.
Wie ist die Struktur? Wie kann ich sie verändern? Brauche ich den Pistenbully? Sind die Nächte kalt? Und wie hoch liegt die Luftfeuchtigkeit?
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Olympisches Eis friert die Waschmaschinen ein
10/02/2018 AM 08:38
Knifflige Fragen. Kaum jemand kann sie so gut beantworten wie er.

Ohne Johnston geht nichts

Der US-Rennläufer Steven Nyman raunt:
Tommy ist ein Zauberer. Er ist ein Magier des Schnees.
Genauer gesagt: des Kunstschnees. Kontrollierbar, veränderlich, nicht spontan vom Himmel fallend. So liebt Johnston es. Er lässt die Pisten gerne beschneien, danach formt er die Sprünge, Buckel und Gleitstücke für seinen Kurs-Designer Bernhard Russi, den Abfahrts-Olympiasieger von Sapporo.
Johnston ist nur einer der Tüftler, Experten und (teilweise) auch kuriosen Typen, ohne die nichts geht in Südkorea. Die Eismeister des Gangneung Oval gehören dazu, wo die Eisschnellläufer um Gold, Silber und Bronze kämpfen werden. All die magischen Wachser, Kantenschleifer, Präparierer, Wissenschaftler, in deren Hände die Stars der Szene ihr Schicksal legen. Auch Albert Zehetner, österreichischer Erbauer der Superpipe. "Das Ziel ist, dass wir bei Olympia Runs sehen, die vorher noch nie zu sehen waren", sagt er.

Friedrich vertraut wieder auf Medaillenschmiede FES

Francesco Friedrich hingegen hat eine kostspielige Rolle rückwärts hinter sich. Der siebenmalige Weltmeister verzichtet im deutschen Zweierbob auf seinen Schlitten des Herstellers Wallner - er kehrte reumütig zum Stammhersteller FES zurück. Nach der Olympiaschmach von Sotschi 2014 mit schwachen FES-Schlitten hatte der deutsche Verband für eine sechsstellige Summe die Wallner-Geräte angeschafft, um sich abzusichern. Nun vertraut Friedrich doch wieder auf das Material der staatlich finanzierten deutschen Medaillenschmiede FES. Es muss eben nicht nur das Material stimmen, sondern auch das Gefühl.
Auch im Skispringen. Mittels eines 30-Gramm-Chips hinter der Bindung werden im deutschen Team Daten wie Geschwindigkeit, Flughöhe, Winkel der Skier oder Aufkantwinkel erhoben - in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig. Jeder Zentimeter, jedes Grad Neigung, jede Zehntelsekunde kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Ein besseres Gleiten kann wichtiger sein als alle Muskelkraft.

Kuriose Schwierigkeiten: Kein Backofen in der Küche

Manchmal sind es die ganz abseitigen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Susanne Böhlen, die Logistikchefin der Schweizer Olympioniken, hatte mit recht kuriosen Schwierigkeiten zu kämpfen. So war die Suche nach einer Küche vor Ort "nicht so einfach. Denn die Südkoreaner haben nicht das gleiche Verständnis von einer Küchenausstattung wie wir." Und so ist häufig kein Backofen eingeplant.
Auch verschifft Frau Böhlen beileibe nicht nur Eishockey-Kleidung, Ski oder medizinisches Material. Zur Ausrüstung gehören 60 Slalomstangen, 200 Kilogramm Müsli, 15.000 Kaffeekapseln - und 1000 Liter Rivella, die Schweizer Milchserum-Limonade.
So ist für die meisten Athleten in Pyeongchang alles bestens vorbereitet. Es sei denn, wird Tom Johnston sagen, es schneit. Das wäre natürlich eine Katastrophe.
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