Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Die Brasilianer mögen es gern etwas kompliziert, das beweist auch der Weg zum Pressezelt beim Straßenradfahren. Da ist zunächst die Sprachbarriere, die meisten der sehr coolen Militärs an den Kontrollposten sprechen, wenn sie überhaupt den Mund aufmachen, kein Englisch.
Rio 2016
Olympia-Blog aus Rio: Ortstermin an der Copacabana & Fahnen-Hissung
05/08/2016 AM 21:35
Knappe Handbewegungen beherrschen die Jungs in den schicken Tarnanzügen dafür umso besser. Der Weg zum Medienbereich? Der eine zeigt: Geradeaus, dann links, nach 150 Metern "control". Der Soldat dort will aber nicht kontrollieren – sondern zeigt mit kühlem Blick in die entgegengesetzte Richtung. Dorthin, wo ich gerade hergekommen bin. Unterstützt von zwei französischen Kollegen überzeuge ich ihn schließlich, uns durchzulassen.

Das Straßenradrennen der Männer

Fotocredit: AFP

Zwei Mal wird danach noch der komplette Inhalt meines Rucksacks durchleuchtet, dazu gibt’s den doppelten Body-Check. Immerhin geht es dabei die ganze Zeit an der gut gefüllten Copacabana entlang. Und die Lage des Pressebereichs auf dem Forte de Copacabana, einer Landzunge vis-à-vis des Zuckerhuts, ist nicht zu verachten.
Am Ziel angekommen, ist’s dann sehr beengt, vier Stunden vor Ankunft der Fahrer in Rio entere ich im Pressezelt den letzten freien Platz. Irgendwann erfolgt der Aufruf an die Fotografen, sich in den nahe gelegenen Zielbereich zu begeben. Drei Stunden vor Rennende. Die Leute hier kennen eben das komplizierte Kontrollsystem.
Das Rennen gewonnen hat übrigens der Belgier Greg Van Avermaet – der bei seinem Job im Sattel auch ganz schön lang unterwegs war: Sechs Stunden, zehn Minuten.

Bildergalerie

Beste Bilder Rio 2016: Voll auf die Zwölf!

10 Fotos

Szene des Tages:

Auch in Rio gibt es Zebrastreifen, der große Unterschied zu denen in Mitteleuropa aber ist: Hier sind sie komplett überflüssig. Weil die Autos ohnehin nicht anhalten, wenn ein Fußgänger versucht, auf die andere Straßenseite zu gelangen. Immerhin: Zeigt ihnen eine Ampel rot, lassen selbst die Wagenlenker in Brasiliens Olympiastadt den Fuß vom Gaspedal. Aber an Zebrastreifen? Haha.
Natürlich gibt es in Rio auch Straßen ohne Ampeln oder Zebrastreifen, sogar sehr viele. Eine davon überquere ich – da nur ein einziges Auto und zudem in sicherer Entfernung zu sehen ist – auf dem abendlichen Nachhauseweg. Doch plötzlich ist das Gefährt nicht mehr in sicherer Entfernung, stattdessen steuert der Fahrer mit zunehmender Geschwindigkeit direkt auf mich zu.
Leicht gehetzt springe ich aufs Trottoir, der Fahrer lenkt im vorletzten Moment zur Seite. Er wollte mir wohl ein bisschen Angst einjagen, teile ich meiner Vermieterin kurz darauf meine Vermutung mit. Sie aber sagt: Nein, keine Angst einjagen – die Leute hier haben bloß keinen Respekt vor Fußgängern. Ich verkneife es mir, den Unterschied zu erörtern.

Zebrastreifen in Rio

Fotocredit: Eurosport

Sidekick des Tages:

Über die eindrucksvolle Pausenunterhaltung - elegante Akrobatik, unterlegt mit Regenwaldkulisse und -geräuschen - in der olympischen Turnarena konnte sich Andreas Toba nicht mehr freuen. Der deutsche Mehrkampfmeister hatte sich zuvor bei der Bodenübung einen Kreuzbandriss zugezogen – und machte nach einer Behandlungspause trotzdem am Pauschenpferd weiter, holte sogar die beste deutsche Punktzahl. "Andreas Toba ist unser Held des Tages", twitterte der DTB.

Zitat des Tages:

Ist der Wettkampf noch so klein, einer muss das Arschloch sein.
Die deutsche Sportschützin Barbara Engleder, nachdem sie Bronze um 0,6 Millimeter an die Chinesin Yi Siling verloren hatte.
Rio 2016
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