Aus Rio de Janeiro berichtet Andreas Morbach

Aufgabe des Tages:

Am Abend ist es ganz ruhig in Rios olympischer Lagune. Tagsüber hat sie den Organisatoren schon zum zweiten Mal Kopfschmerzen bereitet, die Lagoa Rodrigo de Freitas mit ihren tückischen Winden.
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07/08/2016 AM 03:55
Morgens um sieben hatten die Frühaufsteher unter den Ruderern beim Training bereits erhebliche Probleme. Und schuld daran sind die zwei Berge, die sagenhaft schön geformt am nordwestlichen Ufer der Lagune aufragen.
Denn durch sie pfiff eine Sorte Wind, den es hier so noch nie gab. Behauptet Cora Zillich, die Managerin des lokalen Medienbereichs. Seit drei Monaten ist die Frau, die früher für das deutsche Nationalteam ruderte, in Rio. Lebensart und -umstände in Brasilien sind ihr gefühlsmäßig weniger nah als die in Australien, wohin sie vor sieben Jahren zog. Unabhängig davon aber sagt Zillich voller Anteilnahme: "Das haben die Brasilianer nicht auch noch verdient." Diese Wetterkapriolen – neben all den politischen und wirtschaftlichen Problemen, die ohnehin auf dem Land lasten.

Rudern in Rio

Fotocredit: Imago

Schon nach zwei Tagen müssen sie mächtig am Zeitplan herumbasteln. Und der Reservetag bleibt erst mal unangetastet - denn der fiese Wind scheint weiterhin zwischen den Bergen hindurchpfeifen, eigentlich fest verankerte Streckenbojen vor sich hertreiben und die ganze Veranstaltung durcheinander bringen zu wollen.
Am Samstag kippten die Serben Milos Vasic und Nenad Bedik mit ihrem Boot. Am Sonntag lief dem Deutschland-Achter im Training nach nur einer Runde das Boot mit Wasser voll. Die Wettkämpfe mussten wegen der fortgetriebenen Bojen, eines aufkommenden Sturms und später wegen Zeitknappheit abgesagt werden. Als die Dunkelheit hereinbrach, war es dann windstill über der Lagune. Vielleicht sollten die Rio-Macher kurzfristig auf Nachtrennen umplanen.

Szene des Tages:

An der Strandpromenade von Ipanema ist noch mächtig Betrieb, doch in dem kleinen Straßenimbiss wollen sie dichtmachen. Mit der Durchführung beauftragt ist ein stoisch wirkender Mann um die 60, der bislang recht unauffällig in einer Ecke stand und ab und zu ein Papier in einer der vier großen orangen Mülleimer geworfen hat.
Aber jetzt wird es ernst mit dem Feierabend, das bekommen die beiden jungen Brasilianerinnen am Nebentisch zu spüren. Ungläubig schauen sie ihrem Landsmann zu, als er den ersten, dann den zweiten Stuhl an ihrem Tisch wortlos davonträgt. Die beiden Frauen immerhin bekommen ihre Stühle nicht unter dem Allerwertesten weggezogen. Noch nicht, muss man wohl sagen.
Denn der Ab- und Aufräumer meint es ernst. Nun packt er, nach einer leisen, aber eindringlichen Diskussion den Tisch mit beiden Händen und trägt ihn vor den weiblichen Gästen davon. Die sitzen nun mit ihren Gläsern in der Hand und ohne Tisch da. Da soll sich noch einer über unfreundliche Bedienungen in Deutschland echauffieren.

Andreas Morbach in Rio

Fotocredit: Eurosport

Sidekick des Tages:

Etwas schusselig war der französische Florettfechter Enzo Lefort vor seinem Duell mit dem Deutschen Peter Joppich. Bevor er auf die Planche trat, hatte er vergessen, sein Handy in der Umkleidekabine zu lassen.
Prompt fiel es ihm beim Zweikampf mit Joppich aus der Gesäßtasche. Der Koblenzer reichte es Lefort freundlich zurück, dann wurde weitergekämpft. Und später wieder telefoniert.

Zitat des Tages:

Ich weiß nicht warum, aber wir haben fürchterlich gespielt.
US-Tennisspielerin Serena Williams nach dem Erstrundenaus im Doppel mit ihrer Schwester Venus - mit der sie zuvor drei Mal olympisches Gold geholt hatte.
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